Restaurant Fiedler & Fuchs Alpenländische Moderne

Das Fiedler&Fuchs ist ein junges Lokal mit traditioneller Note.

(Foto: Catherina Hess)

Gute Küche, große Portionen: Im Wirtshaus Fiedler & Fuchs in Untergiesing schafft es nicht jeder bis zum Dessert - obwohl es sich lohnen würde.

Von Alois Gudmund

Wenn in einem ehemals weitgehend unbeachteten Stadtviertel auf einmal Gaststätten mit ganz merkwürdigen Namen aufmachen, ist das ein Zeichen. Für viele Alteingesessene oft nicht unbedingt ein gutes, aber das liegt nicht an der Gastronomie, die nur eine Entwicklung nachvollzieht, die längst im Gange war. Jetzt also Untergiesing: Das einstige Arbeiterviertel wird gerade schick, sogar in Ecken, die eigentlich gar nicht dafür prädestiniert zu sein schienen.

In Giesing lädt ein Geiger zum Essen

Obwohl: Der kleine Platz an der Ecke Cannabich-/Voßstraße ist tatsächlich sehr ansehnlich. Denn ihn prägen die tiefgrünen und gelben Wohnblöcke, die der Architekt Helmuth Wolff 1927 hier bauen ließ. Wolff, der als Jude 1933 vor den Nazis nach Amsterdam floh und nach dem Einmarsch der Deutschen in Holland Selbstmord beging, war einer der bedeutendsten Baumeister der Neuen Sachlichkeit in München, und die eckigen, fast festungsartigen Bauten in Untergiesing sind ein Meisterwerk des Stils. An der Eingangssäule der Gaststätte in einem der Eckhäuser der Wohnanlage fiedelt seither ein steinerner Geiger. Er erinnert an den Geiger und Kapellmeister Christian Cannabich, nach dem die Straße heißt. Fiedler&Fuchs heißt das Lokal passenderweise - den zweiten Teil seines Namens hat es der anderen Straße entnommen, an der es liegt: Plattdeutsch Voß ist hochdeutsch Fuchs.

Die Gestaltung ist schlicht, die Portionen üppig.

(Foto: Catherina Hess)

Die Küche allerdings nennt sich alpenländisch, aber dazu später. Zunächst gilt es den großzügigen Gastraum zu bewundern, hoch und tagsüber in hellem Licht, das durch die Sprossenfensterfronten hereinfällt auf das Fischgrätparkett, die blanken Holztische und die rundherum gezogenen Bänke. Hinter einer Glaswand sind in der Küche grünbekittelte Gestalten bei der Arbeit zu beobachten. Was sie da tun, ist eigentlich klassische Wirtshausküche - allerdings mit gehobenem Anspruch und sehr modernen Beigaben: Es gibt Salate und viel Vegetarisches, aber auch Burger und Flammkuchen auf der etwas unübersichtlichen Karte.

Bayerisches auf großer Karte

Aber der Schwerpunkt liegt auf Heimischem, zum Teil so traditionell, dass es schon wieder exotisch anmutet. Wann etwa haben wir zuletzt einen bayerischen Brotsalat (12 Euro) auf einer Karte gefunden? In der Schüssel lagen geröstete Croûtons diverser Brotsorten, fein gemischt mit warmen Gurkenscheiben, Tomaten, Salatblättern - allein das Dressing war allzu sparsam, was das Ganze zu einer etwas trockenen Angelegenheit machte. Dafür waren die Suppen umso besser: So tief violett wie hier lag noch selten eine Rote-Beete-Suppe (6,50) in ihrem Teller, entsprechend intensiv schmeckte sie, begleitet von gerade dem richtigen Grad Schärfe.

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Die Portionen waren bei den probierten Speisen alle ziemlich reichhaltig, die Zutaten fast alle frisch. Man habe beim Einkauf keinen anständig aussehenden Spinat gefunden, entschuldigte einer der Kellner, warum der Spinatsalat auf der Karte nicht zu haben war. Das spricht für Sorgfalt. Auch das Entenfleisch, das eigentlich zu einem Ragout verarbeitet werden sollte, war aus - ob der Gast womöglich auch mit Entenleber zufrieden wäre? War er, zeigte sich doch hier, wie flexibel die Köche auf das reagieren, was sie da haben. Und die Leber lag zart auf einem Bett pürierter Pastinaken und in einer kräftigen Soße.

Hauchdünn und goldbraun - aber nicht ganz warm

Auch bei den bayerisch-österreichischen Standards ließen sich die Köche im Großen und Ganzen nicht lumpen. Das Wiener Schnitzel (18,50 Euro) beziehungsweise deren zwei auf dem Teller waren hauchdünn und goldbraun, die eigentlich wohlgeratenen Bratkartoffeln dazu hatten wohl allzu lange aufs Servieren gewartet, sie waren nur noch lauwarm. Ähnliches galt auch für den Krusten-Schweinsbraten (10,50), den eine wirklich wunderbar kümmelkräftige Soße umgab, der allerdings auch nicht mehr wirklich warm genug auf die Gabel kam. Und der Semmelknödel dazu hatte, anders als sein kartoffeliger Zwilling, leider die Konsistenz von Dichtungsmasse. Das war allerdings der einzige richtige Ausfall bei unseren Besuchen.

Der Zwiebelrostbraten (19,50) war dagegen so, wie er sein sollte: ein zartes, rosig gebratenes Stück Rind, umgeben von duftenden, abgeschmelzten roten Zwiebeln und zwei knusprigen Rösti. Die Kärntner Nudeln (14,50) - mit Steinpilzfarce gefüllte Teigtaschen, umgeben von Champignons und Zwiebeln - zeigten, dass Vegetarisches auch etwas für kräftige Esser sein kann.

Große Auswahl offener Weine

Pappsatt waren wir so lange vor dem Nachtisch. Die leichte Bayerische Creme (5,50) mit dem Zwetschgenröster probierten wir trotzdem und bereuten nur, wegen der nicht mehr zu packenden Menge einen Rest zurückgehen lassen zu müssen. Auch schade wegen der Preise, die nun auch in Untergiesing Haid- bis Neuhauser Niveau erreichen: Die Suppen liegen bei um die sechs, die meisten anderen Gerichte zwischen zehn und zwanzig Euro. Die Halbe Tegernseer Helles kostet 3,40 Euro. Und die Auswahl an offenen Weinen ist erfreulich groß: 0,1 Liter gibt es bereits ab 2,30 Euro.