Abwanderungswillige Brasilianer London? Barcelona? Santos!

Die Bundesliga sollte das nicht persönlich nehmen, sie steht nämlich nicht alleine da. Die Zeiten, in denen brasilianische Talente um alles in der Welt nach Europa wollten, und sei es nur für ein Engagement im ewigen Flutlicht auf den Färöer-Inseln, ist jedenfalls vorbei. Das 19-jährige Wunderkind Neymar hat gerade vorzeitig beim FC Santos verlängert - und lukrative Angebote aus Madrid, Barcelona und London abgelehnt.

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Sein Stammklub verzichtete derweil auf kolportierte 56 Millionen Euro Ablöse und begründete das hinterher mit "einer neuen Einstellung", einer Zeitenwende im Weltfußball. Dazu passt auch, dass Spieler wie Ronaldinho oder Luis Fabiano jetzt schon im Herbst ihrer Karriere zurückkehren. Die Vorgängergeneration um Ronaldo, Adriano und Roberto Carlos kam erst im Winter ihrer Karriere.

Selbstverständlich hat das alles auch mit der Weltmeisterschaft zu tun. Die brasilianische Wirtschaft wächst ohnehin überdurchschnittlich, aber im Kielwasser der WM 2014 wird vor allem im Fußballgeschäft großes Geld umgesetzt. Neue Sponsorenverträge, neue Stadien und neue Fernseh-Deals befruchten sich gegenseitig. Studien belegen, dass die Einnahmen der zwölf größten Vereine Brasiliens in den vergangenen acht Jahren um 199 Prozent gestiegen sind.

Wenn also Leverkusens Vereinsboss Wolfgang Holzhäuser das Urteil fällt, "der brasilianische Markt ist tot", dann bezieht sich das lediglich auf die deutsche Außenhandelsstelle des brasilianischen Marktes. Es ist trotzdem bemerkenswert, weil dieser Handelsweg in Leverkusen praktisch erfunden wurde. Davon zeugen Namen wie Paolo Sergio, Jorginho, Emerson, Lucio, Zé Roberto. Neben Bayer haben nun aber auch Bayern und Bremen das Scouting in Südamerika für beendet erklärt. Zu viel Risiko und zu viel Ärger für zu viel Geld, lautet das Credo nach den Erfahrungen mit Spielern wie Carlos Alberto, Breno oder Athirson.

Holzhäuser sagt: "Man kann Brasilianer fast nicht mehr bezahlen." Erschwerend hinzu kommen die oftmals unübersichtlichen Besitzverhältnisse. Bevor man einen Spieler kauft, dessen linker Fuß dem FC Sao Paolo gehört, dessen rechter Fuß aber schon über eine Briefkastenfirma an einen zypriotischen Zweitligisten ausgeliehen ist, schaut man sich lieber auf den neu-brasilianischen Ersatzmärkten in Japan oder Skandinavien um. Im besten Fall aber freut man sich darüber, dass die deutsche Jugend auch immer brasilianischer wird.