Insolvenz von Air Berlin Lufthansa kauft Großteil von Air Berlin

Eine Maschine der Lufthansa rollt am 27.09.2017 in Berlin im Nebel auf dem Flughafen Tegel an zwei Flugzeugen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin vorbei. Die Lufthansa will einen Großteil von Air Berlin erwerben.

(Foto: dpa)
  • Der Verkauf von einem Teil der Air-Berlin-Flugzeuge an die Lufthansa ist besiegelt.
  • Damit ist ein entscheidender Schritt im Insolvenzverfahren von Air Berlin geschafft.
  • Unklar ist jedoch noch immer, was mit den restlichen Air-Berlin-Teilen geschieht. Es ist nicht gelungen, die Gespräche mit Easyjet zu einem Abschluss zu bringen.

Es ist besiegelt: Ein großer Teil der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bekommt einen neuen Besitzer. Die Lufthansa wird zum Jahresende 81 der zuletzt etwa 130 Maschinen der Air-Berlin-Flotte übernehmen. So steht es im Kaufvertrag, den Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann am Donnerstag unterzeichnet haben. Der Verkauf beinhaltet die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki, den Regionalflieger LGW, 20 weitere Flugzeuge sowie die 38 Air-Berlin-Maschinen, die Lufthansa bereits jetzt inklusive Besatzungen von Air Berlin gemietet hat. Der Kaufpreis liegt Angaben Air Berlins zufolge bei etwa 210 Millionen Euro.

Damit ist ein entscheidender Schritt im Insolvenzverfahren von Air Berlin geschafft - die Zukunft vieler Maschinen und Strecken ist jedoch nach wie vor unsicher. Neben der Lufthansa hatte Air Berlin auch mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet verhandelt. Die beiden Airlines haben sich einem Air-Berlin-Sprecher zufolge jedoch nicht auf einen Verkauf einigen können und werden wohl noch mehrere Wochen lang weiterverhandeln müssen. Nach früheren Aussagen von Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge.

Und auch die Übernahme von Seiten der Lufthansa muss noch eine weitere Hürde nehmen: Experten erwarten bei der geplanten Fusion kartellrechtliche Probleme für die Lufthansa. Das gilt besonders für die Ankündigung des Lufthansa-Chefs Spohr, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings zu organisieren. Voraussichtlich wird die EU-Kommission die Machtverhältnisse auf einzelnen Strecken genau überprüfen.

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Trotz dieser Unsicherheiten atmen viele Beschäftigte bei Air Berlin nun auf. Noch im Sommer hatte es bei der Airline vollkommen chaotisch ausgesehen: Erst häuften sich die Verspätungen, dann die Flugausfälle und in Folge sanken auch die Passagierzahlen. Mitte August schließlich musste Air Berlin Insolvenz anmelden und die Bundesregierung mit einem Notkredit in Höhe von 150 Millionen Euro einspringen, um zumindest den Flugbetrieb bis Ende Oktober zu sichern.

Was mit den Arbeitsplätzen geschehen würde, galt lange als vollkommen unsicher. Mittlerweile ist klar: Nach der Zerschlagung der Airline werden wohl 20 Prozent der Belegschaft keinen neuen Arbeitsplatz bekommen. Das hat Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann bekannt gegeben. Demnach fallen ungefähr 1600 der 8000 Stellen weg, zu welchen Konditionen die übrigen Mitarbeiter übernommen werden ist unklar. Lufthansa etwa will die Beschäftigten der nicht insolventen Air-Berlin-Teilgesellschaften Niki und LG Walter Konzernkreisen zufolge direkt übernehmen, die übrigen rund 1500 Stellen sollen über Neu-Einstellungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings besetzt werden. Ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter können sich auf die Stellen lediglich ebenfalls bewerben.

Kunden befürchten, dass Tickets teurer werden

Sorgen machen sich unterdessen weiterhin viele Passagiere: Weil Air Berlin zum 28. Oktober neben den Langstrecken auch alle innerdeutschen und europäischen Flüge einstellt, verfallen Hin- und Rückflüge von etwa 100 000 Passagiere zu Zielen wie beispielsweise München, Berlin oder Rom. Hinzu kommen etwa 100 000 Langstreckentickets, die bereits annulliert wurden. Den letzten Übersee-Flug führt Air Berlin bereits am kommenden Sonntag durch.

Hinzu kommt, dass deutsche Passagiere langfristig nicht mehr die Auswahl zwischen zwei großen Airlines haben werden. Viele Kunden befürchten, dass die Lufthansa ihren nun vergrößerten Marktanteil nutzen und die Tickets auf einigen Verbindungen teurer machen wird. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Tickets für Strecken, die nur von einer oder zwei Airlines durchgeführt werden, die Preise deutlich teurer sind als auf viel beflogenen Strecken. Lufthansa-Chef Spohr sieht das anders. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus", sagte er der Rheinischen Post. Der Wettbewerb in Europa und weltweit werde sich so oder so weiter verschärfen - unabhängig davon, wie sich die Lufthansa-Flotte entwickle.

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