Benedikt XVI.: Neues Buch Männliche Prostituierte dürfen Kondom nehmen - sagt der Papst

Papst Benedikt XVI. rückt im Kampf gegen Aids von einer völligen Ablehnung der Kondome ab. In "begründeten Einzelfällen" sei der Gebrauch erlaubt - auf das Präservativ aber solle man sich nicht "allein konzentrieren".

Eine neue Position der katholischen Kirche im Kampf gegen Aids: Papst Benedikt XVI. hat die Benutzung von Kondomen in "begründeten Einzelfällen" für erlaubt erklärt. Wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr zu verringern, könne der Einsatz von Kondomen "ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität."

Wenn es nach ihm geht, sollen Prostituierte Kondome benutzen dürfen - wenn es denn ihrer "Moralisierung" dient: Papst Benedikt XVI.

(Foto: dapd)

Die Leitlinie ergibt sich aus dem Interview-Buch Licht der Welt, das am Mittwoch erscheint.Die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano veröffentlichte bereits einen Auszug aus dem Gespräch, das das Kirchenoberhaupt mit dem Publizisten und Papst-Biographen Peter Seewald führte.

Die katholische Kirche, so der 83-jährige Benedikt, sehe die Verwendung von Kondomen "natürlich nicht als wirkliche und moralische Lösung an". Ein begründeter Einzelfall für eine Ausnahme von dieser Haltung könne aber etwa sein, dass männliche Prostituierte ein Kondom verwenden. Dies könne dann "ein erster Schritt zu einer Moralisierung" sein und helfen, ein Bewusstsein zu entwickeln, "dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will".

Grundsätzlich bleibt der Papst aber bei seiner Kritik an Präservativen: "Sich allein auf den Präservativ zu konzentrieren, heißt die Sexualität zu banalisieren."

Bislang vertrat die katholische Kirche trotz massiver öffentlicher Kritik die Position, dass auch im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids der Einsatz von Präservativen nicht gestattet werden dürfe. Noch bei seiner Afrikareise im März vergangenen Jahres hatte Benedikt eine Zustimmung zur Nutzung von Kondomen abgelehnt. "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte Benedikt damals und erntete dafür weltweite Kritik.

Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte 1993 bei einer Afrika-Reise gesagt, die eheliche Treue sei das einzige Mittel, um "die tragische Wunde" Aids zu heilen. Nun sieht die UN-Organisation UNAIDS nach den neuen benediktinischen Äußerungen einen "positiven Schritt nach vorn".

Das Buch Licht der Welt wird am Dienstag öffentlich vorgestellt und erscheint weltweit in 18 Sprachen. Es ist das erste Mal, dass Benedikt in solch einer Interviewform als Papst Rede und Antwort stand. Er äußerte sich in dem Gespräch auch zu einer Reihe weiterer aktueller Fragen, etwa zum Islam.

So sprach der Papst sich gegen ein generelles Burka-Verbot aus, wie es inzwischen in Frankreich Gesetz ist. "Was die Burka angeht, sehe ich keinen Grund für ein generelles Verbot", sagte der Papst. Niemand könne damit einverstanden sein, wenn die Frauen zum Tragen gezwungen werden. "Wenn sie sie aber freiwillig tragen wollen, weiß ich nicht, warum man sie ihnen verbieten muss."