US-Politik Im Streit um Moore kann Trump nur verlieren

  • Der erzkonservative Republikaner Roy Moore steht im Verdacht, sich vor einigen Jahrzehnten an Minderjährigen vergangen zu haben.
  • Moore will Senator für Alabama werden und streitet die Vorwürfe als Schmutzkampagne gegen ihn ab.
  • US-Präsident Donald Trump gerät durch die Schwierigkeiten des Kandidaten selbst in Turbulenzen.
Von Thorsten Denkler, New York

Seit Montag sind es schon fünf Frauen, die Roy Moore beschuldigen, ihnen gegenüber sexuell übergriffig gewesen zu sein, als sie noch Teenager waren. Und wie schon in den vier Fällen, die die Washington Post vergangenen Donnerstag öffentlich gemacht hatte, streitet der erzkonservative Republikaner alles ab. Und stellt die Anschuldigungen, die sich auf Vorfälle zwischen 1979 und 1982 beziehen und in strafrechtlicher Hinsicht längst verjährt sind, als politisch motivierte Kampagne gegen ihn dar.

Moore will im Dezember Senator für seinen Bundesstaat Alabama werden. Die Nachwahl ist notwendig, weil der bisherige Senator Jeff Sessions von Trump im Februar zum Justizminister gemacht worden ist. Die ganze Angelegenheit würde kaum so intensiv verfolgt, wenn sich mit Moores Kandidatur nicht ein Machtkampf verbinden würde, der die ganze Zerrissenheit der Republikanischen Partei widerspiegelt.

Bannons Theokrat schlägt Trumps Favoriten

Die Senatsvorwahl der Republikaner in Alabama signalisiert: Die Zeit der politischen Hardliner im US-Kongress könnte gerade erst begonnen haben. Von Johannes Kuhn mehr ...

Moore, 70 Jahre alt, ist eine höchst umstrittene Persönlichkeit. Er war Richter am Obersten Gericht des Bundesstaates Alabama. Zweimal wurde er von seinem Posten entfernt. Weil er entgegen geltender Rechtsprechung erst ein Denkmal mit den zehn Geboten nicht entfernen lassen wollte. Ein andermal, weil er Richter zwang, das verfassungswidrige Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen in Alabama durchzusetzen.

Homosexualität würde Moore am liebsten verbieten lassen. Schließlich sei ja auch der Sex mit Tieren in den USA verboten, und das sei ja wohl das Gleiche wie Homosexualität, hatte er erst 2015 in einem Interview durchblicken lassen.

Moore ist auch überzeugt, dass der erste Zusatz der US-Verfassung, der allen Bürgern der USA Meinungs-, Presse-, und Religionsfreiheit garantiert, nur Christen vorbehalten sein dürfe. Weil nicht Buddha den Menschen erschaffen habe oder der Prophet Mohammed, sondern allein der christliche Gott. Auf Wahlkundgebungen hält er gerne mal seinen geladenen Revolver in die Luft.

Unter den gut fünf Millionen Einwohnern des Baumwollstaates (The Cotton State) Alabama kommt so etwas gut an. In den Vorwahlen der Republikaner hat sich Moore klar gegen seinen republikanischen Kontrahenten und amtierenden Senator Luther Strange durchgesetzt. Obwohl dieser der auserkorene Kandidat des Partei-Establishments war. Selbst US-Präsident Donald Trump hatte sich - wenn auch widerwillig - hinter Strange gestellt. Als dieser dann die Vorwahl verloren hatte, hat Trump einige seiner Unterstützungs-Tweets für Strange gelöscht. Mit Verlierern will er nichts zu tun haben.

Der Sieg Moores in den Vorwahlen gilt als Rache von Bannon

Moore dagegen ist der Kandidat der Ultrarechten, der Abtreibungsgegner, der Homosexuellen-Hasser, der Evangelikalen. Und nicht zu vergessen: Er ist der Kandidat von Steve Bannon. Trumps früherer Chef-Stratege im Weißen Haus und Chef des rechten Mediums Breitbart hat Moores Kampagne bisher massiv unterstützt (allerdings lag Moore in Umfragen schon vor Strange, bevor Bannon für ihn zu werben begann).

Wer Amerikas Rechtsextreme sind

Ku-Klux-Klan trifft auf Alt-Right-Bewegung: Alte und neue Rechte treten in den USA zunehmend laut und selbstbewusst auf. Antworten auf die wichtigsten Fragen. Von Jana Anzlinger und Veronika Wulf mehr ...

Den Wählern in Alabama haben Bannon und Moore eingebläut, sie müssten für Moore stimmen, um Trump-Politik zu bekommen. Bannon hat es fertiggebracht, den von Ultrarechten unterstützten Trumpismus von der Person Trump zu entkoppeln. Trump selbst, sagt Bannon, sei inzwischen von Vertretern des Washingtoner Politik-Establishments umzingelt. Nur Leute wie Moore könnten jetzt helfen, Trump auf den rechten Pfad zurückzuführen. Moores Sieg in den Vorwahlen gilt als Rache von Bannon an jenen Kräften im Weißen Haus, die ihn aus dem Amt gedrängt haben.

Vor allem die gemäßigten Republikaner in Washington aber wollen nicht, dass das Bannon-Lager noch mehr an Einfluss gewinnt. Die Vorwürfe, Moore habe sich Minderjährigen sexuell genähert, kommen ihnen gerade recht.

An diesem Montag hat der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, Moore aufgefordert, seine Kandidatur aufzugeben. Wie einige andere republikanische Senatoren hält er die Berichte der Frauen, die Moore beschuldigen, für glaubhaft. Auf Bundesebene hat die Partei die Unterstützung für Moore bereits zurückgezogen. Er wird kein Geld mehr aus den Spendentöpfen der Bundespartei bekommen. Die Republikanische Partei in Alabama aber steht weiter zu Moore.