Gazastreifen Israel fordert Zivilisten zur sofortigen Flucht auf

Ein Palästinenser nutzt eine kurze Feuerpause, um Zuflucht zu finden.

(Foto: Marco Longari/AFP)

Der Ruf nach einer Waffenruhe wird immer lauter, doch die Angriffe gehen weiter: Vier weitere Israelis sollen getötet worden sein, nun fordert die Armee die Zivilbevölkerung vor Gaza zur Flucht auf. Und Premierminister Netanjahu kündigt eine Fortsetzung der Kämpfe an.

  • Israelisches Militär fordert Zivilbevölkerung in mehreren Vororten von Gaza-Stadt zur Flucht auf.
  • Israels Premierminister Netanjahu kündigt Forsetzung der Militäroffensive an.
  • Nicht nur der UN-Sicherheitsrat fordert nach einer Dringlichkeitssitzung einstimmig eine sofortige Waffenruhe im Gazakrieg.
  • Angeblich "Mega-Anschlag" mithilfe von Tunnelsystem geplant.

Vier Israelis sterben - Aufruf zur Flucht

Das israelische Militär hat die Zivilbevölkerung in mehreren Vororten Gazas zur sofortigen Flucht aufgefordert. In einer veröffentlichten Erklärung des Militärs hieß es, dass die Einwohner von Schedschaija, Seitun und Dschabalija in Telefonanrufen und per SMS aufgerufen worden seien, sich "unverzüglich" in Sicherheit zu bringen. Die Armee sendet solche Mitteilungen für gewöhnlich vor massiven Angriffen.

Bei einem Mörsergranaten-Angriff militanter Palästinenser waren zuvor vier israelische Soldaten getötet worden. Es war der Angriff mit den meisten Opfern in Israel seit Beginn der Militäroffensive im Gazastreifen am 8. Juli.

Netanjahu kündigt Fortsetzung der Kämpfe an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte, indem er eine Fortsetzung der Militäroffensive gegen die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen ankündigte. "Wir werden den Einsatz nicht beenden, bevor wir die Tunnel (der Hamas) zerstört haben", erklärte er in einer Fernsehansprache am Montagabend. "Die israelischen Bürger können nicht unter der Bedrohung durch Raketen und Tunnel leben - unter Todesdrohung von oben und von unten", fügte er hinzu.

Ruf nach sofortiger Waffenruhe wird immer lauter

Der internationale Druck zur Beendigung des Blutvergießens wird indes stärker. Nach US-Präsident Barack Obama forderte auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe" zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Die Konfliktparteien sollten die Kampfhandlungen einstellen, um Hilfe möglich zu machen, hieß es in einer Erklärung des UN-Gremiums. Der Rat sei "tief besorgt" wegen der Verschärfung der Lage und des Todes von Zivilisten, hieß es in der Erklärung.

Auch führende westliche Nationen wollten ihre Bemühungen um eine Waffenruhe verstärken. Dazu müsse der Druck steigen, hieß es am Montag vonseiten der französischen Regierung in Paris. Der UN-Vertreter der Autonomiebehörde, Rijad Mansur, wiederholte die Forderung nach einem "Schutz durch die Vereinten Nationen" für die Palästinenser. Israels UN-Botschafter Ron Prosor sagte, die Hamas greife Schulen, Busse und Cafés an. "Der Terror ist vor unserer Haustür." Am Morgen hatte Israel die von ihm einseitig verlängerte Feuerpause aufgekündigt, weil die Hamas weiter Raketen auf das Land geschossen hatte.

Hamas soll verheerenden Anschlag über Tunnel geplant haben

Israel wirft der Hamas vor, einen verheerenden Anschlag auf israelische Zivilisten durch die Tunnel im Grenzgebiet geplant zu haben. Geheimdienstminister Juval Steinitz bestätigte entsprechende Medienberichte: "Wir hatten Informationen zu Vorbereitungen eines Mega-Anschlags durch die Tunnel."

Israelische Medien hatten von angeblichen Plänen der Hamas berichtet, am jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana im September Hunderte bewaffneter Kämpfer durch mehrere Tunnel gleichzeitig auf israelisches Gebiet zu schicken. Die Informationen, die sich nicht unabhängig überprüfen ließen, basieren demnach auf den Aussagen von Hamas-Mitgliedern, die Israels Armee während der gegenwärtigen Offensive im Gazastreifen festgenommen habe. Ziel des Anschlags sei es gewesen, in mehreren israelischen Ortschaften gleichzeitig so viele Menschen wie möglich zu töten oder in den Gazastreifen zu verschleppen, heißt es in den Berichten.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen hat die Armee mehrere Dutzend Tunnel gefunden und zerstört. Viele davon führten aus palästinensischen Wohnvierteln auf israelisches Gebiet (Überblick über die Nutzung der Tunnel).