Afghanistan Nahid Ehsani erhält Morddrohungen

Seit Laleh Osmany und ihre Mitstreiterinnen ihre Kampagne gestartet haben, häufen sich Twitter-Mitteilungen von afghanischen Unterstützern, zumeist handelt es sich um Frauen. Und es gibt sogar prominenten Beistand: Der populäre afghanische Musiker Farhad Darya setzte unter dem Hashtag der Kampagne einen langen Facebookpost ab. Er versucht stets, die Namen seiner Frau und seiner Mutter in der Öffentlichkeit zu nennen. Wenn er bei einem Konzert die Namen seiner Mutter oder seiner Frau erwähne, dann könne er sehen, wie "Männer die Stirn runzeln." Sie schauten ihn an, "als wüsste er nichts von 'afghanischer Ehre und Tradition'".

Viele afghanische Männer führen religiöse Gründe an, wenn sie gefragt werden, warum weibliche Namen nicht genannt werden sollen, sagt Nahid Ehsani. "Dabei gibt es im Koran keine Stelle, die besagen würde, dass man Frauen nicht mit ihrem Namen ansprechen soll." Viele Imame würden auf der Tradition beharren. "In Afghanistan steht der Tod über der Geburt, die Beerdigung ist besonders wichtig für Afghanen", erklärt Ehsani. Trotzdem stehe auf den Grabsteinen immer nur "Mutter von" oder "Tochter von". Sie habe selbst erlebt, wie Imame es verhinderten, dass der Name der Verstorbenen auf dem Grabstein erscheint.

Dementsprechend ist auch das Engagement von Nahid Ehsani in manchen afghanischen Kreisen nicht gern gesehen. Sie erhält zahlreiche Hasskommentare auf Facebook, vorwiegend von Männern, manchmal aber auch von Frauen. "Die Männer beschimpfen mich meist als Schlampe," erzählt Ehsani. "Die Frauen sagen, ich würde die afghanische Kultur nicht ehren." Besonders trifft Ehsani jedoch, dass die afghanische Community in Deutschland ihr wenig Rückhalt gibt. Von vielen Männern, die mittlerweile in Deutschland leben, erhalte sie Morddrohungen. Für die Aktivistinnen, die in Afghanistan leben, sei die Gefahr noch ungleich größer.

"Einen Namen zu haben, ist das zivile Recht eines jeden Menschen", schreibt Somaia Ramish. "Die Namen der Frauen wurden in der Geschichte systematisch eliminiert." Die Kampagne "Where is my name" soll noch bis Ende September in den sozialen Netzwerken laufen. Danach wollen die Aktivistinnen sich dem nächsten Thema widmen. "Einige Imame haben uns versprochen, dass sie unsere Kampagne unterstützen", erzählt Ehsani stolz. "Sie rufen dazu auf, Frauennamen zu benutzen." Und Ehsani kämpft weiter. Dafür, dass es irgendwann auch in Afghanistan normal ist, dass Frauen einen eigenen Namen haben. Einen Namen, der nur ihnen gehört.

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