Weshalb der Westen Mauretanien verschont Unerwartete Hilfe aus Saudi-Arabien

2008 putschte sich Mohamed Ould Abdel Aziz erst an die Macht und zementierte seine Macht dann durch Präsidentschaftswahlen. Bei Wikileaks kann man nachlesen, was er der US-Botschaft 2009 zusicherte: Er werde "die Fluttore öffnen" für die Sicherheitszusammenarbeit mit den USA. Washington hilft dem Land mit Militärtraining und Polizeiausbildung. Die Sicherheitskooperation liegt im Interesse der mauretanischen Regierung, denn die Propaganda islamistischer Fundamentalisten findet vor allem bei den unterdrückten, besitzlosen (Ex-)Sklaven Gehör.

Von den Sklavenhaltern als Störenfried verhasst, von den einfachen Leuten als Held verehrt: Aktivist Biram Dah Abeid versucht seit langem, Leibeigene in Mauretanien zu befreien. Nun sitzt er im Kerker.

(Foto: Niklas Schenck)

Mitte der neunziger Jahre begann Mauretanien, bis dahin ein Verbündeter von Saddam Hussein, bei Resolutionen der UN-Vollversammlung mit den USA gegen Irak abzustimmen. Danach, so ein Artikel im New Yorker im Jahr 2000, folgte die US-Regierung nach außen der offiziellen Sprachregelung der mauretanischen Regierung: In dem Land gebe es nur noch "Spuren von Sklaverei", nicht mehr die Praxis selbst.

Franzosen und Spanier wiederum haben noch ein anderes Interesse, Mauretanien als Partner nicht zu verlieren: Das Land nimmt bereitwillig Flüchtlinge zurück, die es irgendwie nach Europa geschafft haben, und hilft, Migranten aus anderen Staaten südlich von Mauretanien frühzeitig abzufangen.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex verhandelt darüber, die bilateralen Abkommen der beiden Länder mit Mauretanien in "Working Arrangements" umzuwandeln, die für die gesamte EU gelten. "Klar braucht Frankreich uns im Kampf gegen Immigration und Terrorismus, aber das darf nicht ihren Blick für die Sklaverei trüben", sagt Fatimata Mbaye, eine Anwältin in Nouakchott, die immer wieder Verfahren gegen Sklaverei anstrengt. Sonst könnte sich das rächen. "Befreite Sklaven werden nicht automatisch Terroristen, aber so wie sie jetzt behandelt werden, werden manche von ihnen irgendwann Revolten anzetteln."

Unerwartete Hilfe bekamen die Sklavereigegner zuletzt ausgerechnet aus Saudi-Arabien. Imame in den mauretanischen Moscheen und die Ulema, die Rechtsgelehrten der Scharia-Gerichte, hatten gegenüber Aktivisten, Journalisten und auch den US-Diplomaten die Existenz von Sklaverei immer wieder bestritten. Im April 2012 nun verlas der Imam von Medina im Radio Qu'ran, das in Mauretanien empfangen wird, eine Fatwa.

Er sagte, dass Saudis sich "von ihren Sünden befreien und reinwaschen" könnten, indem sie für etwa 2000 Euro einen mauretanischen Sklaven kaufen und ihm die Freiheit schenken. Das wurde in Mauretanien gesendet und schlägt seither hohe Wellen: Die Medien verstehen es als Eingeständnis der Sklaverei.

Der Kampf des Biram Dah Abeid

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