Syrien Trump gibt Obamas "Schwäche" Schuld an Giftgasangriff in Syrien

Ein von den syrischen Weißhelmen zur Verfügung gestelltes Foto zeigt einen Freiwilligen, der ein Opfer eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Chan Scheichun versorgt.

(Foto: dpa)
  • Die erneute Giftgasattacke in Syrien ist laut Präsident Trump eine Folge der "Schwäche und Unentschlossenheit" seines Vorgängers.
  • Das russische Verteidigungsministerium erklärt am frühen Mittwoch, die syrische Luftwaffe habe eine Giftgas-Fabrik der Rebellen bombardiert.
  • Die USA, Großbritannien und Frankreich haben den Angriff am Dienstag in einem Entwurf für eine UN-Resolution verurteilt und eine Untersuchung gefordert.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat seinen Vorgänger Barack Obama indirekt für den Giftgasangriff in Syrien verantwortlich gemacht. Die Attacke sei eine Folge der "Schwäche und Unentschlossenheit" von Obama, wird Trump in einer Mitteilung zitiert.

Er spielte damit auf Obamas Entscheidung an, nach einem Giftgasangriff 2013 nicht militärisch einzugreifen - obwohl er ein Jahr zuvor die syrische Regierung gewarnt hatte, mit einem Einsatz chemischer Waffen würde Syriens Präsident Baschar al-Assad eine "rote Linie" überschreiten.

Bei dem Giftgaseinsatz im Sommer 2013 waren in einem Vorort von Damaskus mindestens 1400 Menschen qualvoll ums Leben gekommen. Obama hatte damals nichts unternommen und sich stattdessen auf einen Kompromiss mit dem russischen Präsidenten Putin eingelassen: Die syrischen Giftgasbestände wurden außer Landes gebracht und vernichtet. Allerdings setzte die syrische Regierung Berichten zufolge auch später wieder Chemiewaffen ein.

Trump sagte, mit der Giftgasattacke am Dienstag habe das "Assad-Regime" wieder ein "abscheuliches Verbrechen" begangen. Berichten zufolge sind dabei 58 Menschen getötet und 160 verletzt worden.

Allerdings hatte Trump Obama 2013 mehrmals per Twitter aufgefordert, nicht in Syrien einzugreifen. "Nochmals, an unseren sehr törichten Anführer, greife Syrien nicht an - wenn du es tust, werden viele sehr schlimme Dinge passieren. Bei diesem Konflikt können die USA nichts gewinnen!", schrieb Trump damals.

Russland: Syrische Luftwaffe hat Giftgas-Fabrik bombardiert

Das russische Verteidigungsministerium lieferte am frühen Mittwochmorgen eine erste Erklärung dazu ab, was sich am Dienstag zugetragen haben könnte: Die syrische Luftwaffe habe in der von Rebellen gehaltenen Stadt Chan Scheichun (Khan Shaykhun) ein Giftgas-Lager bombardiert. Dabei sei das Nervengas ausgetreten. Das gehe aus Aufnahmen der russischen Luftraumbeobachtungssysteme hervor.

Die in der Fabrik hergestellten Chemiewaffen seien von den Rebellen im Irak eingesetzt worden, teilte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums mit. Außerdem hätten die Rebellen den gleichen Typ chemischer Waffen bereits vorher in Aleppo genutzt, sagte er.

US-Außenminister Rex Tillerson gab derweil auch Assads Verbündeten Russland und Iran eine Mitschuld an dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz. Er rief beide Länder dazu auf, ihren Einfluss auf Assad geltend zu machen, um künftige Giftgasangriffe zu verhindern. "Als selbst ernannte Garantiemächte der in Astana ausgehandelten Waffenruhe tragen Russland und Iran auch eine große moralische Verantwortung für diese Toten", sagte Tillerson.

Krieg in Syrien Opposition wirft Assad Giftgasangriff vor

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Opposition wirft Assad Giftgasangriff vor

58 Menschen sterben bei einem Luftangriff in Syrien. Die Opfer zeigen Symptome, die Nervenkampfstoffe wie Sarin auslösen: verengte Pupillen, Schaum vor dem Mund, Erbrechen.   Von Paul-Anton Krüger

Nach Angaben syrischer Aktivisten wurden bei dem Vorfall am Dienstag mindestens 72 Menschen getötet und 160 verletzt. Die Verletzten zeigten nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und von Ärzten vor Ort typische Symptome von Giftgas-Opfern wie Atemnot, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit und Schaum vor dem Mund.

Großbritannien, Frankreich und USA legen UN-Resolutionsentwurf vor

Noch am Dienstag haben Großbritannien, Frankreich und die USA dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf zu dem mutmaßlichen Angriff vorgelegt. Dieser verurteilt den Angriff und fordert eine baldige Untersuchung des Vorfalls durch die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW).

UN-Generalsekretär António Guterres hatte kurz zuvor erklären lassen, die Vereinten Nationen könnten die Berichte über den mutmaßlichen Giftgaseinsatz derzeit nicht unabhängig verifizieren. Auch UN-Sprecher Stephane Dujarric sagte, der Angriff müsse von der OPCW aufgeklärt werden.

Die OPCW hat bereits erklärt, sie sammele Informationen, ob chemische Kampfstoffe bei dem Angriff in Idlib eingesetzt worden seien. Am Mittwoch kommt der Weltsicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung über den Angriff zusammen.