Winterurlaub in den Alpen Schnee war's

Über zu wenig Schnee konnte man sich in Bergdörfern wie hier auf der Bettmeralp im Walles diesmal nicht beschweren.

(Foto: imago/imagebroker)

Die Wintersaison in den Alpen geht mit den Osterferien zu Ende. Es war die beste seit Jahren - eine Erfolgsbilanz.

Von Dominik Prantl

Das Wetter

Das Gefühl trügt nicht: Es war ein überdurchschnittlich schneereicher Winter in den Alpen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) meldet für Österreich in einer vorläufigen Bilanz sogar einen der niederschlagsreichsten Winter der vergangenen 30 Jahre. Gerade im Bergland war es besonders feucht, in Teilen Tirols und Kärntens fiel 50 bis 130 Prozent mehr Schnee als im Durchschnitt. Anders als im Winter 2016/17, als bis in den Januar hinein auf den ersten Naturschnee gewartet werden musste, kam der Winter zudem früh und nahm lange kein Ende. Noch mehr gilt das für die Schweiz, wo der Schnee noch immer doppelt so hoch liegt wie im Vergleich zum langjährigen Mittel. Selbst Südtirol war lange Zeit weitgehend weiß.

In den hochalpinen Regionen war der Winter auch ausnahmsweise einmal nicht zu mild. So wurden an den Bergwetterstationen Österreichs laut ZAMG über den Dezember hinweg 1,2 Grad Celsius weniger gemessen als im Mittel. Nach einem vergleichsweise warmen Januar gehörte der Februar mit einer Abweichung von minus 3,9 Grad Celsius sogar zu den kältesten der vergangenen 32 Jahre. In den Gurktaler Alpen und St. Michael im Lungau kühlten einige Dörfer sogar auf weniger als minus 25 Grad ab.

Wer nach diesem Winter trotzdem einen Grund zum Maulen sucht, findet auch den natürlich: Die Sonne schien in Österreich - relativ gesehen - um 15 Prozent weniger. Damit war es der trübste Winter seit acht Jahren. Aber Schnee fällt nun mal aus Wolken.

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Die Bahnen

Die gute Schneelage schlägt sich auch in der Bilanz der Bergbahnen nieder, egal, ob diese in den Alpen oder in deutschen Mittelgebirgen liegen. Die Betreiber des Skigebiets am Feldberg im Schwarzwald beispielsweise freuen sich schon vor dem Saisonende am Wochenende über eine "deutlich überdurchschnittliche Wintersaison". Seit Mitte November sei das Skigebiet durchgehend und mit 141 Betriebstagen insgesamt 50 Tage länger geöffnet gewesen als in der vorangegangenen Saison, heißt es seitens der Betreiber. Dadurch stieg der Umsatz von 5,2 auf acht Millionen Euro. Bei der Karwendelbahn in Mittenwald hat sich die Anzahl der Skifahrer im Vergleich zum Vorjahr bis dato sogar verdreifacht - auf 2300. Und die Saison läuft noch. Die Bahn erschließt mit der Skiroute im Dammkar dabei ein sehr spezielles Gebiet für Tiefschneefahrer und ist wegen fehlender Beschneiungsmöglichkeiten viel stärker auf Naturschnee angewiesen als die großen und finanziell stärkeren Skigebiete in den Alpen.

Diese haben zwar ebenfalls von der verschneiten Landschaft und der damit steigenden Skilauflust der Gäste profitiert. Die Kosten für die maschinelle Beschneiung haben sich dennoch nur minimal reduzieren lassen. Die Grundbeschneiung am Anfang der Saison sei ebenso aufwendig wie in den schneearmen Wintern zuvor gewesen, da sich die Niederschlagsentwicklung nicht abschätzen lasse, teilt etwa eine Sprecherin des Skigebiets Wilder Kaiser mit. Erst in der Nachbeschneiung wurden zehn bis 20 Prozent eingespart.

Auf der Piste, in der Loipe

Die aktuellen Schneehöhen in den Alpen bei Schneehoehen.de.

Die Touristen

Angeblich wurden neben den Bergbahnchefs auch Hoteliers in den Alpenorten schon vor Monaten beim gemeinsamen Geldzählen gesichtet. Das Gastgewerbe durfte anders als in Wintern, in denen Schnee- und Touristenmassen nur die Süd- oder die Nordseite segneten, dieses Mal flächendeckend über die Bettenauslastung jubeln. Österreich notiert beispielsweise für den vorläufig ausgewerteten Zeitraum von November bis Februar ein Plus von 5,7 Prozent bei den Übernachtungen und 4,8 Prozent bei den Ankünften - und das auch noch auf einem bereits extrem hohen Niveau von fast 50 Millionen Übernachtungen innerhalb dieser vier Monate. Besonders stark schnitt dabei Kärnten ab, mit neun Prozent mehr Gästen. Nicht anders sieht es jenseits des Brenners aus, wo Südtirol für Dezember und Januar 6,6 Prozent mehr Übernachtungen registrierte. Die bei deutschen Urlaubern besonders beliebten Regionen wie Alta Badia oder Gröden verzeichneten sogar zehn bis zwölf Prozent mehr Ankünfte.

Sogar die Schweiz erholt sich langsam. Sie war in den Wintern zuvor gerade von deutschen Urlaubern wegen des im Vergleich zum Euro starken Frankens und den damit verbundenen höheren Preisen eher gemieden worden. Dabei legten in der vergangenen Wintersaison neben den größeren Städten vor allem die Bergregionen bei der Anzahl der Logiernächte zu. Von November bis Januar betrug der Anstieg dort immerhin 6,8 Prozent. Im traditionell starken Urlaubskanton Graubünden waren es sogar noch ein paar Promille mehr.

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Das Eis

Der Winter war auch etwas für Spezialisten, die lange gehegte Projekte verwirklichen wollten - und zwar nicht nur im Schnee. Denn die vergangenen Monate boten beste Bedingungen für Eiskletterer. Interessanterweise hat das mit dem besonders feuchten und milden Januar zu tun; in Österreich war es gar der drittwärmste seit Einführung der instrumentellen Messungen. Die Phase brachte Vorfrühlingspflanzen wie Hasel und Schneeglöckchen vorzeitig zum Blühen und setzte zudem so manchen Wasserfall in Gang. Im frostigen Februar sind dann Haselkätzchen und Schneeglöckchen wieder verkümmert; das Wasser geriet ins Stocken. Der Osttiroler Bergführer Vittorio Messini erklärt es so: "Aus dieser Januarfeuchte heraus sind Eisfälle entstanden, die es schon seit Jahren nicht mehr gab." Messini selbst gelang an einem solchen Steilwandfall beispielsweise eine schwere Erstbegehung namens "Das Schweigen der Lämmer".

Wer nicht ganz die Nervenstärke besitzt, um einen solchen Psychothriller durchzustehen, dem boten sich beispielsweise am Eispark Osttirol am Matreier Tauernhaus hervorragende Bedingungen. Laut Messini, einem der Initiatoren des Parks, wurden an einem Tag 184 Besucher im größten künstlichen Eisklettergarten Österreichs gezählt. Der Schnitt habe allerdings eher bei 30 bis 40 Kletterern gelegen. Apropos Eis: Glaziologen dürften schon gespannt sein, was mit den Gletschern nach diesem schneereichen Winter passieren wird. Aber das entscheidet dann vor allem der Sommer.

Die Lawinen

Erstmals seit 1999, dem Jahr der Lawinenkatastrophe von Galtür, wurde in den Alpen heuer großflächig die höchste der fünf Lawinenwarnstufen ausgerufen. Dörfer wie Zermatt im Wallis waren im Januar wegen der sehr großen Lawinengefahr tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Sestriere in Norditalien erhielt fast zwei Meter Schnee innerhalb von 48 Stunden. In Österreich wurden zahlreiche Pässe und Schulen gesperrt; das Bundesheer schickte vorsorglich Helikopter in den Westen der Republik.

Die wenigen Tage im Januar täuschen darüber hinweg, dass der Aufbau der Schneedecke durch die regelmäßigen Niederschläge "in diesem Winter ziemlich günstig war", wie Bernhard Niedermoser, Leiter der Salzburger Lawinenwarnzentrale, erklärt. Viel Schnee heißt nicht gleich mehr Lawinen. Das Gefahrenmuster war vielmehr ein völlig anderes als in den vergangenen Jahren, und das nahezu alpenweit. "In fünf der letzten sieben Winter hatten wir vor allem das Altschnee-Problem", präzisiert Niedermoser. Diese meist tief eingelagerten Schwachschichten sind selbst für erfahrene Skitourengeher schwer zu erkennen. "Heuer hatten wir dagegen meist das Problem mit frischem Triebschnee." Hier ist Wind die entscheidende Komponente, weshalb regional große Unterschiede herrschten. Allerdings stieg die Lawinengefahr oft nur vorübergehend an und ließ sich leichter abschätzen. Was die genaue Anzahl der Lawinenopfer betrifft, steht die Statistik noch aus: Gerade in den höheren Lagen ist die Skitourensaion noch lange nicht zu Ende.

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