Ägypten-Touristen bleiben weiterhin aus Preis der Revolution

Während Reiseführer noch empfehlen, wie man Warteschlagen an ägyptischen Sehenswürdigkeiten umgehen kann, haben Touristen die Pyramiden für sich. Seit der Revolution vor einem Jahr fehlen in Ägypten die Urlauber. Für die Menschen dort ist das eine Katastrophe, dennoch meinen manche: "Für uns ist es schwer, für unsere Kinder gut."

Vor dem abgebrannten Haus sitzt ein Pharao als wäre nichts passiert. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, steinern, für immer. Kein Protest scheint der Statue im Vorgarten des Ägyptischen Museums in Kairo etwas anhaben zu können. Auch wenn der Brand der Parteizentrale des gestürzten ägyptischen Machthabers Hosni Mubarak gefährlich nahe an die Schätze des Museums gekommen ist.

Normalerweise sind die Pyramiden von Gizeh die meistbesuchte Sehenswürdigkeit des Landes. Doch zurzeit herrscht Leere.

(Foto: Annette Reuther/dpa-tmn)

Der Tahrir-Platz liegt nur wenige Meter entfernt. Dort begann vor einem Jahr die Rebellion, die das Land umgewälzt hat - und die Touristen immer noch verschreckt. Seitdem herrscht auch im Ägyptischen Museum eines: Leere. Reiseführer beschreiben noch, wie sich die langen Schlangen an den Schaltern am besten vermeiden lassen ("Im Morgengrauen kommen!"). Heute marschiert hier nur ein Pärchen zur Kasse.

Vor der goldenen Totenmaske von Tutanchamun steht ein einziger Mensch. Es ist ein Wachmann. Ähnliche Szenen an den Pyramiden von Gizeh, sonst wohl eine der überlaufensten Sehenswürdigkeiten der Welt. Kaum Touristen. Kaum Geschäft für die Kameltreiber, Kutschenfahrer und Plastikpyramiden-Verkäufer. "Revolution price, cheap cheap", rufen sie denen im Chor zu, die dennoch gekommen und nun dem Ansturm der Verkäufer noch geballter ausgesetzt sind. Denen, die sich von Fernsehbildern von Gewalt und Tumult am Tahrir-Platz nicht abschrecken haben lassen.

Der Arabische Frühling hat dem Reisesektor im vergangenen Jahr Einbrüche von einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr beschert. Nach Zahlen des Tourismusministeriums haben 2011 über neun Millionen Urlauber das Land besucht, ein Jahr zuvor waren es fast 15 Millionen.

Das Geschäft mit den Urlaubern ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Ägypten. Auch wenn die Reiseveranstalter überzeugt sind, dass sich der Tourismus wieder erholen wird, wirkt das vor Ort anders.

Für viele Ägypter ist das eine Katastrophe. Nicht nur in Kairo, wo die Proteste immer wieder aufflammen, fehlt zahlungskräftige Kundschaft. Talat Mulah sitzt in seinem Camp am Rande der Weißen Wüste, von seinem Korbstuhl bis zum Tahrir-Platz sind es rund 400 Kilometer. Doch fühlt sich Talat so, als würden die Protestierenden direkt in seinem Eden-Camp stehen. "Es kommen keine Touristen mehr. Die denken, ganz Ägypten ist gefährlich. Aber hier passiert rein gar nichts, kein einziger Demonstrant ist hier", sagt er und inhaliert den parfümierten Rauch seiner Wasserpfeife.

Als die Proteste am Tahrir im Dezember wieder die internationalen Schlagzeilen beherrschten, haben Dutzende Touristen ihren Trip durch die Wüste storniert. Die bizarren Steinformationen, die Dünen, die sich durch Felstürme schlängeln, die Kalkströme, die sich am Boden winden, als stammten sie aus einem Dalí-Gemälde: Wenige wollen sie derzeit sehen.

Was er von der Idee der Revolution hält? "Phh", sagt Talat und deutet auf ein paar halbfertige Bungalows, die er eigentlich vergangenes Jahr fertigbauen wollte. "Kein Geld mehr", meint er.

Überwältigt von der Eroberin

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