MVV Sondersitzung zur S-7-Verlängerung

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Die Stadträte von Wolfratshausen, Geretsried sowie der Kreistag beraten neue Pläne in der Loisachhalle. An der Strecke wird es Enteignungen geben.

Von Felicitas Amler und Konstantin Kaip

Die S-Bahn ist pünktlich - zumindest nach dem neuen Fahrplan zur Verlängerung nach Geretsried: Die für den Sommer angekündigte gemeinsame Sondersitzung der Stadträte von Wolfratshausen und Geretsried sowie des Kreistags ist für Mittwoch, 26. Juli, terminiert. Die Bahn legt dann in der Loisachhalle die überarbeitete Planung mit dem 2015 beschlossenen Tunnel statt einer Schranke in Wolfratshausen vor. Die Veranstaltung ist öffentlich. Bürger können allerdings lediglich zuhören; für sie sind eigene Veranstaltungen geplant. Die Bahn gibt dazu derzeit keine detaillierte Auskunft. Es sei alles noch "in der Abstimmung", erklärte ein Sprecher. Auch zum weiteren Zeitplan und zur Kostenentwicklung ist derzeit nichts zu erfahren.

Am Montagabend sprach Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) beim Stammtisch der Freien Wähler Geretsried die geplante Sondersitzung an. Er sagte, die Bahn plane Info-Pavillons an mehreren Stellen der neuen S-7-Strecke. Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber und er selbst hätten sich dafür eingesetzt, verschiedene Anhörungstermine für alte Einwendungen aus der Zeit der Schranken-Planung und neue zu veranstalten; dies sei aber nicht vorgesehen.

Wolfratshauser S-Bahnhof wird tiefer gelegt

Mit der Verlängerung der S 7 bekommt die Loisachstadt eine unterirdische Station: Planer und Ministerium haben die Bürgermeister erstmals in Details über den Tunnel eingeweiht. Von Konstantin Kaip und Felicitas Amler mehr ...

Der Landrat betonte, es werde ganz sicher zu Enteignungsverfahren kommen, damit die S-Bahn bis Geretsried ausgebaut werden kann. Nicht zuletzt mit Blick auf hier zu erwartende juristische Auseinandersetzungen werde jedes Detail der Streckenplanung "auf Angreifbarkeit geprüft".

Am Streckenverlauf habe sich grundsätzlich nichts geändert, sagte der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU). Auch die drei Bahnhöfe Gelting, Geretsried-Mitte und -Süd, bleiben. Die Stadt steht aber vor Veränderungen rund um die ersehnte S-Bahn. Zum einen muss die Leitenstraße in Gelting wegen der künftigen Anbindung des Gewerbegebiets zweispurig ausgebaut werden. Vermutlich im Sommer 2018 werde damit begonnen.

Müller betont außerdem, es sei klar, dass eine S-Bahn-Station in Gelting einen enormen Wachstumsdruck auf dieses ehemals eigenständige Dorf ausüben werde. Er stehe aber dafür ein, das der dörfliche Charakter gewahrt bleibe: "Wir werden einen Grüngürtel erhalten, damit Gelting nicht geschluckt wird."

Gravierende städtebauliche Veränderungen werden sich dagegen rund um den mittleren Geretsrieder Bahnhof auf Höhe des Rathauses ergeben. Inzwischen steht die Verlegung der Bundesstraße 11 zum Schwaigwaller Hang hin im Bundesverkehrswegeplan. Die B 11, die bisher nur von Wolfratshausen bis zur Ampel an der Blumenstraße vierspurig ist, soll genauso breit bis zum Ende der Böhmwiese ausgebaut werden. Dies berühre wiederum den Masterplan, der die Böhmwiese als neuen Stadtteil skizziert; Architekt Klaus Kehrbaum sei bereits damit beauftragt, ihn anzupassen. Rund ums Rathaus ergeben sich neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung; Müller spricht auch von der Skulpturenmeile, die vom Stadtmuseum an der Graslitzer Straße aus in die Mitte führen soll.

Bei der S 7 bewegt sich was

Im Januar stehen Gespräche mit der Bahn an, im Sommer werden die Einwendungen der Bürger behandelt. Der CSU-Abgeordnete Bachhuber sagt: "Die Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried kommt zwar später als erhofft, aber sie kommt." Von Felicitas Amler mehr ...

Wegen des geplanten südlichen Bahnhofs in der Nähe der Königsdorfer Alm steige die Stadt schon "konkret in die Städtebauplanung ein", sagt Müller Vieles sei dort zu klären: P+R-Platz, An- und Abfahrten, Verkehrskonzept Gewerbegebiet und Wohngebiete. Da der Bahnhof selbst bereits auf Königsdorfer Flur liege, seien interkommunale Gespräche erforderlich. Und da "wir ja mit dem ÖPNV tiefer in den Landkreis hineinstoßen", halte er solche Abstimmungen auch mit der noch weiter südlich liegenden Gemeinde Bad Heilbrunn für angezeigt.

Die Planungen seien "ziemlich konkret", berichtet auch der Wolfratshauser Bürgermeister Heilinglechner. So sei bereits über die Einteilung der Bauabschnitte gesprochen worden und auch über die Sparten für Strom- und Wasserleitungen, die verlegt werden müssen. Die Position des neuen Bahnhofs bleibt wie geplant. Der unterirdische Bahnsteig mit Mittelgleis wird unter der Sauerlacher Straße in einem Tunnel liegen. Dazu werde auch der Fuß- und Radweg nach Geretsried verlegt, sagt Heilinglechner. Der Bahnsteig werde zwei Abgänge erhalten, einen am heutigen Bahnhof, den anderen hinter dem Kebabhaus Pamukkale - "damit die, die von Süden kommen, nicht über die Sauerlacher Straße müssen". In den Gesprächen sei es auch darum gegangen, ob die S-Bahn während der Bauzeit am neuen Bahnsteig in Icking ende oder weiter bis nach Wolfratshausen fahre. "Nach meinem letzten Stand ist davon auszugehen, dass in Wolfratshausen ein Ersatzbahnhof geschaffen werden kann", sagt Heilinglechner. "Die endgültige Antwort werden wir wohl am 26. Juli erhalten." Die Bahn will die endgültigen Pläne im Herbst kommenden Jahres zur Genehmigung vorlegen. Wann die S-Bahn bis Geretsried fährt, bleibt offen - laut Bürgermeister Müller jedenfalls nicht vor 2026.