Terrorismus: Mögliche Bombe in Namibia Schrecken ohne Grenzen

Ausgerechnet Namibia: Erstmals ist das afrikanische Land ins Visier der internationalen Terrorfahndung geraten. Steckt die somalische Islamisten-Miliz al-Shabab hinter dem mutmaßlichen Sprengsatz?

Von Arne Perras

Windhuk, die verschlafene Hauptstadt Namibias, hat bislang bei der globalen Bedrohung durch Terroristen keine große Rolle gespielt. Wenn das Land im Südwesten Afrikas einmal Schlagzeilen machte, dann waren es zum Beispiel die Wiedergutmachungsforderungen des Herero-Volkes, das von deutschen Schutztruppen vor mehr als hundert Jahren nahezu vernichtet worden ist. Damals war Namibia noch Kolonie des Kaiserreichs und hieß Deutsch-Südwest. In den Debatten über den Terror durch al-Qaida und den islamischen Radikalismus in Afrika tauchte das Land Namibia nicht auf.

"Es gibt keinerlei Grund, weshalb ausgerechnet Windhuk Ziel einer Terrorattacke werden sollte", sagt der südafrikanische Sicherheitsexperte Henri Boshoff vom Institute for Security Studies (ISS) in Pretoria. Aus seiner Sicht ist die mutmaßliche Bombe höchstens als Versuch eines "internationalen Anschlags" zu interpretieren. Zum Beispiel, um ein deutsches Flugzeug oder eine größere Zahl Ausländer zu treffen, nicht aber Namibia selbst.

Auch wenn Windhuk bislang noch nie auf dem Radar der Terrorfahnder aufgetaucht ist, so hat es doch immer wieder Warnungen im Nachbarland Südafrika gegeben. Wegen angeblicher Bedrohungen hatte die US-Botschaft mehrmals geschlossen; Anschläge somalischer Extremisten wurden befürchtet, und nichts geschah. Schon Monate vor der Weltmeisterschaft gab der südafrikanische Geheimdienst National Intelligence Agency (NIA) an, dass er die "Bedrohungsszenarien" terroristischer Art ernst nehme. Laut Boshoff ging es stets um Ausländer als Ziele, etwa britische, deutsche oder amerikanische Fußballspieler oder Fans. Südafrika selbst hält der Experte für ein unwahrscheinliches Ziel islamistischer Terroristen.

Medien am Kap hatten über Planungen berichtet, wonach al-Qaida Anschläge auf US-Einrichtungen während des Sportspektakels plane. Neben somalischen Netzwerken gibt es aber auch noch die Terror-Gruppen in den westafrikanischen Wüstenstaaten, die regelmäßig westliche Bürger entführen und manchmal töten.

Wenige Tage vor der WM berichtete die südafrikanische Sunday Times über ein Briefing für den US-Kongress, wonach somalische und pakistanische Terroristen Trainingscamps in Mosambik unterhalten sollen. Sie könnten eingesickert sein nach Südafrika und dort Anschläge vorbereiten, hieß es. Angeblich hatten südafrikanische Sicherheitsbehörden eine Terrorliste mit 40 Verdächtigen zusammengestellt, die während der WM gefährlich werden könnten. Die Polizei hat die Existenz der Liste nie bestätigt.

Der erfolgreiche Verlauf des Turniers lenkte zunächst von den früheren Befürchtungen ab, aber nur bis zum Abend des Endspiels am 11. Juli 2010. Zwei Bomben der somalischen Miliz al-Shabab töteten 76 Fußballfans in Ugandas Hauptstadt Kampala.

Uganda war ins Visier der Terroristen geraten, weil die Armee von Präsident Yoweri Museveni, zusammen mit Truppen aus Burundi, die Übergangsregierung von Sharif Ahmed im somalischen Mogadischu im Auftrag der Afrikanischen Union (AU) unterstützt. Ahmed und seine Verbündeten aber sind Erzfeinde der Shabab-Kämpfer, die ganz Somalia beherrschen wollen. Um Uganda für seinen Friedenseinsatz in Somalia zu bestrafen, legte Shabab die Bomben in Kampala. Sie tat dies während der WM und zielte auf die Sportfans; so hatte die Tat auch eine globale Dimension.

Ob die entdeckte mutmaßliche Bombe von Windhuk mit dem Terror der Shabab zu tun hat, beschäftigt nun die Namibier genauso wie die Deutschen. Belege dafür gab es zunächst nicht.