US-Vorwahl der Republikaner Warum Romney schwer zu schlagen ist

Am Ende lagen acht Stimmen zwischen dem Favoriten und dem Außenseiter. Der erzkonservative Rick Santorum ist nach der ersten Vorwahl der Republikaner in Iowa der Hauptkonkurrent von Mitt Romney um die Präsidentschaftskandidatur. Doch auch das enfant terrible der Republikaner konnte ein Zeichen setzten. Eine Analyse des Wahlergebnisses.

Von Matthias Kolb

Alle vier Jahre blickt die Welt auf den US-Bundestaat Iowa, in dem traditionell die erste Vorwahl für den Präsidentschaftswahlkampf ausgetragen wird. Amtsinhaber Barack Obama hat keinen Gegenkandidaten zu fürchten, weshalb sich 2012 das Interesse der Medien auf die Republikaner konzentriert. Denn obwohl Iowa lediglich 25 der 2286 Delegierten stellt, die im August in Tampa den Herausforderer für Obama küren, hat dieser caucus eine gewisse Signalwirkung. In 1774 Wahllokalen wurde zunächst diskutiert, danach stimmte ein Fünftel der 613.000 Republikaner ab - insgesamt beteiligten sich also nur gut 120.000 Menschen. Mitt Romney siegte knapp vor Rick Santorum sowie Ron Paul. Süddeutsche.de beleuchtet, wie das Ergebnis zustande kam, welcher Kandidat von welchen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt wird - und welche Auswirkungen dies für das weitere Rennen haben könnte.

[] Acht Stimmen mehr als Santorum, sechs Stimmen weniger als 2008: Für den 64-jährigen Mitt Romney ist die erste Vorwahl mit einem Ergebnis von 25 Prozent gut gelaufen. Wenige Stunden vor der Stimmabgabe erwähnte er seine Konkurrenten mit keinem Wort und gab sich staatsmännisch: "Ich bevorzuge ein einiges Amerika, das sich zu Gott bekennt - und an dieser Position halte ich fest."

In Des Moines, der Hauptstadt Iowas, zeigte er sich am Abend mit seiner Ehefrau und mit vier Söhnen vor seinen Anhängern. Romney widmete sich weniger seinen parteiinternen Rivalen als dem Bewohner des Weißen Hauses: Vor vier Jahren habe Obama die Vorwahl in Iowa gewonnen und begonnen, den Amerikanern Dinge zu versprechen, die er nicht eingehalten habe. Obama sei dem Amt nicht gewachsen und gescheitert, konstatierte Romney.

Er versprach, sich dafür einsetzen zu wollen, die strauchelnde US-Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen: "Ich bin überzeugt, dass wir eine Person mit Erfahrungen in der Privatwirtschaft brauchen, wenn wir Jobs in dieses Land bringen wollen." Bei den Wählern in Iowa kam diese Botschaft einer CNN-Umfrage zufolge gut an: Wer die Wirtschaft als wichtigstes Thema ansieht, stimmte für Romney. Jeder zweite Republikaner geht davon aus, dass der frühere Finanzmanager die besten Chancen habe, gegen Obama zu gewinnen. Allerdings ist es ihm auch in Iowa nicht geglückt, die Marke von 26 Prozent zu durchbrechen - genau wie in landesweiten Umfragen.

Für die Annahme, dass der bei der konservativen Parteibasis unbeliebte Romney am Ende doch der Herausforderer von US-Präsident Obama werden wird, sprechen mehrere Gründe: Seine Wahlkampfkasse ist prall gefüllt und der Sieg in einer Woche in New Hampshire scheint ihm sicher: Romney besitzt dort ein Haus und war im Nachbarstaat Massachusetts Gouverneur. Die New York Times schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Siegs auf 93 Prozent.

Selbst wenn Newt Gingrich sich noch mal aufrappeln und in South Carolina am 21. Januar siegen sollte, dürfte das Romney nicht aus der Ruhe bringen. Jüngst sprach sich George Bush senior für ihn aus und nun erhält er sogar Unterstützung von einem einstigen Konkurrenten: US-Medien melden unisono, John McCain werde sich für Romney als Kandidat der Republikaner aussprechen: Dieses endorsement will der Senator, der 2008 Obama unterlegen war, in New Hampshire verkünden. Dort wird am 10. Januar abgestimmt.

[] Unterstützt von einer Schar an oft jungen Wahlkämpfern hatte sich der 76-jährige Texaner Ron Paul vor Weihnachten zwischenzeitlich an die Spitze der Umfragen geschoben. In Iowa landete er mit 21 Prozent auf dem dritten Platz - und war bei den unter-40-jährigen Wählern eindeutig der populärste Kandidat. Auch bei Twitter war #ronpaul der mit Abstand häufigste Begriff. Neben der professionellsten Kampagne halfen Paul in Iowa seine radikalen Forderungen: Er will die US-Notenbank Fed abschaffen, Drogenkonsum legalisieren, Prostitution erlauben, Bundesministerien schließen sowie die Kriegseinsätze der USA beenden. Alle im Ausland stationierten amerikanischen Soldaten sollen in die Heimat zurückkehren und Washington aus den Vereinten Nationen austreten.

Viele Amerikaner schätzen an Ron Paul, dass er in den vergangenen Jahren seine Meinung in Grundsatzfragen nicht geändert hat. Auch wenn er in keinem Bundesstaat auf Werte jenseits der 30 Prozent kommt, wird der Texaner dank seiner vielen Anhänger und deren Spendenbereitschaft lange durchhalten. Dass Paul, der 1988 als unabhängiger Kandidat 0,5 Prozent der Stimmen erhielt, auch austeilen kann, musste Newt Gingrich erfahren: Pauls Strategen lancierten das erste Video, in dem der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses für seine Lobby-Tätigkeit und Wendemanöver kritisiert wurde.

Nicht nur der Economist rätselt, welches Ziel Ron Paul mit seiner Kandidatur anstrebt: Als Politiker, der seit 24 Jahren im Repräsentantenhaus sitzt, müsste ihm klar sein, dass er wohl nie US-Präsident werden wird. Der Entschluss, als third party candidate am 6. November anzutreten, würde die Republikaner verärgern und dem Aufstieg seines Sohnes, des Senators Rand Paul, bremsen. Wahrscheinlich ist das Ziel simpel: Er sucht die größte Aufmerksamkeit für seine Thesen.

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