Suche nach einem Atom-Endlager Das Prinzip Gorleben

Kanzlerin Merkel und ihr Umweltminister Röttgen steuern in eine Sackgasse: Gorleben kann man nicht dauerhaft durch den Einsatz Tausender Polizisten verteidigen. Ein Endlager dort wird am Protest oder den Gerichten scheitern.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Im Wendland kehrt nun wieder Ruhe ein. Demonstranten lösen ihre Camps auf, die Landwirte widmen sich wieder ihren Äckern. Tief unten im Salzstock kehren Bergleute derweil an ihre Arbeit zurück. Nach zehn Jahren Pause treiben sie wieder Bohrungen ins Salz und bereiten neue Stollen vor.

Sie verrichten unermüdlich ein Werk, das sie wohl kaum werden vollenden können. Wenn das Endlager-Projekt Gorleben überhaupt eine Zukunft hat, dann als Mahnmal für ein kollektives Politikversagen. Ein Ort, an dem die Bundesrepublik sich "entsorgen", sich das Mehrgenerationen-Problem Atommüll guten Gewissens vom Halse schaffen kann, wird Gorleben wohl kaum mehr.

Seit 30 Jahren hat sich keine Regierung um die Lösung des Problems verdient gemacht. Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte zwar Vorbehalte gegen Gorleben, willigte aber doch ein: Die niedersächsische Landesregierung ließ ihm keine Wahl, und er verlangte auch keine.

Die Regierung von Helmut Kohl trieb die Erkundung voran und machte Pläne und Vorgaben so lang passend, bis nichts mehr dem Projekt entgegenstand. Erst die rot-grüne Koalition unter dem Niedersachsen Gerhard Schröder äußerte Zweifel am Salzstock. Doch ließ sie sich so viel Zeit für Studien und Expertisen, dass sie für die Schlüsse daraus keine mehr hatte.

Und Kanzlerin Angela Merkel? Deren große Koalition trat auf der Stelle - und ihre schwarz-gelbe Koalition macht da weiter, wo jene von Helmut Kohl aufhörte. Sie treibt das Endlager-Projekt Gorleben gegen alle Widerstände weiter und feiert das noch als mutigen Kampf im Interesse künftiger Generationen. In Wirklichkeit steuert sie unverdrossen in die Sackgasse.

Die Entsorgung von Atommüll ist ein undankbares, schmutziges Geschäft. Keine Wahl lässt sich damit gewinnen, das Problem endgültig lösen zu wollen. Wohl aber kann die Suche nach dem richtigen Standort, die Suche überall in der Republik, wertvolle Stimmen kosten. Gorleben war deshalb immer die bequeme Lösung für ein unbequemes Problem. Wenig besiedelt, nahe der einstigen DDR-Grenze, strukturschwach. Und dann noch ein Salzstock untendrunter. Wer wollte da nicht zugreifen?

Diese Art Pragmatismus prägt seit Jahrzehnten den Umgang des Bundes mit Atommüll. Als die Zwischenlager für Forschungsmüll an ihre Grenzen gelangten, musste rasch das Atommülllager Asse her; Forscher erklärten den Salzstock für zuverlässig auf Jahrhunderte hinaus. Später sickerte Wasser ein, der Salzstock Asse wurde zum Problem. Als sich der Müll irgendwann wieder türmte, machte eine Umweltministerin namens Angela Merkel den Weg ins marode DDR-Atommülllager Morsleben frei - bis Gerichte den Klagen von Umweltschützern stattgaben. Heute wird Morsleben mit Milliardenaufwand verschlossen. Entsorgung? Beim Atommüll galt in diesem Land stets als entsorgt, was nirgends mehr störte.

Meckern gegen den Atommüll

mehr...