Nahostkonflikt USA kontern Kritik aus Israel

"Persönliche Angriffe stören mich nicht": US-Außenminister John Kerry.

(Foto: AFP)

"Persönliche Angriffe stören mich nicht": US-Außenminister Kerry wehrt sich gegen den Vorwurf israelischer Medien, er bevorzuge die Hamas bei den Friedensgesprächen. Unterdessen soll das einzige Kraftwerk im Gazastreifen bei Angriffen beschädigt worden sein.

  • Die USA reagieren verstimmt auf israelische Kritik an Außenminister Kerrys Bemühungen um eine Waffenruhe.
  • Israel und die Hamas haben ihre Angriffe in der Nacht ausgeweitet.
  • Israel hat den Gazastreifen massiv beschossen. Dabei soll das einzige Kraftwerk im Gazastreifen getroffen worden sein. Auch das Haus von Hamas-Führer Hanija wurde zerstört.
  • UN-Generalsekretär Ban warnt, dass der Flüchtlingsstrom nicht mehr zu bewältigen sei.

USA reagieren verstimmt auf israelische Kritik

Die USA haben verstimmt auf israelische Kritik an den Bemühungen von US-Außenminister John Kerry reagiert, eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu vermitteln. Der Chefdiplomat selbst wies die Kritiker am Dienstag in Washington in die Schranken. "Persönliche Angriffe stören mich nicht", sagte Kerry. Ihm und US-Präsident Barack Obama gehe es darum, die grundlegenden Probleme des Konfliktes am Verhandlungstisch zu lösen.

Israelische Medien hatten Missfallen darüber bekundet, dass sich der US-Außenminister auch mit Vertretern von Katar sowie der Türkei traf und damit angeblich das Gleichgewicht in den Gesprächen zugunsten der Hamas veränderte. Die linksliberale Zeitung Haaretz kritisierte, dass in dem Entwurf für eine Waffenruhe Israels Sicherheitsbedürfnisse praktisch nicht erwähnt worden seien. Beispielsweise müssten Raketen und schwere Waffen aus dem Gazastreifen abgezogen und "Terrortunnel" zerstört werden, die vom Gazastreifen nach Israel führten. Ein Kommentator der Haaretz bezeichnete das Vorgehen Kerrys als fahrlässig.

Massives Bombardement des Gazastreifens - einziges Kraftwerk außer Betrieb

Trotz der Appelle für eine Waffenruhe hat Israel in der Nacht massiv Ziele im Gazastreifen beschossen. Palästinensische Augenzeugen berichten von den bisher schwersten Angriffen seit Beginn der israelischen Offensive. 26 Palästinenser wurden getötet, darunter neun Frauen und vier Kinder. Damit erhöht sich die Opferzahl seit Beginn des Krieges auf über 1100. Auch das einzige Kraftwerk im Gazastreifen wurde getroffen. Die Anlage sei außer Betrieb, sagte ein Vertreter der Energiebehörde. Die Anlage versorgt der Nachrichtenagentur AFP zufolge etwa ein Drittel der Haushalte im Gazastreifen mit Strom.

Die israelische Armee gab bekannt, dass binnen 24 Stunden zehn israelische Soldaten getötet worden seien. Damit stieg die Zahl der getöteten israelischen Soldaten auf 53. Zudem seien drei israelische Zivilisten tödlich verletzt worden. In der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv heulten mitten in der Nacht die Alarmsirenen und rissen die Einwohner aus dem Schlaf. Zwei Raketen seien nahe Rishon LeZion südöstlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte die Armee mit. Auch in anderen Orten in Israel schrillten bis in die frühen Morgenstunden die Sirenen.

Haus von Hamas-Führer Hanija zerstört

Bei einer der Attacken auf Gaza wurde nach palästinensischen Angaben auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija getroffen. Hanija wurde 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, als das Haus von Raketen zerstört wurde, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa. Am frühen Morgen wurde auch das Gebäude des Senders bombardiert. Drei heftige Explosionen hätten das Haus erschüttert, berichtete der CNN-Korrespondent aus Gaza.

Ban: UN können Flüchtlingsstrom nicht mehr bewältigen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich besorgt gezeigt, nachdem Israel Zehntausende Menschen im Gazastreifen zur Flucht ins Zentrum von Gaza-Stadt aufgefordert hat. Ban warnte in diesem Zusammenhang, die in Gaza arbeitenden UN-Organisationen hätten nicht die Ressourcen, einen zusätzlichen riesigen Zustrom verzweifelter Menschen zu bewältigen oder ihnen Hilfe zu gewähren. Ban betonte erneut, dass die Feindseligkeiten beendet werden müssen.

Frankreich gab unterdessen drei Millionen Euro zur Unterstützung der Menschen im Gazastreifen frei. Dabei handele es sich um den ersten Teil von insgesamt acht Millionen Euro, die für außergewöhnliche humanitäre Unterstützung an die Palästinensische Autonomiebehörde gehen sollen, teilte die Regierung in Paris mit.

Irans Führer Chamenei beschimpft Israel als "tollwütigen Hund"

Angesichts der heftigen Angriffe der israelischen Armee auf den Gazastreifen hat der oberste politische und religiöse Führer Irans Israel als "tollwütigen Hund" beschimpft. Zugleich forderte Ajatollah Ali Chamenei in seiner im Fernsehen übertragenen Rede zum Fest des Fastenbrechens alle Muslime auf, die Palästinenser mit Waffen zu unterstützen, damit sie sich gegen "diesen Völkermord" zur Wehr setzen könnten.

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