Kampf gegen den Terror 30 000 IS-Kämpfer lassen sich nicht totstreicheln

Start eines mit Raketen und Bomben bestückten französischen Kampfjets zu einem Einsatz gegen den IS

(Foto: dpa)

Nur mit Krieg und Luftangriffen ist der "Islamische Staat" im Nahen Osten nicht zu besiegen. Aber auch nicht ohne.

Kommentar von Tomas Avenarius

Jene, die am lautesten über den Krieg und seine vermeintliche Notwendigkeit reden, haben zumeist am wenigsten vom Krieg gesehen. Schön ist er jedenfalls nicht. Das ändert nichts daran, dass militärische Gewalt manchmal das einzige Mittel ist, Sicherheit zu schaffen. Dafür - und nur dafür - unterhält ein postmoderner Staat eine Armee. Nach dem 11. September 2001 war der Angriff auf Osama bin Laden und seine Al-Qaida-Truppe zwingend. Dass in Afghanistan dann nach dem Etappensieg vieles falsch gemacht wurde, ändert daran nichts.

Dasselbe gilt für den Kampf gegen den "Islamischen Staat". Die Spur führt von Paris direkt in das "Kalifat" - warum sonst hätten die Attentäter vor dem Blutbad mit ihren Führungsoffizieren in Syrien oder dem Irak telefoniert? Also muss der IS im Nahen Osten militärisch bekämpft und, wenn möglich, zerstört werden. Wobei ein Zusatz erforderlich ist: Der IS muss auch militärisch bekämpft werden. Aber eben nicht nur.

Integration und Aufklärung reichen nicht

In Europa bedarf es eines weitaus stärkeren polizeilich-geheimdienstlichen Einsatzes, als es sich unsere Wohlfühlgesellschaften eingestehen wollen. Die Tentakeln des Kalifats reichen nicht nur in die Migrantenviertel Frankreichs und Belgiens, sondern auch nach Deutschland; ein Attentat hier ist vielleicht nur eine Frage der Zeit. Integration und Aufklärung der Migrantenjugend reichen zur Abwehr ebenso wenig aus wie Resozialisierungsangebote für Dschihad-Rückkehrer.

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Mit der politischen und polizeilichen Abwehr der Islamisten in Europa ist es jedoch nicht getan. Der IS kontrolliert im Nahen Osten ein Gebiet von der Größe Großbritanniens. Er hat aus den Arsenalen der irakischen Armee Panzer, Geschütze und Raketenwerfer geplündert, verfügt über mindestens 30 000 Kämpfer. Die lassen sich nicht totstreicheln, leider. Das Militärische ist ein Handwerk; man sollte es denen überlassen, die es gelernt haben. Worum es aber geht, ist die politische und gesellschaftliche Rückendeckung für den Teil des Kampfes gegen den IS, den nur Soldaten führen können.