24. November 2012, 17:53 Bundesliga Zwei Platzverweise im torlosen Derby

Das Hochsicherheitsspiel zwischen Fürth und Nürnberg endet ohne Sieger, dafür sehen zwei Spieler die Rote Karte. Borussia Dortmund setzt sich mit einem Sieg in Mainz wieder auf Platz zwei in der Tabelle, Schalke schafft nur ein Remis gegen Frankfurt.

Die Spiele im Überblick

Schiedsrichter Felix Brych (l.) zeigt Nürnbergs Markus Feulner (r.) die Rote Karte.

(Foto: dapd)

Im ältesten und meistgespielten Derby Deutschlands haben sich die SpVgg Greuther Fürth und der 1. FC Nürnberg nach einer hoch emotionalen Partie mit vielen Fouls und zwei Platzverweisen 0:0 getrennt. Dabei hatten die Gastgeber ihre fast 30-minütige Überzahl nach Roter Karte für Markus Feulner (35. Minute) nicht nutzen können und mussten ab der 61. Minute nach Gelb-Rot für Sercan Sararer selbst mit zehn Mann spielen. Damit wartet Fürth weiterhin auf den ersten Bundesliga-Heimsieg der Vereinsgeschichte. Für Nürnberg war es der erste Punktgewinn in der Ferne nach vier Auswärtsniederlagen, die erhoffte Revanche für die Achtelfinal-Niederlage im DFB-Pokal vor rund einem Jahr blieb allerdings aus.

In der von einem Großaufgebot der Polizei begleiteten Partie gehörte die Anfangsphase klar den Hausherren. Während Nürnberg es mit hohen Bällen versuchte, spielte Fürth im 255. Derby variabler und sorgte vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Ronhof bereits in der 4. Minute für den ersten Aufreger. Per Nilsson hatte Edgar Prib im Strafraum von den Beinen geholt, Schiedsrichter Felix Brych entschied aber nur auf Eckball. Über einen Strafstoß hätte sich der Club wohl nicht beschweren dürfen.

Erst nach zehn Minuten kamen die Gäste besser ins Spiel, ohne dabei zu glänzen. Die 2000 mitgereisten Nürnberger Fans, die in der Kurve vom gesperrten Timo Gebhart unterstützt wurden, versuchten ihre Mannschaft zwar nach vorne zu peitschen. Im Angriff gelang den defensivstarken Gästen aber nur wenig. Auf der Gegenseite waren es vor allem Gerald Asamoah und Prib, die sich mit gelungenen Aktionen dem Strafraum näherten. Doch Prib wurde in der 21. Minute in letzter Sekunde von Nilsson gestoppt. Asamoah hätte die "Kleeblätter" in Führung schießen können, als er in der 34. Minute allein auf Torwart Raphael Schäfer zulief, aber viel zu lange zögerte und sich letztlich verdribbelte.

Nur Sekunden später sorgte Feulner, der vor einer Woche noch im Derby gegen Bayern München (1:1) getroffen hatte, für den ersten unsportlichen Höhepunkt. Der 30-Jährige foulte Stephan Fürstner mit gestrecktem Bein und wurde von Brych mit der Roten Karte vom Platz geschickt. Fürther und Nürnberger Spieler gerieten immer wieder aneinander. Es kam zu Rudelbildung und Nickeligkeiten. Hecking reagierte und brachte in einem zunehmend kampfbetonten Spiel Devensivspezialist Hanno Balitsch für Stürmer Alexander Esswein (39.).

Fürths Trainer Mike Büskens setzte nach der Pause auf die Offensive und brachte Edu für Milorad Pekovic. Hecking verstärkte in Unterzahl dagegen weiter die Verteidigung und wechselte Marvin Plattenhardt für Hiroshi Kiyotake ein. Doch auch Fürth musste kurz darauf in Unterzahl spielen. Sararer sah nach Ellbogencheck gegen Javier Pinola Gelb-Rot. Der Club witterte jetzt seine Chance auf die Revanche für das Ausscheiden im DFB-Pokal-Achtelfinale vor rund einem Jahr. Plattenhardt und Pinola konnten einen Fehlgriff von Keeper Max Grün aber nicht nutzen (64.). In der Folge kam es in der weitestgehend zerfahrenen Partie kaum noch zu Höhepunkten.

Drei Tage nach seiner Champions-League-Gala beim 4:1 in Amsterdam setzte Borussia Dortmund auch in der Bundesliga seine Erfolgsserie fort, tat sich beim 2:1 (2:1)-Auswärtssieg gegen den FSV Mainz 05 aber viel schwerer als gegen den niederländischen Titelträger. Robert Lewandowski traf mit seinen Saisontoren acht und neun (11./43.) für die Borussen, die nun schon seit neun Pflichtspielen nicht mehr verloren haben. Für die couragierten Mainzer, die erstmals nach vier Bundesliga-Heimsiegen wieder eine Niederlage hinnehmen mussten, hatte Marco Caligiuri die frühe Führung (4.) erzielt.

Marco Reus bringt Dortmund durch seine Vorlage zum Ausgleich in Mainz wieder zurück in die Partie.

(Foto: dpa)

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel hatte sich zu vier personellen Umstellungen genötigt gesehen. Für Jan Kirchhoff, den muskuläre Probleme im Oberschenkel zur Pause zwangen, sowie Junior Diaz, Eugen Polanski und Marcel Risse beorderte er Elkin Soto, Julian Baumgartlinger, Nicolai Müller und Radoslav Zabavnik von Beginn an aufs Feld. Jürgen Klopp nahm nur eine Veränderung vor: Jakub Blaszczykowski ersetzte Kevin Großkreutz. Sven Bender spielte trotz seines Nasenbeinbruchs vom Mittwoch ohne Schutzmaske.

Die Gastgeber erwischten den besseren Start und überraschten den BVB mit dem schnellen Führungstreffer. Nach wiederholter Balleroberung durch die früh attackierenden Rheinhessen steckte Elkin Soto in der vierten Minute gedankenschnell durch zu Marco Caligiuri, der nicht lange fackelte und den Ball aus vollem Lauf mit links zum 1:0 in den rechten oberen Winkel hämmerte. Der Rückstand sorgte bei den Dortmundern für einen Hallo-Wach-Effekt. Sie kamen besser in die Zweikämpfe und erhöhten Druck und Tempo.

Als Linksverteidiger Marcel Schmelzer in der zwölften Minute zwei Mainzer an der Auslinie band und Marco Reus an der Strafraumgrenze bediente, war der Ausgleich vorbereitet. Sturmspitze Robert Lewandowski brachte seinen Körper noch an den mit Effet vors Tor getretenen Flankenball, sodass dem Mainzer Schlussmann Christian Wetklo keine Abwehrchance blieb.

Die Mainzer ließen sich von dem Gegentor nicht beirren. Sie spielten weiter mutig nach vorne und kamen zu hochkarätigen Chancen. Aber sowohl Nicolai Müller als auch Andreas Ivanschitz verfehlten aus aussichtsreicher Position das Ziel. Was Effektivität bedeutet, demonstrierten die Borussen dann zwei Minuten vor der Pause. Mario Götze spielte einen scharfen Pass in die Tiefe auf Lewandowski, der mit einem gefühlvollen Heber zum schmeichelhaften 2:1 seinen neunten Saisontreffer erzielte. Die 34.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena sahen auch in der zweiten Halbzeit einen packenden Schlagabtausch. Fünf Minuten nach Wiederbeginn hatte Lewandowski seinen dritten Treffer auf dem Fuß, doch Wetklo rettete mit einer Fußabwehr in höchster Not. Danach brachte der BVB das Ergebnis sicher über die Runden.

Der FC Schalke 04 hat für den Kraftakt in der Champions League zahlen müssen. Drei Tage nach dem Achtelfinal-Einzug in der Königsklasse gegen Piräus kamen die Gelsenkirchener im Spitzenspiel gegen den punktgleichen Verfolger Eintracht Frankfurt nur zu einem 1:1 (1:1). Das Remis gegen den Aufsteiger war nach dem 0:2 gegen Bayern München erst der zweite Punktverlust im siebten Heimspiel.

Das Tor von Klaas-Jan Huntelaar vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Arena nach elf Minuten war eine Woche nach dem enttäuschenden 0:2 in Leverkusen zu wenig für Heimsieg Nummer sechs. Stefan Aigner (13.) gelang postwendend der Ausgleich für die Hessen, die nach drei Auswärtsniederlagen hintereinander wieder einen Punkt holen konnten.

"Das war heute ein ganz schönes Auf und Ab. Am Ende ist ein Punkt gegen Schalke aber dennoch super", sagte Frankfurts Torschütze Aigner. Zum ersten Mal in der Bundesliga-Historie standen sich die Schalker und Frankfurter mitten in der Saison in einem Duell gegenüber, bei dem beide Vereine einen der ersten drei Plätze einnahmen. In diesem Spitzenspiel vertrauten die Trainer ihrem Stammpersonal. Nur einen Wechsel nahm Huub Stevens im Vergleich zur Niederlage in Leverkusen vor einer Woche und dem 1:0 gegen Piräus in der Champions League am Mittwoch vor.

Atsuto Uchida, der nach einer Verletzung wieder zur Verfügung stand, kam für den Gelb-Rot gesperrten Kyriakos Papadopoulos in die Startelf. Armin Veh verzichtete im Vergleich zum 4:2 gegen Augsburg in der Vorwoche auf jegliche Wechsel bei der Eintracht. Die Partie begann flott. Alexander Meier, der beste Schütze der Eintracht, verfehlte in der 3. Minute mit einem Flachschuss knapp das Tor. Schalke hielt dagegen, setzte die Gäste unter Druck. Stefan Aigner verlor unter dem Pressing den Ball an Lewis Holtby, der mit einem schnellen Pass Klaar-Jan Huntelaar bediente. Der Niederländer stand frei vor dem Tor von Kevin Trapp, der im Sommer 2011 beinahe nach Schalke gewechselt wäre. Huntelaar ließ dem Eintracht-Torwart keine Chance und erzielte mit seinem vierten Saisontor das 1:0 (11.). Doch die Eintracht zeigte, warum sie zur Spitzengruppe gehört. Unbeeindruckt schlug das Veh-Team zurück.

Nach einer Flanke von Bastian Oczipka war die Gelsenkirchener Abwehr noch nicht geordnet, Aigner kam zum Kopfball und machte seinen Fehler wieder wett. Per Kopf traf er zum 1:1, Lars Unnerstall hatte im Schalker Tor keine Chance, zu parieren. Zwtl.: Kraftlose Schalker zu ungenau Die Begegnung war ausgeglichen, Frankfurt spielte wie gewohnt forsch nach vorne und brachte die Westfalen immer wieder einmal in Verlegenheit. Die Gastgeber ihrerseits wirkten drei Tage nach dem Kraftakt gegen Piräus nicht richtig frisch. Das Stevens-Team enttäuschte zwar nicht kämpferisch. Aber zu viele Ungenauigkeiten bei den Aktionen verhinderten, dass sich Schalke entscheidend durchsetzte. Jermaine Jones, der gebürtige Frankfurter in Reihen der Schalker, hatte nach einem Eckstoß mit einem Kopfball noch die beste Torgelegenheit (36.).

Drei Minuten vor der Pause war Aigner plötzlich noch einmal allein vor dem Schalker Tor nach einem perfekten Pass von Takashi Inui, aber der Mittelfeldspieler schien selbst überrascht, völlig allein gelassen vor Unnerstall in Ballbesitz zu kommen. Der ehemalige Münchner Löwe beförderte die Kugel, grätschend im Stile eines Abwehrspielers, neben das Tor (43.). Es war ein weiterer Nachweis, dass Schalke hinten arg anfällig war, aber auch nach vorne kaum etwas Zählbares zustande brachte. In der zweiten Halbzeit mühten sich die Gastgeber, kamen durch Huntelaar, dessen Kopfball die Latte berührte (68.) zur besten Chancen, aber der Sturmlauf wurde nicht belohnt. Immerhin sind die Westfalen nun seit 13 Spielen gegen Frankfurt ohne Niederlage, aber nur ein Sieg hätte sie wirklich zufrieden gestellt - den schafften sie auch nicht, nachdem in der 87. Minute Frankfurts Karim Matmour Gelb-Rot vom Platz gestellt worden war.