Krieg in Syrien UN-Ermittler machen Assad für Giftgasattacken verantwortlich

83 Menschen wurden in Khan Scheikhun getötet.

(Foto: AP)
  • Bei dem Sarin-Angriff waren am 4. April in Khan Scheikhun mindestens 83 Menschen getötet und fast 300 verletzt worden.
  • Die USA hatten als Reaktion Vergeltungsschläge gegen Stellungen des syrischen Regimes geflogen.
  • Vermutet wurde die syrische Luftwaffe dahinter - nun haben UN-Ermittler einen umfassenden Bericht vorgelegt, der das bestätigt.

Die schwere Giftgasattacke im April in Syrien geht nach Überzeugung von UN-Menschenrechtsexperten auf das Konto der syrischen Luftwaffe. Bei dem Sarin-Angriff waren am 4. April in Khan Scheikhun mindestens 83 Menschen getötet und fast 300 verletzt worden. Die USA hatten als Reaktion Vergeltungsschläge gegen Stellungen des syrischen Regimes geflogen. Insgesamt seien 33 Giftgas-Einsätze dokumentiert, von denen 27 auf das Konto der syrischen Truppen gingen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der UN-Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien.

Syrien und das verbündete Russland haben den Einsatz von Giftgas immer bestritten. Ihren Angaben zufolge hätten sie vielmehr versehentlich ein geheimes Giftgasdepot der Rebellen getroffen. Syrien werde demnach zu Unrecht der Kriegsverbrechen beschuldigt. In Wahrheit gingen Giftgasangriffe immer und ausschließlich von den Rebellen aus, so die Regierungen in Russland und Syrien.

Diese Darstellung wies die Kommission der Vereinten Nationen nun entschieden zurück. Die Begründung: Unter anderem seien die Opfer bereits Stunden vor dem angeblichen Luftschlag gegen das Depot verletzt worden. Vier Luftschläge seien mit einem Suchoi-Jagdbomber ausgeführt worden, den nur die syrische Luftwaffe einsetze. Und auf Fotos mit Bombenfragmenten sei eine chemische Bombe identifiziert worden, die in der ehemaligen Sowjetunion hergestellt worden sei.

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Tatsächlich sind diese Details keine Neuigkeit. Journalisten, Experten und Menschenrechtler hatten den Tathergang bereits kurz nach dem Angriff mit Hilfe von Fotos und Zeugenaussagen rekonstruieren können. Dennoch hatten Syrien und Russland an ihrer Version der Ereignisse festgehalten. Giftgasangriffe und andere mögliche Kriegsverbrechen wurden geleugnet, Beweise als nicht aussagekräftig zurückgewiesen. Dann forderten Russland und Syrien eine unabhängige Untersuchung. Aber bis die ersten Ergebnissen kamen, war die Empörung längst abgeflaut.

Wie erfolgreich diese Strategie ist, zeigt sich auch an der geteilten Beurteilung der US-amerikanischen Reaktion auf den Giftgasangriff im April. Viele Beobachter lobten Donald Trump damals für seine klare Entscheidung, Giftgasangriffe des Regimes, anders als sein Vorgänger Obama, nicht zu tolerieren. Es war die erste Entscheidung des neuen US-Präsidenten, die weltweit ein positives Echo fand. Doch es gab auch die kritischen Stimmen, jene, die mit Blick auf die syrische Darstellung sagten, Trump habe möglicherweise fahrlässig eine militärische Auseinandersetzung mit Russland riskiert, als er eine Luftwaffenbasis des Regimes bombardieren ließ, die auch von russischen Truppen genutzt wurde. Und alles ohne Beweise, dass das Assad-Regime tatsächlich hinter dem Giftgasangriff stecke.

Nun ist er also da, der Untersuchungsbericht. Die Kommission führt in ihrem Bericht "glaubhafte Anhaltspunkte" dafür auf, dass die syrischen Streitkräfte Khan Scheikhun am 4. April gegen 06.45 Uhr mit einer Sarin-Bombe angegriffen haben. Eine Reaktion Russlands und Syriens steht bisher aus.

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