Insolvenz Was Passagiere über gestrichene Air-Berlin-Flüge wissen sollten

Eine Maschine von Air Berlin am Flughafen Düsseldorf.

(Foto: AFP)
  • Air Berlin hat bekanntgegeben, das Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen.
  • Weitere Langstrecken etwa in die USA enden früher als geplant.
  • Die Situation für Passagiere der insolventen Airline im Überblick.

Was ist passiert?

Trotz des Übergangskredits der Bundesregierung streicht Air Berlin immer mehr Verbindungen - sowohl kurzfristig als auch mit Ankündigung. Nach dem Insolvenzantrag am 15. August hatte zunächst die Hoffnung bestanden, Passagiere würden bis auf Weiteres keine Konsequenzen spüren; die 150 Millionen Euro sollten den Flugbetrieb für etwa drei Monate sicherstellen. Das gelingt nur teilweise, wie sich inzwischen zeigt. Die Airline, die nur noch unter Aufsicht eines Sachwalters operieren kann, muss die Kosten drücken, damit sie den Flugbetrieb so lange aufrechterhalten kann, bis sich Käufer gefunden haben. Außerdem erlebte Air Berlin "ungewöhnlich viele Krankmeldungen im Cockpit".

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Welche Verbindungen von Air Berlin sind konkret betroffen?

Neben kurzfristig gecancelten Flügen geht es vor allem um die angekündigte vollständige Streichung zahlreicher Langstreckenverbindungen. So fällt zum 25. September das Karibik-Programm ab Düsseldorf den Kürzungen zum Opfer, im Einzelnen die Flüge nach Havanna und Varadero (Kuba), Punta Cana und Puerto Plata (Dominikanische Republik), Cancún (Mexiko) und Curaçao (frühere Niederländische Antillen). Die bereits zuvor bekannt gegebenen Streichungen einzelner Langstreckenlinien würden ebenfalls auf den 25. September vorgezogen, erklärte Air Berlin. Dies betreffe die Verbindungen von Berlin nach Abu Dhabi, Chicago, Los Angeles und San Francisco sowie von Düsseldorf nach Boston.

Grundsätzlich betont Air Berlin aber, dass sowohl der eigene Flugplan wie auch der von NIKI fortgeführt wird und buchbar bleibt.

Welche Rechte habe ich nun, wenn mein Flug ausfällt?

Lässt eine Airline einen Flug ausfallen, ist das Unternehmen normalerweise entsprechend der EU-"Fluggastrechteverordnung" gesetzlich verpflichtet, eine Ausgleichsleistung zu erbringen - meist ist das eine Entschädigung in Höhe von 125 bis 600 Euro.

Allerdings teilt Air Berlin seit Wochen auf seiner Website mit, keine Tickets zu erstatten, die vor dem 15. August ausgestellt wurden. Konkret heißt das: Wenn Flüge nicht mehr angeboten werden und die Rettung misslingt, bleiben die Kunden im Laufe des Insolvenzverfahrens wohl komplett auf diesen im Voraus bezahlten Tickets sitzen, erklärt das Fluggastrechte-Portal Fairplane.

Passagiere hingegen, die ihre mit Ankündigung gestrichenen Flüge erst seit dem Insolvenzantrag am 15. August gebucht hatten, bekommen laut Air Berlin den Kaufpreis direkt kostenfrei zurückerstattet. Betroffene Kunden können etwaige weitere Ansprüche beim "Guest Relation Team" anmelden (zur Website geht es hier).

Bei den kurzfristig gestrichenen Flügen bietet Air Berlin laut Website "die bestmögliche Reisealternative" an. Passagiere sollten hier ihren Flugstatus überprüfen, nicht mehr zum Flughafen anreisen und sich stattdessen an die Servicehotlines wenden (die Nummern sind hier aufgelistet). Eventuelle Mehrkosten könnten per Beschwerde-Formular geltend gemacht werden.

Grundsätzlich empfiehlt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland Passagieren dringend, im Falle einer Flugannullierung durch Air Berlin auf eine Umbuchung zu bestehen, anstatt auf eigene Kosten vorschnell einen Ersatzflug oder eine Hotelübernachtung zur Überbrückung zu buchen. Es sei außerdem ratsam, möglichst kein Gepäck mehr bei Air Berlin aufzugeben. Denn gehe ein Koffer verloren oder werde beschädigt, bleibe der Kunde wohl auch auf diesem Schaden sitzen.

Was ist, wenn ich einen Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht habe?

Kunden, die Air-Berlin-Flüge im Rahmen einer Pauschalreise im Reisebüro gebucht haben, haben ingesamt mehr Sicherheit. Derartige Unternehmen sind in der Regel gegen Flugausfälle versichert und müssen im Zweifel für Ersatz sorgen. Entsprechend verweist die Airline Pauschalreisekunden, deren Flüge ausfallen, zunächst an ihre jeweiligen Reiseveranstalter.

Und wenn ich nur den Flug im Reisebüro gekauft habe?

In diesem Fall bleiben die Kunden leider meist auf ihren Kosten sitzen: Denn wenn kein Pauschalurlaub gebucht wurde, treten die meisten Reisebüros oder Online-Portale nur als Vermittler der Einzelflüge auf. Das heißt, dass der Vertrag zwischen Airline und Kunde geschlossen wird, dieser bekommt keinen Sicherungsschein und hat damit Pech gehabt. In einigen wenigen Fällen aber ist das Reisebüro oder Portal selbst der Vertragspartner: Es hatte die Flüge über einen Großhändler billiger gekauft und verkauft sie selbst an den Privatkunden weiter.

In diesem Fall steht das Reisebüro als Zahlungsempfänger und Aussteller auf der Rechnung, erklärt Reiserechtler Ernst Führich. Selbst wenn auf dieser formuliert sei, "wir vermitteln Ihnen den Flug", sei dies nur ein Versuch, sich der Haftung zu entziehen, so Führich. Ein Reisebüro, das zum Veranstalter wurde, sei für einen Ersatzflug zuständig - oder muss den Flugpreis zurückerstatten und Schadenersatz leisten.

Kann ich ein bereits gebuchtes Ticket vorsorglich mit dem Hinweis auf den Insolvenzantrag stornieren?

Nein, wie Felix Methmann, Reiseexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags im August erläuterte. Wie Air Berlin müsse auch der Verbraucher seinen Teil des Vertrages einhalten. Dementsprechend könne er nicht "vorsorglich" von einem Vertrag zurücktreten, nur weil er befürchtet, dass Air Berlin seinen Teil der Abmachung nicht einhält.

Hinzu kommt: Nicht immer kann der Kunde eine Buchung überhaupt stornieren. Im teuersten Air-Berlin-Flugtarif Economy Flex ist das Stornieren zwar manchmal kostenfrei, für Flüge in der Economy Classic erhebt Air Berlin hingegen eine Gebühr. Für den Tarif Economy Light ist eine Stornierung ausgeschlossen.

Oft haben Kunden zudem nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren, nicht auf den Ticketpreis. In diesem Fall lohnt sich die Stornierung für Verbraucher kaum. Auf der Air-Berlin-Website heißt es ausdrücklich, dass Kunden bei der Stornierung von Tickets nicht einmal Steuern und Gebühren erstattet bekommen: Für betroffene Passagiere bestehe die Möglichkeit, die Forderung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anzumelden.

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Air-Berlin-Kunden können ihre gesammelten Flugmeilen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen. Nachdem Meilensammeln und -einlösen bereits eine Woche lang ausgesetzt worden war, stellte das Programm Topbonus am 25. August selbst Insolvenzantrag.

Auch Fluggutscheine (Voucher), die für Ausfälle verteilt wurden, können seit einiger Zeit nicht mehr eingelöst werden, eine Auszahlung sei ebenfalls nicht möglich.

Als Erklärung gab Air Berlin an, dass entsprechende Erstattungen und Kompensationen insolvenzrechtlich ausgeschlossen sind. Zwar können Verbraucher ihre Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden - ob sie ihr Geld zurückerhalten, ist jedoch fraglich. Bereits gebuchte Tickets unter Einlösung eines Voucher behalten allerdings ihre Gültigkeit.

Wie steht es derzeit um die Zukunftsaussichten der Fluglinie?

Air Berlin befindet sich derzeit in Verhandlungen mit verschiedenen Kaufinteressenten, darunter Lufthansa, Easyjet, Condor und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Womöglich könnte dann die nächste Gläubigerversammlung am 21. September schon entscheiden, welche Käufer einen Zuschlag bekommen.

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