Panama Papers Scheindirektoren sind die äußerste Schicht der Geheimhaltung

Scheindirektoren sind die äußerste Schicht der Geheimhaltung, gewissermaßen die Basisversion der Verschleierung. Wer es mit der Heimlichtuerei weiter treiben will, zieht eine weitere Schutzschicht ein. In Steueroasen, in denen es das System der sogenannten Bearer Shares gibt, ist das denkbar einfach: Dabei handelt es sich um anonyme Inhaberaktien, auf denen kein Name steht. Wer alle Inhaberaktien einer Firma in der Hand hält, also als Stück Papier, dem gehört die Firma. Es ist das ideale Instrument für jene Art von Geschäften, die spurlos verlaufen sollen: Geld auf den Tisch, Inhaberaktie herübergeschoben, Transaktion abgeschlossen.

Allerdings ist es so, dass Inhaberaktien zuletzt in den meisten Steueroasen abgeschafft wurden. Zu groß war der internationale Druck und zu schwach waren die Argumente, warum man dieses ideale Geldwäschemittel weiter erlauben sollte. Etliche Firmen in den Panama Papers sind heute stattdessen aufgebaut wie Matroschka- Figuren: Sie haben als Shareholder andere Firmen - und wer in die Besitzverhältnisse dieser Firmen reinschaut, stößt wieder auf neue Firmen. Und so lässt sich das unendlich fortsetzen.

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Ein weiteres Instrument zur Verschleierung sind die Schein-Anteilseigner. Das sind Menschen oder Briefkastenfirmen, die treuhänderisch die Aktien halten, also im Auftrag von anderen. Auch das ist meist legal, im Gegensatz zu einem Service, den Mossack Fonseca aber offenbar auch angeboten hat: den Service eines echten Menschen, der sich als wahrer Eigentümer einer Firma ausgibt - ohne es zu sein.

Denn es gilt die Regel: Egal, ob man Strohmänner als Direktoren einsetzt oder Offshore-Firmen als Anteilseigner, am Ende der Verschleierungskette muss immer ein echter Mensch stehen: der letztgültige Eigentümer. Das verlangen die Anti-Geldwäsche-Gesetze. Alle halbwegs seriösen Banken richten inzwischen nur noch Konten für Offshore-Firmen ein, wenn ihnen der letztgültige Eigentümer genannt wird. Ihn muss die Bank dann überprüfen, um sicher zu sein, mit wem sie Geschäfte macht.

Wenn sie nur für das Treiben einer einzigen Firma vor Gericht müssten, dürfte das ihr Ruin sein

Mossack Fonseca bot nun laut den Panama Papers wiederholt Kunden an, diesen Überprüfungsmechanismus auszuschalten. Die Kanzlei offerierte für eine fünfstellige Summe, einen echten Menschen einzusetzen, der anstelle des tatsächlichen wahren Eigentümers als Eigentümer auftritt. Einer dieser Premium-Strohmänner ist offenbar ein Mann namens Edmund W. - und er ist nicht irgendwer, sondern der Ex-Schwiegervater von Kanzlei-Miteigentümer Ramón Fonseca. W.s Job ist es, so zu tun, als wäre er der Mann am Ende der Verschleierungskette. Mossfon bestreitet, diesen Service je angeboten zu haben, W. nahm keine Stellung.

Die Offshore-Welt kann nur funktionieren, weil es einen schier unerschöpflichen Pool an Menschen gibt, die als Strohleute, als Stroh-Strohleute und Stroh-Stroh-Strohleute ihren Namen für allerlei dubiose Geschäfte hergeben - und das, obwohl sie für Rechtsverstöße jener Firmen, die sie auf dem Papier leiten, zur Rechenschaft gezogen werden können. Das bestätigt Carlos Barsallo, Vorsitzender des Ethikkomitees der panamaischen Anwaltskammer. Im Zweifel drohen ihnen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe. Wenn diese Scheindirektoren nur für das Treiben einer einzigen Firma vor Gericht müssten, dürfte das ihr Ruin sein.

In Neuseeland wurde 2010 eine Scheindirektorin verurteilt. Zuvor waren auf dem Flughafen Bangkok Panzerbüchsen, Raketenwerfer und Flugabwehrsysteme in einem Flieger gefunden worden, der eigentlich Ölbohrausrüstung transportieren sollte. Die Waffen kamen aus Nordkorea, möglicherweise sollten sie nach Iran. Ein illegales Geschäft, doch verurteilt wurde nur die Chinesin Lu Z., die als Austauschstudentin nach Neuseeland gekommen war. Für 20 neuseeländische Dollar hatte sie sich von einem Offshore-Dienstleister als Scheindirektorin von Briefkastenfirmen eintragen lassen. Am Ende war sie laut einem neuseeländischen Richter die einzige echte Person, die die Ermittler im internationalen Firmengeflecht finden konnten, das offenbar hinter der Waffenlieferung steckte. Alle Spuren führten ins Leere.

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