Krieg in Syrien Schwere Angriffe erschüttern die Hoffnung auf Waffenruhe

Anwohner in einem von Rebellen kontrollierten Viertel von Aleppo inspizieren nach einem Luftangriff den Schaden.

(Foto: REUTERS)
  • An diesem Freitag sollte die bei der Münchner Sicherheitskonferenz vereinbarte Waffenruhe in Syrien in Kraft treten.
  • Sowohl die russische Luftwaffe und als auch syrische Regierungstruppen haben in dieser Woche schwere Angriffe verübt. Die Türkei beschießt Kurden in Syrien mit Artillerie.
  • Der UN-Sondergesandte für Syrien de Mistura hält eine Fortsetzung der Friedensgespräche am 25. Februar nicht mehr für realistisch.
Von Paul Anton Krüger, Amman

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben sich am Freitag in Genf getroffen, um über Modalitäten für eine Waffenruhe in Syrien zu sprechen; sie sollte ursprünglich bereits am Freitag in Kraft treten. Zuvor waren hochrangige Militärvertreter beider Länder zusammengekommen. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt.

Lawrow hatte eine militärische Kooperation mit den USA zur Voraussetzung für die Umsetzung der Waffenruhe erklärt, die vor einer Woche in München vereinbart worden war. Das Pentagon wollte sich weiter darauf beschränken, Einsätze von Kampfflugzeugen über Syrien zu koordinieren. Geplant war für den Nachmittag in Genf ein weiteres Treffen der Internationalen Gruppe der Syrien-Unterstützer, die 18 Staaten umfasst. Sie hatte die Waffenruhe vereinbart.

Neue Angriffe von Russland, Regierungstruppen und Türkei

Die Hoffnung, dass die Kampfhandlungen noch am Wochenende eingestellt werden könnten, war in der Woche nach der Einigung durch schwere Angriffe der russischen Luftwaffe und syrischer Regierungstruppen sowie verbündeter Milizen getrübt worden. Die Attacken galten Rebellen in den Provinzen Aleppo und Idlib im Norden, Homs im Westen und Daraa im Süden Syriens. Zudem feuerte die türkische Armee mit Artillerie auf Stellungen der Kurden-Miliz YPG nördlich von Aleppo. Die Türkei macht die Kurden verantwortlich für den Anschlag in Ankara vom Mittwoch mit 28 Toten. Die YPG war zuvor im Rücken von syrischen Regierungseinheiten in Gebiete vorgerückt, die zuvor Rebellen hielten, die Ankara unterstützt. Die Regierung warnte, sie werde nicht zulassen, dass die YPG den strategisch wichtigen Ort Azaaz erobert, in dem Tausende vor den Bomben Zuflucht gesucht haben.

Eine Fortsetzung der Gespräche am 25. Februar ist nicht mehr realistisch

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, sagte, eine Fortsetzung der Friedensgespräche am 25. Februar sei nicht mehr realistisch, es sei eine Vorbereitung von zehn Tagen nötig. Lawrows Stellvertreter Michail Bogdanow sagte, Russland werde seine Luftangriffe nicht stoppen. Syriens Präsident Baschar al-Assad wie die andere Seite sollten auf Russland hören. Zuvor hatte schon Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin Äußerungen Assads gerügt, er wolle ganz Syrien zurückerobern. Assad solle nicht vergessen, dass es die russischen Luftangriffe gewesen seien, die es ihm erlaubt hätten, seine Gegner zurückzudrängen. Es ist das erste Mal seit Monaten, dass ein russischer Diplomat Assad öffentlich kritisiert.

80 000 von 480 000 Belagerten versorgt

Fortschritte gab es bei der Versorgung belagerter Orte: UN-Konvois erreichten nach Verzögerungen durch das Regime am Mittwoch Madaya und Zabadani bei Damaskus, den Vorort Muadhamiyah sowie Fouah und Kefraya, schiitische Orte in Idlib, die von Rebellen belagert werden. So konnten 80 000 der 480 000 Belagerten versorgt werden. Nun bereiten die UN den Abwurf von Hilfsgütern über der Stadt Deir al-Sour vor. Sie wird von der Regierung kontrolliert, 200 000 Menschen sind dort von der Terrormiliz Islamischer Staat eingeschlossen.

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