Der Oppositionskandidat für das Schloss Bellevue, Joachim Gauck, gibt sich bei seiner Vorstellung als mahnender Realist. Er hat Chancen auf Stimmen aus dem Regierungslager.
Der Bundespräsidenten-Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, hat bei seiner Vorstellung eine starke Entfernung zwischen Regierung und Bürgern in Deutschland beklagt. "Wir müssen diese bittere, wirklich schwerwiegende Distanz zwischen den Regierenden und Regierten stärker in den Blick nehmen. Wir müssen sie überwinden", sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler am Freitag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Nominierung in Berlin.
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Den Kandidat der Opposition für das Amt des Bundespräsidenten: Der DDR-Bürgerrechtler und frühere Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde Joachim Gauck (Mitte). (© dpa)
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Gauck wurde von SPD und Grünen gemeinsam als Kandidat präsentiert. Angesichts weltweiter Krisen sprach sich Gauck auch gegen eine "westeuropäische Sorgenmentalität" aus. "Wir müssen uns gegenseitig nicht entmutigen, sondern stärker ermutigen." Die friedliche Revolution in der DDR sei die prägende Zeit seines Lebens gewesen. Seither wisse er, dass Angst nicht der Kompass im Privaten oder Politischen sein könne.
"Ich bin Realist, ich kann zählen"
Die starke Persönlichkeit Gaucks und dessen Erfahrungsschatz hob SPD-Chef Sigmar Gabriel hervor: "Joachim Gauck bringt ein Leben mit in seine Kandidatur und in sein Amt", sagte er bei der Vorstellung Gaucks mit den weiteren Spitzen von SPD und Grünen in Berlin. Der Koalitionskandidat Christian Wulff (CDU) bringe nur "eine politische Laufbahn mit". Deshalb rechnet die Opposition auch mit Stimmen aus dem Koalitionslager für ihren Präsidentenkandidaten.
"Ich bin mir sicher, dass er nicht nur öffentliche Unterstützung erfährt, sondern dass das auch dem einen oder anderen in der Bundesversammlung zu denken gibt, ob man hier wirklich nach kleinkarierter parteipolitischer Ordnung entscheiden darf", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir hält es für möglich, dass sich einige in der Union - vor allem Mitglieder aus Ostdeutschland - für Gauck entscheiden könnten. Gauck wollte sich nicht an Spekulationen beteiligen: "Ich bin Realist, ich kann auch zählen."
Schwarz-Gelb hat in der Bundesversammlung am 30. Juni eine klare Mehrheit. Die Opposition kritisierte, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht auf den Vorschlag von Gauck als Nachfolger von Horst Köhler eingegangen ist. "Das Amt des Bundespräsidenten sollte von innerparteilichen Machtkämpfen befreit werden", sagte Gabriel. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte: "In schwierigen Zeiten führt der Weg nicht da lang, wo die Angst ist." Steinmeier sprach von dem DDR-Bürgerrechtler Gauck als einem "großen Ermutiger der Demokratie".
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(dpa/mob/gba)
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Gott ist tod! - Gauck ante portas! - Sagen Sie mal, liebe Mitglieder der SZ(on)-Redaktion, wollen Sie ihre Leser für *piep* verkaufen? - Gauck ist nach meiner Inaugenscheinnahme noch immer ein menschliches Wesen, er hat aber anscheinend keinerlei Schwächen. Gar keine? Ein Wunder also? - Nein, keineswegs, sondern Recherchefaulheit, trunkener Hype, journalistische Eitelkeit (weil man meint endlich auch selbst einmal ins politische Räderwerk eingreifen zu können, nämlich per wohlkalkulierter Kampagne) und der fanatische Versuch der Merkelregierung politisch und publizistisch an den Karren zu fahren, und zwar um jeden Preis.
Setzen Sie sich bitte an den Schreibtisch und tragen sie fairerweise auch einmal zusammen was _gegen_ eine Präsidentschaft Gaucks spricht. Mir fiel da schon der eine oder andere Punkt ein.
Es im Grunde genommen mehr als schade fast schon tragisch, dass Gauck mit wenig Aussicht auf Erfolg bei der Bundespräsidentenwahl gewählt zu werden. Ich halte die Person über alle Massen integer und fähig, Gegensätze auszugleichen und zu versöhnen. Wenn auch der Anspruch Distanz zwischen Politik und Bürgern zu überwinden mehr als anspruchsvoll ist. Trotzdem traue ich ihm das zu. Vor allem, weil er auch in den anderen Parteien sehr angesehen ist. Damit soll nicht gesagt werden, dass Wulff als Bundespräsident eine schlechte Wahl sein könnte. Möglicherweise bekommt Gauck die Überwindung des Mißtrauens zwischen Bürgern und Politikern besser in den Griff. Immerhin brauchen wir eine Persönlichkeit, die zuweilen auch offen die Schieflagen in unserer Demokratie anspricht! Dazu scheint mir ein Satz von Horst Seehofer sehr gut zu passen, Zitat:" Diejenigen, die die Macht haben, sind nicht gewählt; diejenigen die gewählt sind haben keine Macht"! Auch daran muss sich der zukünftige Bundespräsident abarbeiten!
Ein Kirchenmann als Bundespräsident?
Davor bewahre uns Gott und die Alliierten!
Bemerkenswert, wen SPD und Grüne da aufgestellt haben. Gauck ist für die LINKE nicht wählbar, gleichzeitig kann die LINKE keinen Gegenkandidaten zu Gauck aufstellen, das wäre politisch-moralischer Selbstmord. Und: Gauck ist auch für Konservative wählbar, die die "Wende" von 1989 für eine Freiheitsrevolution erachten und die in Gauck den Vertreter eines mutigen Bürgertums gegen "die Kommunisten" sehen.
Ein klasse Zug! Gauck wäre auch meine Wahl - nicht, weil er Ossi ist, sondern weil er Beides ist: Ex- Politiker und Bürgerbewegter, nicht glattgespült wie Wulff. Das Bundespräsidentenamt ist in dieser Zeit kein Versorgungsamt, sondedern muß mit einer starken Persönlichkeit besetzt werden. Gauck ist so eine Persönlichkeit, Wulff ist es nicht.
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