De Maizière und die Bomben-Attrappe Eine afrikanische Kofferposse

Zünder, Flugzeug, München: Fahrlässig verbreitete Innenminister Thomas de Maizière dieses Begriffstrio nach dem Fund der Bomben-Attrappe in Windhuk. Hinzu kam die Sehnsucht deutscher Medien nach dem Ausnahmezustand. Doch Terroristen stellt man im Stillen, nicht mit Geschwätzigkeit.

Ein Kommentar von Nicolas Richter

Die vergangenen Tage in Deutschland erinnern an die erste Amtszeit von George W. Bush. Nach den Anschlägen vom September 2001 hatte seine Regierung eine Art Ampel erfunden, sie zeigt bis heute die Terrorgefahr an. Bushs Experten schalteten zuweilen im Vier-Wochen-Takt von Gelb ("erhöhte Gefahr") auf Orange ("hohe Gefahr") und zurück. Es verursachte Unbehagen, die Gründe aber blieben geheim. Die Terror-Ampel sollte die Öffentlichkeit angeblich informieren und schürte doch nur Unruhe unter Ahnungslosen: Was ist eine erhöhte Gefahr? Was heißt das für die Bürger?

Sollte Terrorwarnungen, ob als Ampel oder als wolkige Ankündigung, einfach bleibenlassen: Bundesinnenminister Thomas de Maizière .

(Foto: dpa)

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist, anders als die Alarmisten der einstigen Regierung Bush, sehr besonnen. Jetzt hat er sich zum ersten Mal mit Ampelschaltungen versucht und gleich Verwirrung gestiftet. Am Mittwoch schaltete er auf Gelb und warnte vor einem möglichen Anschlag, am Donnerstag erhöhte er auf Rot. Eine wichtigtuerische Mitteilung des ihm unterstellten Bundeskriminalamts ließ einen Koffer in Windhuk zu einem Anschlagsversuch auf eine deutsche Passagiermaschine anschwellen.

Als Air Berlin schon beruhigte, hielt der Minister mit frischer Dramatik dagegen. Am Freitag stellte sich heraus, dass es nur eine lokale Trainingspanne gewesen war. Das Kommunikationsdesaster hatte zwei Ursachen: die Sehnsucht deutscher Medien nach dem Ausnahmezustand - und die unglücklichen Einlassungen des sonst so ruhigen und deswegen glaubwürdigen Ministers.

De Maizière sollte daraus eine Lehre ziehen. Er sollte Terrorwarnungen, ob als Ampel oder als wolkige Ankündigung, einfach bleibenlassen. Dass sich die afrikanische Kofferposse am Tag des deutschen Terroralarms ereignete, wird Zufall gewesen sein, die Reaktion auf diese Ereigniskette aber war es nicht. In der deutschen Öffentlichkeit, den Medien inbegriffen, herrschte bereits jene Grundaufgeregtheit, die der Minister mit seiner Warnung selbst ausgelöst hatte, das fahrlässig verbreitete Begriffstrio "Zünder, Flugzeug, München" schürte da sofort größere Sorge. Gleichzeitig standen die Sicherheitsbehörden nach ihrer Warnung selbst unter einem - vielleicht nur unbewussten - Rechtfertigungszwang und sahen im Fall Windhuk wohl eine willkommene Bestätigung für den soeben ausgegebenen Gefahrenhinweis.

Die Politik verbreitet kaum je so viel Furcht und legt zugleich so wenig Rechenschaft ab wie mit Terrorwarnungen. Die Öffentlichkeit kann nicht überprüfen, warum sie alarmiert wird. Letztlich können es auch die wenigen eingeweihten Sicherheitsexperten nicht präzise sagen. Wüssten sie genau, was bestimmte Gefährder planen, würden sie diese beobachten und festnehmen.

In fast zehn Jahren allgemeiner Terrorwarnungen jedenfalls ist nie eines der vage angekündigten Schreckensszenarien eingetreten. Terrorfahnder verfolgen und stellen Verdächtige im Stillen, nicht mit Geschwätzigkeit. De Maizière weiß das. Er sollte sich, anders als in dieser Woche, treu bleiben.