TSV 1860 1860-Investor kündigt neues Löwenstadion mit Tierpark an

Investor Ismaik kündigt den Löwenfans einen Neubau in Riem an.

(Foto: SZ Grafik)
  • Der jordanische Gesellschafter des TSV 1860, Hasan Ismaik, hat den Bau eines eigenen Löwen-Stadions gegenüber den Messehallen in Riem angekündigt.
  • Zuvor hatte Ismaik einen Termin im Münchner Rathaus - bei Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) stößt der Plan auf Wohlwollen.
  • Ob Ismaik neben der Idee auch eine solide Finanzierung vorweisen kann, ist aber noch unklar.
Von Heiner Effern und Markus Schäflein

Hasan Ismaik hat um absolute Vertraulichkeit gebeten. Der jordanische Gesellschafter des TSV 1860 München hatte am Freitagabend zwar 360 Fans der Organisation Arge eingeladen, aber niemanden aus dem Präsidium. Und schon gar keine Medienvertreter. Das Treffen in einem Landgasthof in Rudelzhausen (Kreis Freising) sollte die aufgebrachten Fans beruhigen, die ihre Mannschaft gerade Richtung dritte Liga taumeln sehen. Um größere Proteste gegen sich zu verhindern, musste Ismaik schon eine besondere Neuigkeit präsentieren. Doch was er dann verkündete, sprengte auch die kühnsten Erwartungen.

Ismaik erklärte am Freitagabend, er wolle gegenüber den Messehallen in Riem ein neues Löwenstadion bauen mit "mindestens 52 000" Plätzen. Erstauntes Raunen im Saal. Mit Oberbürgermeister Dieter Reiter habe er sich darauf geeinigt, dass der TSV übergangsweise "für zwei bis drei Jahre" im Grünwalder Stadion spielen solle, "mit der Voraussetzung, dass wir die Genehmigung bekommen für ein neues Stadion". Der Neubau sei nicht abhängig von der Spielklasse, solle ein "architektonisches Highlight" werden, den "Namen von 1860 tragen" und "blaue Sitzschalen" haben.

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Doch damit nicht genug: "Ich besitze eine Löwenfarm in Kenia", fuhr Ismaik fort. Er habe OB Reiter vorgeschlagen, neben dem neuen Stadion einen Löwenpark zu errichten. "Es werden alle Löwenrassen der Welt dort zu sehen sein", so Ismaik. "Und jedes Tier wird den Namen eines Spielers tragen, der bedeutend war für 1860." Der Oberbürgermeister habe seine Idee "sehr schön" gefunden. Die Finanzierung des überaus ambitionierten Projekts "steht fest, steht fest, steht fest".

Woher das Geld kommen soll, sagte Ismaik allerdings nicht. Vor dem Fantreffen in Rudelzhausen hatte Ismaik einen Termin im Münchner Rathaus, bei dem auch 1860-Präsident Peter Cassalette dabei war. Die beiden überbrachten eine klare Botschaft: Ungeachtet aller sportlichen Probleme wollen die Löwen ein neues Stadion bauen. Bei OB Reiter stößt die Idee prinzipiell zwar auf Wohlwollen. "Ich will diese Planung gerne unterstützen - wohlgemerkt planerisch, nicht finanziell", erklärte Reiter vor dem Treffen in Rudelzhausen.

Allerdings waren Ismaik und Cassalette noch nicht mit ausgearbeiteten Vorstellungen ins Rathaus gekommen. "Ich warte jetzt auf eine förmliche Anfrage der Verantwortlichen des TSV 1860, die die Grundzüge der Planung, wie Grundfläche, Zuschauerzahlen etcetera skizziert", fügte Reiter hinzu. Sollten diese vorliegen, kommen die städtischen Planer zum Zug. "Ich werde die Verwaltung bitten, dies zu prüfen und Stellung zu nehmen, um sich dann gegebenenfalls mit den notwendigen Entscheidungen zu befassen."

Warum nur Riem als Standort infrage kommt

Schon beim letzten Treffen von Reiter und Ismaik im November war es um den Auszug der Löwen aus der Fröttmaninger Arena gegangen. Aus Sicht der Stadt war nur ein Standort realistisch: der Münchner Osten mit dem direkten Autobahnanschluss. Nur dort könnte ein Investor eine Kapazität von 30 000 Zuschauern realisieren, die er für ein wirtschaftlich rentables Stadion braucht. "Vom Planungsrecht her bekommen wir das hin", hatte Reiter im November gesagt. Allerdings müssten die Verantwortlichen des TSV 1860 dafür auch eine schlüssige Finanzierung vorlegen. Die hatte Ismaik damals nicht dabei. Doch er habe "ein starkes wirtschaftliches Interesse, endlich voranzukommen", sagte Reiter. Ismaik weiß sehr wohl, dass die Arena die Sechzger lähmt: viel zu groß, viel zu teuer - und sie gehört ausgerechnet auch noch dem FC Bayern München.

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(Foto: nph/Straubmeier)

Ob Ismaik tatsächlich dazu in der Lage und gewillt ist, ein Stadion zu bauen, daran zweifeln viele im engeren Umfeld des Vereins. Deshalb stehen seine Vorstöße bei OB Reiter immer auch im Verdacht, taktisch motiviert zu sein. Zum einen helfen sie nämlich dabei, die Fans zu beschwichtigen. Zum anderen würde die rechtliche Vorbereitung eines Stadionbaus mit Grundstück und Genehmigung den Wert von Ismaiks Anteilen am TSV 1860 im Falle eines Verkaufs erhöhen.

Zuletzt hatte er immer wieder Angebote abgelehnt, weil sie aus seiner Sicht zu niedrig waren. Zudem kann Ismaik ein bisschen Aufmerksamkeit gut brauchen: Ende August 2015 erwarb er für sieben Millionen US-Dollar 37 Prozent an der jordanischen Immobilien- und Grundstücksfirma Jordan Masaken for Land & Industrial Development Projects, deren Vorsitzender er seither ist. Für dieses Jahr hat Ismaik einen Börsengang zur Kapitalerhöhung der Firma angekündigt.

Für die Fans ist es nur die zweitbeste Lösung

Spektakulär sind nicht nur Ismaiks Vorschläge zum Neubau, heftig sind auch seine Angriffe gegen die Vereinsspitze des TSV. "Zuerst müssen wir den Verein von den Personen säubern, die gegen ihn arbeiten", sagte er am Freitagabend. Die beiden Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha hätten "leider keinen Erfolg gehabt", so Ismaik. "Sie konnten die Führungsaufgaben, die sie innehatten, nicht ausführen." Deswegen habe er den Vereinspräsidenten gebeten, beide Geschäftsführer freizustellen. Ob all das die Sechzgerfans tatsächlich ruhigstellen wird, ist fraglich. Beim vergangenen Heimspiel hatten sie mit einer Reihe von Bannern das Verhalten des Gesellschafters kritisiert: "Ismaik - Mehr Dichter als Denker" und "Luftschlösser aus 1001 Nacht" war zu lesen.

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So viele Menschen wollten in der vergangenen Saison durchschnittlich die Zweitliga-Mannschaft des TSV 1860 München spielen sehen. Trotzdem reden Investor Hasan Ismaik und die Vereinsverantwortlichen immer wieder von einer Wunsch-Arena mit 30 000 Plätzen. So viele seien nötig, um dauerhaft eine wichtige Rolle im deutschen Profifußball zu spielen und die Anforderungen von TV-Stationen und Vermarktern zu erfüllen. Deshalb soll auch eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion nicht möglich sein - obwohl Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter mehrmals angekündigt hatte, dessen Kapazitäten womöglich auf 20 000 Besucher zu erhöhen.