Weihnachtsmarkt Pink Christmas Glühwein und viel Travestie

Ist ein schwul-lesbischer Weihnachtsmarkt anders? Ja! Auf dem Stephansplatz in München geht der Vorweihnachtspunk ab.

Von Annette Wild

Der heiße Caipirinha wärmt wohlig den Magen und steigt auch langsam zu Kopf. Ist deshalb alles so schön bunt hier? Pinke Weihnachtsbäume, rosarot verhüllte Laternen, grünlich schimmerndes, kahles Geäst? Nein, schließlich sind wir auf dem "Pink Christmas", dem schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr schon zum fünften Mal auf dem kleinen Stephansplatz an der Nordspitze des Alten Südlichen Friedhofs stattfindet.

Pink und schrill zeigt sich der schwul-lesbische Weihnachtsmarkt auf dem Stephansplatz.

(Foto: Foto: Annette Wild)

Der Geruch von Glühwein und Bratwürsteln liegt in der regenfeuchten Luft. Dafür aber Gott sei Dank etwas anderes nicht: das penetrante Weihnachtsgedudel, das auf anderen Märkten pappsüß wie Kinderpunsch aus den Lautsprechern trieft. Nein, hier gibt's ein ganz anderes musikalisches Programm, und das beginnt gerade.

Denn nun besteigt eine Dame mit schlanker Taille, zehn Zentimeter hohen Stilettos und einem weißen Schneeleopardenfell-Mantel die kleine Bühne inmitten der wenigen, weißen Pagodenzelte. Allein für die Schuhe bräuchte sie einen Waffenschein! Mit langen, glitter-verzierten Krallen hält sie das Mikro und beginnt zu singen.

Es ist Ikenna Benéy Amaechi, ein international bekanntes Whitney-Houston-Double - und seit dem deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision 2000 nicht nur der Gay-Community ein Begriff. Grazil ist ihr Körper, umso gewaltiger dafür ihre Soul-Stimme. Nur in den kurzen Ansprachen ans Publikum zwischen den Songs merkt man, dass es sich bei der Künstlerin in Wahrheit um einen Mann handelt.

Mittlerweile ist der kleine Stephansplatz gut gefüllt. Es herrscht ausgelassene Party-Stimmung. Die Besucher begleiten Ikennas Gesang wie ein professioneller Church-Choir. Es wird getanzt, gesungen und geschunkelt. Kaum zu glauben, dass man sich auf einem Weihnachtsmarkt befindet. Ist das etwa Blasphemie? Nein: Harmonie! Und um was sonst sollte es in der Advents- und Weihnachtszeit gehen?

Längst kein kleiner Geheimtipp mehr

Nach einer halben Stunde ist der schöne Spuk vorbei. Nun darf - wie auf jedem anderen Weihnachtsmarkt auch - geshoppt werden. Doch im Vergleich zu den traditionellen Christkindlmärkten gibt es hier etwas ausgefallenere Dinge. Am Stand von Evelyn Bender vom EVEnt Veranstaltungsservice hängt der Himmel zum Beispiel voll rosa Schweinderln, pinken Rentieren und roten Herzerln. Aber der Verkaufsrenner dieses Jahr sind die bunt lackierten Gartenzwerge.