Bundeswehr Von der Leyen: Sexuelle Orientierung "wie Schuhgröße" zur Kenntnis nehmen

Ursula von der Leyen bei der Eröffnung des Workshops zur sexuellen Orentierung und Identität bei der Bundeswehr.

(Foto: dpa)
  • Bundesverteidigungsministerin von der Leyen hat einen Workshop der Bundeswehr zur sexuellen Orientierung eröffnet.
  • Sie betonte, wie wichtig es ist, dass Soldaten sich in der Truppe unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung respektiert fühlen.
  • Die Veranstaltung steht im Schatten des Bundeswehrskandals von Pfullendorf, bei dem es zu sexueller Nötigung gekommen sein soll.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen fordert von ihrer Truppe mehr Toleranz und Respekt gegenüber Schwulen, Lesben und Transsexuellen. Das sagte die CDU-Politikerin in Berlin bei der Eröffnung eines Workshops zu sexueller Vielfalt in der Bundeswehr. Es war einer der ersten öffentlichen Auftritte der Ministerin nach Bekanntwerden der Übergriffe gegen Rekruten in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf. Gerade der Skandal um Misshandlungen in der Ausbildungskaserne in Baden-Württemberg hat der Ministerin zufolge gezeigt, "dass wie wir miteinander in der Bundeswehr umgehen, kein Randthema ist".

Der Auftritt der Ministerin bei dem Workshop war bereits seit längerem geplant und hatte im Vorfeld für eine Menge Kritik gesorgt. So hatte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, von der Leyen vorgeworfen, falsche Prioritäten zu setzen. "Die Ministerin hält wichtige Themen von ihrem Schreibtisch fern, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Rüstungsprojekte sich in ihrer Amtszeit weiter verlangsamt haben", sagte Arnold in der Stuttgarter Zeitung. Florian Hahn, Verteidigungsexperte der CSU, äußerte in der Bild Zweifel daran, dass die Themen der Konferenz den Soldaten auf der Seele brennen würden. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hatte sogar den Sinn des Workshops gänzlich in Frage gestellt. "Mir ist nicht bekannt, dass Homosexuelle in den Streitkräften diskriminiert werden", sagte er der Passauer Neuen Presse.

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Von der Leyen sieht das anders. "Sexuelle Orientierung und Identität spielt für mehrere Tausend Angehörige der Bundeswehr eine zentrale Rolle in ihrem Leben", sagte die Ministerin. "Für diese Frauen und Männer ist es ein zentrales Anliegen, als Menschen, so wie sie sind, angenommen und respektiert zu werden." Das aber ist von der Leyen zufolge noch nicht gewährleistet. Dabei seien es gerade die unterschiedlichen Charaktere und Talente, die die Bundeswehr stark machen würden. "Ob sie nun schwul, lesbisch, transsexuell oder heterosexuell sind - sie sind uns mit ihrem Können willkommen", sagte von der Leyen.

Auch im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Pfullendorf forderte die Ministerin mehr Offenheit von ihrer Truppe. In der Elite-Ausbildungskaserne gehen Bundeswehr und Justiz derzeit Hinweisen auf Exzesse und schwerwiegendes Fehlverhalten wie sexueller Nötigung nach. Sieben Soldaten wurden vom Dienst suspendiert und sollen fristlos entlassen werden. Der Vorfälle seien "bestürzende Zeichen für einen Mangel an Führung, Haltung und Kultur", sagte von der Leyen. Die Prinzipien der Bundeswehr würden offenbar nicht immer gelebt. "Es beginnt bei schäbigen Witzen, geht über herabwürdigende Bemerkungen bis hin zu widerwärtigem Verhalten", sagte von der Leyen. Sie ermunterte die Führungskräfte, hinzuschauen und solche Themen offen anzusprechen.

Zu der Konferenz in Berlin sind 200 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Militär sowie Angehörige sexueller Minderheiten eingeladen. Sie wollen sich über die Chancengerechtigkeit etwa von homo- und bisexuellen Soldaten austauschen. Ziel soll von der Leyen zufolge sein, Veranstaltungen wie diese in Zukunft überflüssig zu machen. Die sexuelle Orientierung sollte nur noch zur Kenntnis genommen werden "wie die Augenfarbe, wie die Schuhgröße".

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