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Putschversuch in München:9. November 1923 - Hitlers vergeblicher Griff nach der Macht

Fünf Jahre nach dem Ersten Weltkrieg versucht Adolf Hitler von München aus, die Macht in Deutschland an sich zu reißen. Bilder aus dem Archiv von SZ Photo.

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Erich Ludendorff und Adolf Hitler, 1923 Hitlerputsch

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Am 9. November 1923 versuchte Adolf Hitler von München aus, die Macht in Deutschland an sich zu reißen. Der dilettantische Putsch misslang - und wurde hinterher zum Mythos. SZ.de dokumentiert das Ereignis mit Bildern aus dem Archiv von SZ Photo.

Der Weltkriegs-Gefreite Adolf Hitler dominierte seit 1920 eine kleine rechtsextreme Partei in München, die NSDAP. Als Redner war der mittellose Österreicher erfolgreich, doch die regierenden rechtskonservativen Kräfte zeigten ihm in Bayern die kalte Schulter. Hitler war politisch isoliert - und entschied sich für einen riskanten Schritt. Er versuchte gemeinsam mit rechtsradikalen Kräften um den ehemaligen Generalquartiermeister Erich Ludendorff, die Regierung zu stürzen.

Im Bild: Hitler bei den Vorbereitungen zum Putsch gemeinsam mit Ludendorff (mit Pickelhaube). Die Aufnahme entstand wahrscheinlich beim Appell des "Deutschen Kampfbundes" auf der Fröttmaninger Heide bei München.

Hitlerputsch 9. November 1923 München

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Schon am 8. November marschierten erste mit Hitler verbündete Milizen in München ein. Allerdings waren auch Reichswehreinheiten aus Nordbayern auf dem Weg in die Landeshauptstadt - denn die Putschpläne waren durchgesickert.

Im Bild: Männer des Bund Oberland in München am Vortag des versuchten Putschs.

Proklamation zum Sturz der Regierung während des Hitler-Putschs, 1923

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Hitler und seine Schergen sprengten eine Veranstaltung im Haidhauser Bürgerbräu-Keller. Der Nazi-Chef hatte es auf drei anwesende rechtskonservative Honoratioren abgesehen, die als starke Männer in Bayern galten: Gustav Ritter von Kahr (Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten), Otto von Lossow (Reichswehr-General) und Hans von Seißer (Chef der Landespolizei). Alle drei galten keineswegs als lupenreine Demokraten. Mit gezogener Pistole nötigte Hitler das Trio zur Teilnahme an einer Putschregierung.

Im Bild: Von Hitler initiierte Proklamation zum Sturz der Regierung während des Hitler-Putschs, 1923.

SA-Abteilung bei Vorbereitung des Hitler-Putsches 1923

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Seißer und Lossow leiteten anschließend heimlich Gegenmaßnahmen ein, um den Staatsstreich niederzuschlagen. Auch von Kahr wandte sich später gegen Hitler und erklärte nachts im Radio die NSDAP für aufgelöst.

Im Bild: SA-Schlägertrupp in München kurz vor dem Putsch mit der alten kaiserlichen Reichskriegsflagge.

Hitlerputsch, 1923

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Hitler wagte dennoch den Griff nach der Macht. Er setzte auf Massenmobilisierung, die ihn bis nach Berlin bringen sollte - ähnlich wie in Italien den faschistischen Duce Benito Mussolini. Am Vormittag verhafteten braune Kämpfer linke Stadträte.

Im Bild: Verhaftung sozialistischer Stadträte während des Hitler-Putschs in München.

Hitlerputsch, 1923 | Hitler Coup, 9. November 1923

Quelle: Scherl/SZ-Photo

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In der Schönfeldstraße besetzten Hitler-freundliche Freikorps damals das Kriegsministerium, darunter der spätere SS-Chef Heinrich Himmler.

Berittene Polizei nach der Niederschlagung des Hitler-Putsches, 1923

Quelle: Scherl

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Mittags marschierten Hitler und Ludendorff mit ihren Anhänger vom Bürgerbräukeller ab. Ziel war das Wehrkreiskommando, wo sich SA-Chef Ernst Röhm verschanzt hatte.

Unterwegs entwaffneten sie eine 30 Mann starke Einheit der Landespolizei. Doch am Odeonsplatz hatte der Polizeioffizier mit 130 Beamten den Weg abgeriegelt. Die Putschisten marschierten trotzdem weiter, es kam zum Gerangel, ein Schuss löste sich. Darauf folgte ein Feuergefecht, das bald endete.

Hitlers Putsch war nach einer Minute Kampf zusammengebrochen.

Die Putschisten flohen, Hitler kugelte sich die Schulter aus und verkroch sich im Haus eines Anhängers in Alpennähe. Vier Polizisten fanden den Tod, sowie ein Passant und 16 Putschisten.

Im Bild: Berittene Polizei nach der Niederschlagung des Hitler-Putschs. Die Beamten der Landespolizei vertrieben Schaulustige vom Odeonsplatz.

Adolf Hitler, 1924 Putsch Landsberg

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Hitler wurde gefunden und verhaftet, später wurde ihm, Ludendorff und den anderen Verschwörern der Prozess gemacht. Doch sowohl die Justiz als auch die rechtskonservative Elite zeigte sich milde: Anstatt den Ausländer Hitler hart zu bestrafen und dann auszuweisen, wurde sein Putsch als nationale Tat entschuldigt. Sie dachten, der Nazi sei nun gezähmt - ein folgenschwerer Irrtum. Seine nur neun Monate Haft in Landsberg am Lech nutzte Hitler, um "Mein Kampf" zu diktieren, sein berüchtigtes Pamphlet.

Ludendorff wurde vom Gericht freigesprochen - wegen seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg.

Im Bild: Adolf Hitler nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Landsberg 1924.

SS vor der Feldherrnhalle, 1938 9. November Reichsprogromnacht Kristallnacht Putsch

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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In den Folgejahren schuf Hitler einen Mythos um den kläglich gescheiterten Putsch. Aus der "dilettantischen Angelegenheit" (Historiker Hans Mommsen) schufen die Nazis eine heroische Legende. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 zelebrierte das Regime jedes Jahr den 9. November.

Im Bild: SS-Männer stehen vor der Münchner Feldherrnhalle am 9. November 1938 anläßlich des Gedenkens zum Jahrestag des Hitler-Putschs. Gleichzeitig wurde das deutschlandweite Pogrom gegen die Juden initiiert.

© Süddeutsche.de/odg/mane
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