Die Tea Party wird als Siegerin aus den US-Wahlen im November hervorgehen. Doch wer gewinnt da? Was wie eine Graswurzelbewegung kleiner Leute aussieht, ist eher eine von rechten Milliardären gesteuerte Organisation.
Was die rechtskonservative Bewegung Tea Party eigentlich will, lässt sich nur schwer zusammenfassen. Manche Anhänger bezeichnen sich als libertär und marktradikal, wollen also die Wirtschaft vom Einfluss des Staates befreien.
Bild vergrößern
Seit Monaten demonstrieren Aktivisten der Tea Party gegen Präsident Barack Obama. (© AFP)
Anzeige
Andere sehen das Hauptproblem Amerikas in den schwindenden Werten und wollen eine Moraldebatte. Die Pflicht zum täglichen Gebet und den Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau schreiben sich die einen auf die Fahnen - die anderen wollen den Einfluss des Staates auch und besonders in Glaubensfragen begrenzen.
Eigentlich lässt sich nur sagen: Die Tea Party ist dagegen. Sie ist gegen die Regierung, gegen steigende Staatsausgaben, gegen Reformen, gegen Einwanderung, gegen Klimaschutz, gegen staatliche Hilfsprogramme und gegen Kompromisse jeglicher Art.
Trotz dieser Widersprüche ist aus der bunten Schar Demonstranten, die Ende 2009 gegen die Steuerreform von Präsident Barack Obama protestierten, eine politische Macht geworden. Zahlreiche Vorwahlen der Grand Old Party haben Tea-Party-Aktivisten für sich entschieden, oft gegen arrivierte Kandidaten und gegen den Willen des republikanischen Establishments. Viele halten die rechte Graswurzelbewegung deshalb für eine Art trojanisches Pferd, mit dessen Hilfe die Wütenden von der Straße die republikanische Partei übernehmen wollen.
Richtig ist, dass die Tea Party keine festen Organisationsstrukturen besitzt. Es gibt kein Beitrittsformular, keine Charta und keinen Vorsitzenden. Trotzdem sind die Aktivisten keine ungesteuerte Masse. Spätestens seit der großen Demonstration von 15. April 2010 in Washington gegen zu hohe Steuern - der 15. April ist in den USA der Tag, an dem die Steuererklärung eingereicht werden muss - bilden sich überall im Land lokale Tea-Party-Gruppen, auch in traditionell liberalen Staaten wie Massachusetts oder Delaware.
Von Beginn an standen diese Aktivisten nicht alleine da. Zahlreiche etablierte Organisationen unterstützten die "Graswurzeln" - unter anderem die libertäre Institution Freedom Works, gegründet vom ehemaligen republikanischen Mehrheitsführer Dick Armey. Auch die rechte Denkfabrik Cato Institute und die konservativen Organisationen Family Research Council, Conservative Union und die Heritage Foundation stehen den Politikanfängern mit Rat und Tat zur Seite.
Am Geld mangelt es ebenfalls nicht. Zwar behauptet die Tea Party ganz gerne, vor allem von Kleinspendern mit Beträgen von unter 20 Dollar unterstützt zu werden. Doch nicht selten bekommen Kandidaten der konservativen Bewegung auch Schecks über eine Million Dollar und mehr zugeschickt. Von wem diese stammen, ist seit einem Urteil des Obersten Gerichtes vom Mai 2010 kaum mehr zu überprüfen.
Das Gericht urteilte damals, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung auch für Unternehmen und Organisationen gelte - und dass Wahlkampfspenden unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fallen. Damit werden nun Großspenden oft über mehrere Stellvertreterinstitutionen gelenkt und am Ende ist kaum mehr nachvollziehbar, von wem das Geld ursprünglich mal kam.
New York Times und Washington Post haben viel Zeit investiert, um trotzdem herauszufinden, wer finanziell hinter der Tea Party steckt. Demnach gehören zum Beipiel die Milliardärsbrüder Charles und David Koch (auf Platz Fünf in der Liste der reichsten Amerikaner) zu den Sponsoren, die offenbar für ihre Firmen strengere Auflagen oder gar Klimaschutzregelungen verhindern wollen. Auch Ölbarone wie Robert Rowling und Trevor Rees-Jones spenden angeblich gerne für die Kandidaten der rechten Bewegung.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Erst im eiskalten Nordschweden endete die Flucht der Familie al-Labwani aus Syrien. Via Internet unterstützt sie von hier aus den Widerstand in der Heimat. Eine Abenteuergeschichte. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Wahlen in den USA RSS
- US-Wahl: Skurrile Kandidaten Hexen, Schummler, Waffennarren 15.10.2010
- Tea-Party-Kandidat Joe Miller Dann hat es Klick gemacht 18.10.2010
- US-Wahl: Republikaner Mit vollen Kassen an die Macht 18.10.2010
- US-Wahlen Die Hexe, die auf der Wut-Welle reitet 16.10.2010
- Tea-Party-Kandidat Amerikaner, Patriot, Fan der Waffen-SS 11.10.2010
- USA: Kongresswahlen Wunderwahlkampf für jedermann 21.10.2010
- Interview mit "Tea-Party"-Vordenker "Sarah Palin ist nur ein Teil unserer Bewegung" 18.10.2010
Filehoster Megaupload
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
...muß jetzt weg. Nur soviel: Am Horizont der Reps gibt’s derzeit keine ernstzunehmende Politiker-Persönlichkeit, und schon gar keine Lichtgestalt.Die ist Obama für mich aber auch schon lange nicht mehr.
P.S. Rotbewertung Ihrer Beiträge nicht von mir. Ich schätze Ihren sachlichen Stil und unterhalte mich gerne mit Ihnen.
Liebe(r) K.B.2
Dank für die ausführliche Info.Die Fortsetzung der Acorn-Geschichte habe ich wohl nicht mitgekriegt, weil ich seinerzeit (März 2010) außer Landes war.
Meine Recherchen im Archiv der NYT ergaben nichts, was mich von deren Unschuld überzeugt hätte.Mismanagement im Verwalten der Gelder, ein Verein, der vor allem sich selber diente und am Leben erhielt,Wahlbetrug (nebst deswegen verurteilten Mitarbeitern), Entlassung von Mitarbeitern, die in den OKeefe-Videos Gesprächspartner waren (weshalb, wenn diese unschuldig waren? Man muß ja auch zu seiner Unschuld stehen!) etc. Die Originalvideos wurden - laut NYT - zahlreichen Nachrichtenorganisationen zur Verfügung gestellt, die sie ebenso wie die NYT überprüften.Auch vom Gericht hätte man sie m.E.wohl auf Antrag bekommen können, denn sie waren ja nicht „sealed“.Oder? (Aber ich stimme Ihnen zu: Es wäre schön, wenn sie leicht FÜR ALLE im Internet zugänglich wären).Die Aussagen der Mitarbeiter in Baltimore werden nicht besser dadurch, daß OKeefe nicht im Zuhälterkostüm dort erschienen ist (ok, der Punkt für dieses Argument geht an Sie). Den OKeefe alias Zuhälter erteilten (harmlosen?) Rat, sich bei Errichtung eines Bordells mit Minderjährigen „nicht erwischen zu lassen“, finde ich indiskutabel.Sie nicht? Ich fasse mich kurz und nenne Ihnen deswegen nicht alle Quellen zu meiner Blütenlese.Ich verweise stellvertretend auf den folgenden Artikel, der diese teilweise untermauert:
The Acorn Sting Revisited
By CLARK HOYT
Acorn supporters say The Times got a story about a sting wrong. Did it?
March 21, 2010
Auch Ihre Wertschätzung von Rachel Maddock kann ich nicht teilen. Gestern erlebte ich sie mal wieder in ganzer Theatralik. Sich mit dem Oberkörper auf den Tisch werfen, mit den Armen rudern wie mit Windmühlenflügeln, hysterisches Gelächter – hat ein seriöser Reporter sowas nötig? Nicht mein Geschmack, genauso, wie sich der Krawallsender Fox u.a. auch durch solche Mätzchen (ohrenbetäubendes Geschrei, nicht ausreden lassen etc) desavouiert.
In der Huffington Post las ich gestern die Bemerkung eines Bloggers, der über Maddow sagte, diese würde auch gegen ein Allheilmittel für Krebs anstänkern, wenn es von einem Republikaner gefunden worden wäre.
Zu Ihrer allgemeinen Wertung der Politikansätze von Reps und Dems vielleicht mehr später – muß jetzt weg. Nur soviel: Am Horizont der Reps gibt’s derzeit keine ernstzunehmende Politiker-Persönlichkeit, und
entschuldigen Sie bitte, meine Antwort wurde (möglicherweise aufgrund ihrer Länge?) nicht vollständig abgebildet. Ich möchte sie hier vervollständigen.
Teilweise gab es Klagen ; so mussten ja die OKeefe Videos irgendwann einem Gericht zugänglich gemacht werden. Aber der Verlust von Spendenbeiträgen der dem Rufverlust folgte war wohl sehr heftig und Klagen ziehen sich über eine Weile hin. ACORN war nie eine Organisation mit viel Geld. Ich denke, denen ist einfach irgendwann die Luft ausgegangen.
"Und warum soll die gesamte Presse geschwiegen und nicht mitgewirkt haben, Acorn zu rehabilitieren??? Vielleicht, weil selbst die linke Presse dieses heiße Eisen nicht anfassen wollte?"
die Videoschnitte waren gut gemacht und die Reaktion in der Presse erst mal heftig; ich weiß noch, dass ich geschockt war, als ich Videos sah ; und die Videos wurden strategisch sehr geschickt einzeln und über mehrere Tage hin veröffentlicht. Die rechte Presse und mitte-rechte Presse haben unter dem Eindruck der Videos das aufgegriffen, was da angeboten wurde, ohne großartig kritisch zu hingerfragen.
In der "linken Presse" gab es schon Leute, die (aufgrund von Hintergrund und Fakten) Bedenken anmeldeten, z.B. Rachel Maddow. Aber das erreichte nicht so viele Menschen, erreichte quasi nicht den Mainstream.
Das größte Problem war, dass die Originalvideos nicht zur Verfügung standen.
Als dann die richterliche Bewertung der Videos und Videoschnitte erfolgte, hat die linke Presse durchaus reagiert und darüber berichtet. Auch in Mainstream Medien ( bei FOX würde ich nicht drauf wetten und ich weiß es nicht, aber FOX ist ja eine ganz andere Geschichte und nicht wirklich Mainstream) haben darüber berichtet, aber eben sehr kurz, so dass viele Leute das nicht mitbekommen haben.
"Leider stimmt, was Sie über die Reps sagen - aber die Dems sind auch nicht viel attraktiver.Nur weniger schrill und derzeit das kleinere Übel."
ich muss gestehen, dass ich die Demokraten zur Zeit als viel besser als die Republikaner erlebe. Auf der Sachebene (Ideen und Ansätze), der Integritätsebene (Spenden von Großkonzernen und Banken), der Realitätskontaktebene (z.B.Klimawandel) und der Verantwortungsebene.
Was mich da am meisten erschüttert hat, war, als im Senat mehrfach durch republikanische Senatoren über mehrere Wochen die Fortschreibung der Arbeitstlosenhilfe blockiert wurde- in einer Rezession! Solche unverantwortlichen politischen Spielchen treiben ja sogar
"Alle Videos, die im Internet veröffentlicht waren (besonders das aus Baltimore), sollen also gefälscht worden sein? AUCH die Tonbandaufnahmen, die es ja ermöglichten, die Stimmen zu identifizieren? (Für einen Phonetiker kein Problem).Und selbst wenn einem "normal gekleideten" OKeefe derartige Ratschläge wie in Baltimore gegeben worden wären, (vorausgesetzt, Ihre Angabe stimmt und ist auch zu beweisen) - die Befragten von Acorn in Baltimore also keinen Verdacht schöpfen konnten, hier sollten sie jemandem auf den Leim gehen - in meinen Augen noch schlimmer."
die Videos waren nicht in der Art, die Sie oben beschreiben, gefälscht. Der falsche Eindruck entstand dadurch, dass Sequenzen entsprechend falsch eingeleitet wurden/in einen falschen Kontext gestellt wurden und/oder so zusammengeschnitten, dass ein anderer Sinn entstand. Das war am Anfang nicht nachprüfbar, weil OKeefe sich weigerte, die Originalvideos (also ungeschnitten) zur Verfügung zu stellen. Letztendlich mussten sie einem Gericht ungeschnitten zur Verfügung gestellt werden und die machten dann Aussagen über den Inhalt und was durch den Zusammenschnitt daraus gemacht wurde. Soweit ich weiß, stehen die Originalvideos immer noch nicht öffentlich zur Verfügung. Komisch, oder? Wenn OKeefe nichts zu verbergen gehabt hätte, hätte er sie doch gleich zur Verfügung stellen können, ja, im Sinne der Wahrheitsfindung hätte er es sogar müssen.
Ich lade Sie nochmals ein, selbst nachzurecherchieren.
"Auch die Meldungen über Wahlbetrug, gefördert durch Acorn? (Tote wieder auferstehen lassen etc.) Alles unwahr? "
ich erinnere mich nicht mehr an alle Details, aber ja, das wahr wohl unwahr, zumindest in allen Punkten (und das waren mehrere), die ich damals betrachtet habe. Zum Beispiel wurde ACORN angekreidet, dass sie Anmeldungsformulare einreichten, auf denen falsche Identitäten standen (z.T. auch unsinnige, z.B. Mickey Mouse). Und das haben sie auch tatsächlich gemacht. Allerdings ist das in einigen Staaten Gesetz. D.h. selbst wenn ein Helfer weiß, dass da gerade jemand einen Wahlanmeldung seltsam ausgefüllt hat, muss er sie immer noch einreichen. Ob der Helfer will oder nicht; andernfalls verstößt man gegen das Gesetz.
"Wenn das zu beweisen wäre, warum hat sich Acorn dann nicht mittels Klagen vor einem Gericht gegen den Rufmord zur Wehr gesetzt? Prozessieren nebst Schadensersatzforderungen ist doch hierzulande gang und gäbe."
nun ja, teilweise gab es da Klagen. Abe
Liebe(r) K.B.2,
Was Sie mir über Acorn erzählen, ist mir total neu. Alle Videos, die im Internet veröffentlicht waren (besonders das aus Baltimore), sollen also gefälscht worden sein? AUCH die Tonbandaufnahmen, die es ja ermöglichten, die Stimmen zu identifizieren? (Für einen Phonetiker kein Problem).Und selbst wenn einem "normal gekleideten" OKeefe derartige Ratschläge wie in Baltimore gegeben worden wären, (vorausgesetzt, Ihre Angabe stimmt und ist auch zu beweisen) - die Befragten von Acorn in Baltimore also keinen Verdacht schöpfen konnten, hier sollten sie jemandem auf den Leim gehen - in meinen Augen noch schlimmer.Daß Acorn eine Institution mit blütenreiner Weste ist, ist kaum zu glauben.
Auch die Meldungen über Wahlbetrug, gefördert durch Acorn? (Tote wieder auferstehen lassen etc.) Alles unwahr? Wenn das zu beweisen wäre, warum hat sich Acorn dann nicht mittels Klagen vor einem Gericht gegen den Rufmord zur Wehr gesetzt? Prozessieren nebst Schadensersatzforderungen ist doch hierzulande gang und gäbe.Und warum soll die gesamte Presse geschwiegen und nicht mitgewirkt haben, Acorn zu rehabilitieren??? Vielleicht, weil selbst die linke Presse dieses heiße Eisen nicht anfassen wollte?
Leider stimmt, was Sie über die Reps sagen - aber die Dems sind auch nicht viel attraktiver.Nur weniger schrill und derzeit das kleinere Übel.Habe gestern übrigens Ed Matthews auf MSNBC gesehen und seine lautstarken Beschimpfungen politischer Gegner. Er wird nicht attraktiver dadurch, daß er die allein "richtige" (allein selig machende) Dem-Obama -Linie als Propagandist vertritt - "richtig" wenigstens für diejenigen, die sich für die besseren Menschen halten...No offense!
Paging