Naher Osten Welche Staaten in Syrien kämpfen

Die Angst vor einer Eskalation in Syrien wächst. Was will Russland? Arbeitet Putin weiterhin mit Iran zusammen? Und wie reagieren die USA? Die wichtigsten Akteure im Überblick.

Von Sebastian Gierke

Der Syrien-Konflikt ist noch nicht vorbei, doch die Art der Auseinandersetzung verändert sich. Längst handelt es sich nicht mehr nur um einen Bürgerkrieg, sondern um mehrere Kriege auf dem Gebiet eines einzigen Staates. Die Einmischung internationaler Mächte hat das Land nicht nur geteilt, sondern macht auch eine politische Lösung extrem schwierig und langwierig.

Die wichtigsten Akteure und ihre Ziele im Überblick:

Syrien

Der syrische Diktator Baschar al-Assad gewinnt immer mehr die Oberhand in Syrien. Vor allem die internationalen Mächte, die ihn militärisch unterstützt haben, bringen sich jetzt in Stellung und versuchen, sich möglichst viel Kontrolle und Einfluss zu sichern.

Assad konnte seine Macht vor allem dank russischer Luftangriffe sichern - und dank der Hilfe aus Teheran. Der schiitische Iran hat nicht nur Militärberater nach Syrien geschickt, sondern finanziert auch die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah, die mit 10 000 Mann an der Seite der syrischen Armee kämpft. Unterstützung aus Teheran erhalten vermutlich auch etliche lokale Milizen, die sich überall im Land gebildet haben. Für viele Beobachter gelten Iran und die Hisbollah längst als die eigentlich Mächtigen in Syrien. Für Assad könnte das zum Problem werden. Er ist allerdings noch nicht stark genug, auf die Anwesenheit Irans verzichten zu können und sich ganz auf Russland zu stützen.

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Iran

Teheran versucht gerade mit aller Macht, sich in Syrien eine dauerhafte Basis zu schaffen, von der aus es Israel auf direktem Weg bedrohen kann. Iran nimmt für sich in Anspruch, Assad die Macht gerettet zu haben. Dafür will es nun belohnt werden - mit militärischem Einfluss. Das Land hat Tausende Revolutionsgardisten nach Syrien entsandt, die vor allem als Militärberater fungieren und das Kommando über schiitische Milizen übernommen haben. Seine Streitkräfte will Iran auf keinen Fall aus Syrien zurückziehen. Den Milizen geht es darum, sich dauerhaft eine Landachse zu sichern, die von Libanon am Mittelmeer über Syrien und den Irak bis nach Teheran führt.

Türkei

Die Türkei setzt ihren Einsatz in der nordsyrischen Region Afrin trotz internationaler Appelle fort. Sie geht dort gegen die Kurdenmiliz YPG vor, syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Volksverteidigungseinheiten der YPG kontrollieren zum Verdruss Ankaras nicht nur den größten Teil der nordsyrischen Grenze zur Türkei, sondern haben sich zum einem wichtigen Partner der USA im Kampf gegen den IS entwickelt - Militärhilfe inklusive. Das Nato-Mitglied Türkei kämpft hier also gegen einen Verbündeten des Nato-Mitglieds USA. Russland akzeptiert die Operation gegen die Kurden bisher ohne lauteres Murren.

Russland

Moskau kontrolliert mit einem modernen Luftabwehrsystem Syriens Luftraum. Damit und mit Luftangriffen spielt Russland eine zentrale, aber auch mehrdeutige Rolle in dem Konflikt. Kremlchef Wladimir Putin will zwar Syriens Führung an der Macht halten, ist aber schon allein wegen der hohen Kosten an einem Ende des Konflikts interessiert. Den Einfluss Irans sieht Russland mindestens skeptisch - weshalb Beobachter davon ausgehen, dass Putin Israel Raum lässt, gegen Teherans Milizen vorzugehen. Putin will es sich mit Israel nicht verderben. Wenn es darum geht, eine Nachkriegsordnung für Syrien zu finden, hat Putin wohl die wichtigste Rolle inne, er befindet sich aber auch in einer extrem komplizierten Lage. Er will einen Frieden zu russischen Bedingungen, will sich gleichzeitig aber weder eindeutig auf Israels noch auf Irans Seite schlagen.

Israel

Israel ist vor allem über die zunehmende Präsenz der Hisbollah am Fuß des Golan und in Syrien besorgt. Aber auch über iranische Präzisionsraketen, die aus entlegenen Gebieten Syriens Richtung Israel abgefeuert werden könnten. Der zunehmende Einfluss Irans und der Hisbollah hat große Unruhe ausgelöst. Seit Monaten fliegen israelische Jets deshalb Luftangriffe gegen Ziele in Syrien. Israel wird nicht tatenlos bleiben, sollten Hisbollah und Iran ihre Militärinfrastruktur weiter ausbauen und näher an die Grenze rücken.

Mit dem Abschuss eines israelischen Flugzeuges am 10. Februar gerät allerdings die bisher uneingeschränkte Lufthoheit Israels in der Region in Zweifel. Laut israelischen Angaben war eine iranische Drohne in den eigenen Luftraum eingedrungen und wurde von einem Kampfhubschrauber abgeschossen. Israel reagierte sofort und griff über mehrere Stunden Ziele in Syrien an. Als einer der daran beteiligten Jets von den Angriffen zurückkehrte, geriet er unter schweren Beschuss durch syrische Luftabwehrraketen. Die proiranische Hisbollah-Miliz in Libanon sprach nach dem Abschuss von einer "neuen strategischen Phase".

USA

Der mit großem Abstand wichtigste Verbündete Israels hat sich im Syrien-Konflikt lange darauf konzentriert, die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Offiziell hält sich die US-Armee immer noch nur deshalb in Syrien auf, um die Rückkehr des IS zu verhindern.

Was die Bedrohung durch Iran angeht, hat Donald Trump Israel bislang keine öffentlichen Zusagen gemacht. Auch nicht nach dem Vorfall Mitte Februar. Das Engagement der USA in der Region hat Trump stark begrenzt. Auch daher rührt Israels harte Haltung. Das Land glaubt, keine Schwäche zeigen zu dürfen. Sonst könnten, so die Befürchtungen, die Feinde Israels versuchen, den Rückzug der USA auszunutzen. Allerdings dürften auch die USA verhindern wollen, dass Iran seinen Einfluss weiter ausbaut, schließlich hat US-Präsident Donald Trump Teheran - zumindest was das Atomprogramm angeht - auch öffentlich den Kampf angesagt.

Mit Material der Agenturen.

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