NSDAP-Gründung Hitlers Wurf im Hofbräuhaus

Am 24. Februar 1920 verkündet Adolf Hitler im Münchner Hofbräuhaus das NSDAP-Programm, in dem sich das Grauen abzeichnet. Später glorifiziert er den Abend - ein Polizeibericht entlarvt Hitler.

Von Oliver Das Gupta

Plakat für die Kundgebung im Hofbräuhaus, auf der Adolf Hitler am 24. Februar 1920 sprach - und das 25-Punkte-Programm der er Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei (NSDAP) präsentierte.

"Das Herz wollte mir fast vor Freude zerspringen", behauptet Adolf Hitler in seinem Pamphlet Mein Kampf. "Eine zweitausend Menschen zählende Masse" habe sich im Festsaal des Münchner Hofbräuhauses eingefunden.

Der Taugenichts aus dem oberösterreichischen Braunau hat an jenem 24. Februar vor 90 Jahren Großes vor. Seine nur ein paar hundert Mitglieder zählende "Deutsche Arbeiterpartei" ergänzt ihren Namen um "Nationalsozialistisch". Hitler selbst darf das Programm der NSDAP verkünden. Der spätere Diktator gehört zwar nicht zur Parteispitze. Noch nicht. Aber er besitzt etwas, das den anderen Partei-Honoratioren abgeht: Redegabe.

Welche Teile des 25-Punkte-Programms Hitler selbst formuliert hat, ist unklar, sagt der Bochumer Historiker Armin Nolzen, wozu es gedient hat, liege allerdings auf der Hand: "Es ist ein Catch-all-Programm", für fast jeden ist etwas dabei: "Die Brechung der Zinsknechtschaft", zielt auf das Arbeitermilieu, die Forderung nach Zurücknahme des Versailler Friedensvertrages auf Konservative. Von "zersetzender" Kunst und Literatur ist die Rede, um den Hassern des Bürgertums zu gefallen.

"Das Ganze war ziemlich dilettantisch"

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Antisemiten finden sich unter anderem in Punkt 4 wieder: "Kein Jude kann (...) Volksgenosse sein", verkündet Hitler im Hofbräuhaus. Worauf der Schreihals hinaus will, ahnen wohl damals die wenigsten Zuhörer. Die monströsen Verbrechen zeichnen sich an jenem bierseligen Winterabend deutlich ab.

Hitlers Rezept: Antisemitismus und Gewalt

Die Partei, bislang eine der unzähligen rechtsradikalen Polit-Sekten, probt damals den großen Wurf: Mit dem Programm und der Umbenennung probt sie laut Nolzen die "Fusion zweier sehr starker Zeitströmungen" - dem Nationalen und dem Sozialistischen.

Adolf Hitler beginnt an jenem Tag ein neues Konzept: "Aus einer Honoratioren-Partei der Hinterzimmer will er eine Massenbewegung formen", sagt Historiker Nolzen. Hitlers Erfolgrezept: "Antisemitische Propaganda und Gewalt".

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