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Staufer-Kaserne:Schwere Übergriffe bei Bundeswehrausbildung in Pfullendorf

Bundeswehr

Soldaten in der Ausbildung: In einer Kaserne in Baden-Württemberg soll es zu Misshandlungen gekommen sein. (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • In einem Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Baden-Württemberg ist es offenbar zu Misshandlungen gekommen.
  • Eine Soldatin berichtete von einem frauenfeindlichen Klima in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf.
  • Später hatte sich auch eine Ausbilderin über unangemessene Rituale in der Sanitätsausbildung beschwert.

Von Christoph Hickmann, Berlin

In einem Ausbildungszentrum der Bundeswehr ist es zu offenbar teilweise sexuell motivierten Übergriffen sowie Misshandlungen gekommen. Das Verteidigungsministerium informierte den Bundestag am Freitagnachmittag, im Ausbildungszentrum "Spezielle Operationen" in Pfullendorf seien Teile der Ausbildung zum "Combat First Responder", einer Art militärischem Rettungssanitäter, hinsichtlich "der Würde des Menschen, der sexuellen Selbstbestimmung und des Schamgefühls unangemessen" gewesen. Zudem habe es Hinweise auf Mobbing gegeben. Außerdem sei es zu Misshandlungen bei "Aufnahmeritualen" gekommen.

Die Vorfälle, über die zunächst Spiegel Online berichtete, gliedern sich in drei Komplexe. So wandte sich bereits im Sommer 2014 eine Soldatin an das Verteidigungsministerium und berichtete von einem frauenfeindlichen Klima in Pfullendorf, Baden-Württemberg. Daraufhin gingen Ermittler des Heeres den Angaben nach, konnten sie jedoch laut Ministeriumskreisen nicht erhärten.

Ausbilderin beschwerte sich über Praktiken

Im Herbst 2016 wandte sich dann ein weiblicher Leutnant sowohl an den Wehrbeauftragten als auch an das Ministerium. Die Frau war als Ausbilderin nach Pfullendorf gekommen, wo ihr nach Angaben aus Militärkreisen erklärt wurde, dass es hier zur Sanitätsausbildung gehöre, sich vor der Gruppe auszuziehen und Handlungen an sich vornehmen zu lassen, die als Untersuchung deklariert wurden.

So kam es etwa zu Tamponierungen im Afterbereich, wovon auch Fotos gemacht wurden. Der Soldatin wurde laut Militärkreisen mit Nachteilen gedroht falls sie dabei nicht mitmache. Die Frau nahm die Praktiken allerdings nicht als üblichen Ausbildungsinhalt hin, sondern beschwerte sich zunächst intern, bevor sie sich an den Wehrbeauftragten und das Ministerium wandte. Ihre Angaben konnte sie konkret und detailliert belegen, woraufhin um die Jahreswende Ermittlungen angestellt wurden. Im Zuge dieser Ermittlungen trat der dritte Komplex an Übergriffen zutage.

Demnach haben mehrere Mannschaftssoldaten in Pfullendorf neue Kameraden mit Ritualen traktiert, die unter anderem daraus bestanden, die Betroffenen mit einem Beutel über dem Kopf an einen Stuhl zu fesseln und mit Wasser zu bespritzen. Darüber hinaus sollen die Soldaten gefesselte Kameraden auf den Boden gelegt haben, um dann Matratzen auf sie zu legen und über die Matratzen zu laufen. Daraufhin wurden zwölf Soldaten überprüft und sieben als Täter identifiziert - auch von diesen Misshandlungen soll es Fotos geben.

Die fristlose Entlassung der Soldaten wurde beantragt, sie dürfen keine Uniform mehr tragen. Vor wenigen Tagen hat die Staatsanwaltschaft Hechingen die weiteren Ermittlungen übernommen, laut Ministerium wegen des "Verdachts der Freiheitsberaubung, gefährlichen Körperverletzung, Gewaltdarstellung und Nötigung". Der Kommandeur des Standorts und weitere Offiziere sowie Unteroffiziere wurden versetzt.

© SZ vom 28.01.2017

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