Erfrischend, poetisch, nicht besonders gehaltvoll: Der "TV-Dreikampf" im ZDF mit Maybrit Illner zeigte einiges - zum Beispiel, dass "Jamaika" an Westerwelle und Künast nicht scheitern dürfte.
Die Pubertät ist ein schwieriges Alter. Man fühlt sich erwachsen und ist es nicht, man weiß alles und hat noch wenig erlebt. Die innere Spannung macht abwechselnd wunderbar verwegen und schrecklich traurig.
Guter Dinge vor dem "Dreikampf": Guido Westerwelle (FDP), Moderatorin Maybrit Illner, die Grüne Renate Künast und Gregor Gysi von der Linkspartei. (© Foto: ddp)
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Weltschmerz oder Weltraumflug, ein Drittes gibt es nicht. Gerade so verhielt es sich nun im ZDF, als die "kleinen Parteien" bei Maybrit Illner zum "Dreikampf" antraten.
Klein sind sie längst nicht mehr. Die Volksparteien implodieren während Linke, Grüne und die FDP die 18-Prozent-Marke und damit die endgültige Volljährigkeit im Blick haben. Dennoch haftete der munteren Runde etwas Putziges, Strietzihaftes an.
Salvenartig, geschleudert, fast tonlos
Es bleibt eben doch, sagte uns das ZDF, eine Rasselbande. Darum wurden Gregor Gysi, Renate Künast und Guido Westerwelle wie die Orgelpfeifen plaziert, schön der Größe nach, aufsteigend von rechts nach links.
Schnell tat der hochgeschossene Westerwelle, was von ihm offenbar erwartet wurde. Er gab den Primus. Moderatorin Illner verwaltete zu Beginn ein prall gefülltes Zeitkonto, weshalb ihr typisches salvenartig geschleudertes, fast tonloses "mh-mh" nur alle sechzig Sekunden dem Redner in die Parade fuhr.
Später, bei der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik, sollte sich der Takt auf zwanzig Sekunden verknappen. Da hielt nur Kurs, wer mit Schlagwörtern den Ball zurückdrosch.
Gemächlich konnte zwanzig Minuten lang über Afghanistan geplaudert werden. Dreimal punktete Westerwelle mit der "selbsttragenden Sicherheitsstruktur", die etabliert sein müsse, damit Deutschland "so schnell wie möglich" die Truppen abziehen kann. Als Renate Künast die "letzten Jahre" in Afghanistan "verlorene Jahre" nannte, zeigte die Kamera das Halbrund der drei Diskutanten.
Plötzlich explodierte über Gysis Kopf eine Wasserbombe. Was einer Rasselbande angemessen wäre, entpuppte sich dann aber nur als albernes Logo. Das ZDF ließ einen kleinen Zeichentrickwal am rechten oberen Bildrand Fontänen spritzen. Lustig sollte die begleitende Zeile sein, "Wahlwatching im Zweiten".
Illners müder Wortwitz
Schon der erste thematische Block ließ keinen Zweifel: Groß war die Abneigung Renate Künasts gegenüber Gregor Gysi, fast ebenso groß ihr Einverständnis mit Guido Westerwelle. Sollte es einmal die Chance geben auf eine Jamaika-Koalition - an diesen beiden würde sie nicht scheitern.
Dem "lieben Gregor Gysi" warf die grüne Spitzenfrau vor, in Afghanistan naiv auf die "Selbstbefreiung der Völker" zu hoffen. "Herr Westerwelle" hingegen erntete keinen Widerspruch.
Der Liberale gönnte sich daraufhin eine kurze pathetische Etüde: Mit seinem Gewissen könne er es nicht vereinbaren, die Sicherheit der Deutschen der deutschen Stimmung, die auf einen sofortigen Abzug dränge, zu opfern.
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Protest gegen dritte Startbahn
@eierchen (nachdem Sie meinen Namen auch verhunzen)
Wie gehen Sie dann also ganz konkret gegen Dumpinglöhne in den betreffenden Branchen vor? Kein Geschwurbel von mehr netto, sondern bitte etwas konkreter.
Nein, wir wissen nicht alle, dass die meisten Branchen nicht unter Niedriglöhnen leiden. Das ist nämlich schon wieder falsch.
"Fehlen Ihnen die Argumente?"
Keineswegs, Ihr Tonfall allerdings ließ den Schluss zu, dass Sie sich für etwas besseres hielten. Ich schaue aber jetzt nicht nochmal nach.
Über die 50% des Mittelstandes weiß ich nichts, weder ob es stimmt noch in welchem Zusammenhang dies geäußert wurde. Wir alle wissen im Prinzip, dass die meisten Branchen nicht unter zu niedrigen Löhnen leiden, es muss da angesetzt werden, wo konkret Dumpinglöhne gezahlt werden.
Und wie gesagt, ich halte es für konstruktiver, am netto der Betroffenen. bzw. allen Lohnempfängern zu arbeiten als mit Parolen um sich zu schmeißen, die übers Ziel hinausschießen.
"Und bitte, nennt dieses Schreckens-Troika nicht Jamaika. Die Insel ist zu schön für einen solchen Vergleich."
So? Der Vergleich ist trotzdem richtig.
Schon einmal gefragt wer an solchen Verhaelnissen schuld ist?
Nicht Jamaika.
Vieleicht NY oder Berlin?
Liebster eggs,
ich habe beim Mindestlohn nicht pauschalisiert, sondern darauf hingewiesen, dass auch dieser umstritten ist. Nach Abwägung aller Faktoren ist aber meine bescheidene Meinung, dass ein Mindestlohn nur die Jobs vernichten würde, die in einer funktionierenden VW keinen Platz haben. Exakt nämlich die Jobs, die nur mit staatlicher Hilfe bestehen bleiben.
Sie wollen doch sicher auch, dass Ihre viel zitierten Handwerksbetriebe auch morgen noch Kunden haben? Der Mittelstand leidet übrigens nur zweitrangig unter zu hohen Löhnen. Bürokratisierung und die Förderung von Großkonzernen unter Rot Grün ist dem Mittelstand ein viel größerer Dorn im Auge.
Wie erklären Sie sich, dass mehr als 50 Prozent des Mittelstandes für die Einführung des Mindestlohns sind? Ah, alles verkappte Kommunisten?
Ich habe Sie in meinem Beitrag weder beleidigt, noch auf Ihren IQ verwiesen. Warum haben Sie es nötig, sich auf das Niveau von el poste zu begeben?
Fehlen Ihnen die Argumente?
Und das funktioniert dann an einem Beispiel so:
Westerwelles erster Beitrag:" Hallo, hier spricht Euer lieber Märchenonkel Guido....(Guido nennt seine These, daß die Bekämpfung des Terrors in Anghanistan unsere Sicherheit in Europa garantiert und begründet dies in einer kognitiven Meisterleistung mit den Terroranschlägen von Madrid und London in Europa. Er spricht auch von Afghanistan von einem "staatlichen Ausbildungslager für Terroristen". Der Bürger wird hier offenbar für dumm verkauft. Da wird der Zweck des Krieges mit seinen Folgen begründet und davon abgelenkt, daß die Attentäter des 9/11 in Deutschland agierten, nicht in Afghanistan.)
Jetzt wird die bestellte junge Frau ihre auswendig gelernte Frage die genau auf Guidos wirre These gemünzt ist von Illner zu Wort gebeten. Die Stimme hat also eine angeblich angehende Medizinstudentin (soll wohl das neue Bürgertum von der die Künast halluzinierte repräsentieren) und die darf ihren Märchenonkel von der FDP fragen: "Herr Westerwelle, wenn wir jetzt unsere Truppen aus dem (hihihi, unsere Abiturienten) Afghanistan abziehen würden, würde das unsere Sicherheit in Europa stark gefährden, sagen Sie. Aber welche Bedingungen müssten konkret erfüllt sein, damit unsere Soldaten nach hause könnten?
Einwurf Illner: "Das is ne schlaue Frage" (Ja klar, war ja auch so abgesprochen, gell Frau Illner)
Westerwelle schleimt sich erstmal mit Glückwunsch zum beginnenden Studium ein und fährt fort:"Das ist ja die entscheidende Frage die Sie stellen, was muß in Afghanistan da sein, daß wir - daß ohne daß das Chaos ausbricht, ohne daß die Terroristen wieder das sagen haben, und das wichtigste ist dort, daß wir dort eine sebsttragende Sicherheitsstruktur haben."
Guido darf dann noch auf die Versäumnisse der Regierung hinweisen, das alte Spielchen von Guido.
So funktioniert Manipulation, denn es wird ausgeblendet, daß bereits ja dieses ausgebildete Sicherheitspersonal entweder erschossen, weggebomt wird oder gar zu den Taliban überläuft.
Paging