Die FDP von Guido Westerwelle hat die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels durchgeboxt - und ihre größte Einzelspende vom Groß-Hotelier Finck erhalten. Dem Baron und Schlossbewohner gehören auch viele Immobilien. Ein Grund mehr, Liberale und CSU Geld zukommen zu lassen.
Es gab etwas zu feiern am 9. November 2009. 20 Jahre Mauerfall, sicher, das auch. Aber der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte an dem Abend nicht in historischer Andacht in die Parlamentarische Gesellschaft gegenüber dem Westportal des Reichstagsgebäudes geladen.
Hotels wie die Hamburger Mövenpick-Filiale profitieren von dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz, den die FDP durchgesetzt hat. Dass die Spende des Milliardärs August Baron von Finck (links) damit zu tun hat, bestreitet Parteichef Guido Westerwelle (rechts) vehement. (© Fotos: dpa)
Anzeige
Der gewichtigere Anlass: Das frisch ins Amt vereidigte Bundeskabinett hat den Weg frei gemacht für eine milliardenschwere Steuerentlastung des Hotelgewerbes. Die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen sollte zum 1. Januar von 19 Prozent auf sieben Prozent sinken. Kosten für den Staat: 1,1 Milliarden Euro.
Die Entscheidung war dem ein oder anderen Unternehmen wohl mehr als nur ein Gläschen Sekt wert. Bei der FDP trudelten im Laufe des Jahres 2009 zusammen 1,1 Millionen Euro ein - als Parteispenden einer gewissen Substantia AG aus Düsseldorf. Die letzte Tranche in Höhe von 300.000 Euro ging am 13. Oktober ein.
Die anderen Zahlungen sind vor der Bundestagswahl veranlasst worden. Aus dem Jahr 2008 etwa stammt eine Einzelspende in Höhe von 250.000 Euro von einer VM Holding GmbH, die später in Substantia AG umbenannt wurde.
Eigentümer der Substantia AG ist - über seine Vermögensverwaltung Vercura - niemand anderes als der Milliardär August Baron von Finck ,79. Der in München geborene wollte eigentlich Landwirt werden, trat dann aber in die Bank Merck Finck & Co. ein, die er 1990 verkaufte. Seine Millionen legte der Milliardär, der in einem Schloss in Weinfelden im Thurgau lebt, bevorzugt in Schweizer Firmen an. Seine Familie ist Haupteigentümer der Mövenpick-Hotelgruppe mit 15 Hotels in Deutschland - die Oktober-Überweisung wirkt da wie ein Erfolgshonorar an die FDP.
Kein Wunder, dass erste Berichte über die Spende Empörung auslösten. Für SPD-Parteichef Sigmar Gabriel ist klar, die Koalition habe sich jetzt mit dem Problem zu befassen, "dass ein Teil der Regierung offensichtlich käuflich ist". Die von FDP und CSU angezettelte Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen habe es aus seiner Sicht nur deshalb gegeben, "weil es nämlich vorher Riesenspenden gegeben hat, in Millionenhöhe", sagte Gabriel in der ARD.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sekundierte, die FDP wolle sich "den Staat zur Beute" machen. "Wir erwarten ein klärendes Wort des Parteivorsitzenden Westerwelle, ob es zu seinem Politikverständnis gehört, den Staat für reine Klientelpolitk auszuplündern."
Während FDP-Chef Guido Westerwelle nur wissen ließ, die Vorwürfe seien "absurd", kam der Versuch einer Klärung vom neuen FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Der bestätigte: "Ja, es gibt diese Spende." Aber das sei "kein Skandal". Die FDP habe vielmehr nach den Bestimmungen des Parteiengesetzes selbst diese Spende angezeigt.
Im Video: Die SPD wirft der FDP wegen der Millionenspende eine Hotelkette Käuflichkeit vor - Weserwelle weist das entschieden zurück.
Weitere Videos finden Sie hier
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Millionenspende an die FDP Westerwelle kanzelt Kritiker ab 18.01.2010
- Millionenspende an Liberale "Die FDP macht sich Staat zur Beute" 17.01.2010
- Koalitionstreffen Kompromisssuche im Kanzleramt 17.01.2010
- Politik kompakt Längere Atomlaufzeiten - am Bundesrat vorbei 15.05.2010
- FDP in Nordrhein-Westfalen Pinkwart lehnt Ampel-Koalition endgültig ab 14.05.2010
- Politik kompakt Lafontaine verteidigt Schäuble 14.05.2010
- FDP Leise Revolte der Sozialliberalen 13.05.2010
Gladbach lässt Schalke keine Chance
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Ich würde allen Lesern und auch dem Autor empfehlen, einmal kurz zu recherchieren, wie hoch zum Beispiel die Parteispenden an die Grünen im Jahr 2007 waren (von Unternehmen aus dem Bereich regenerative Energien) und welchen Antrag die Grünen am 22.04.2009 im bayerischen Landtag gestellt haben (Senkung des Mehrwertsteuersatzes für das Hotel- und Gaststättengewerbe). Das ist alles nicht besonders schwer zu finden und könnte dazu beitragen, die aktuelle Debatte etwas distanzierter zu sehen.
Herr Denkler, ich bleibe bei meinem schon öfter geäußerten Vorwurf: Früher leistete die SZ einen Beitrag zur Meinungsbildung, heute leistet sie sich Meinungsmache. Journalismus auf Stammtischniveau. Wenn man nicht wüsste, dass das nicht sein kann, könnte man fast glauben, dass bestimmte Fakten absichtlich nicht erwähnt werden ;-)
Um es mal, angelehnt an den Mördervergleich von Soldaten, mit spitzen Worten zu formulieren: "Politiker sind potentielle Schmiergeldempfänger". Wenn man, als politisch interessierter und politisch aktiver Bürger (nicht Parteilich organisiert), die Politik der letzten knapp 30 Jahre verfolgt hat, ergibt sich diese Erkenntnis fast zwangsläufig. Warum werden seit drei Jahrzehnten fast immer nur Forderungen von finanzstarken Interessenvertretungen oder Einzelpersonen von "unseren" Volksverdummern (Entschuldigung, ich meinte natürlich Volksvertretern) bei Gesetzesänderungen berücksichtigt? Warum wird keine Politik für "kleine Leute" gemacht? Ganz einfach: Ich, als alleinverdienender dreifacher Familienvater mit ca. 2000.- brutto, habe die letzten Jahrzehnte keinen Pfennig an Parteien gespendet. Für mildtätige Zwecke dagegen sind es im Schnitt 300.- /Jahr gewesen. In meinem Bekanntenkreis ist es ähnlich. Das ist der Grund! Ich habe bisher für diese potentiellen Diebe, Räuber, Betrüger und Schmiergeldempfänger keine müde Mark übrig gehabt, da ich davon ausging, dass solche mikrigen Beträge überhaupt nichts bewirken.
Mein Aufruf: Alle, denen es ähnlich geht, schließen sich mit mir zusammen. Wir sammeln und "spenden" gemeinsam dann eine 7-stellige Summe (die muss schon zusammen kommen, sonst nutzt`s nichts) und kaufen uns eine Partei, die an der Regierung ist. Dann wird auch Politik für uns gemacht!
Sorry, Sie haben sich selbst mit Ihrer Antwort desavouiert! Und das in vielerlei Hinsicht. Wenn Sie fröhlich SPD und SED durcheinander wirbeln, sind ihre Bemerkungen nicht mehr ernst zu nehmen! Noch einmal, in meinen Statements habe ich die Großspenden an ALLE PARTEIEN kritisiert!!!!
Spenden erleichtern der FDP die Arbeit. Sie signalisieren, wo
bei bestimmten Interessengruppen der Schuh drückt.
Recherchen werden überflüssig. Kapazitäten werden für andere
Probleme freigesetzt. Oder ?
Wer nennt denn so etwas Käuflichkeit ?
Spenden sind bei der FDP Entscheidungshilfen und mehr nicht.
denn "A Gschmeckle bleibt alleweil"
Paging