Münchner Unternehmen Krauss-Maffei plant neues Werk in Parsdorf

Ein Auszubildender lernt in einer Lehrwerkstatt beim Kunststoffmaschinenbauer Krauss-Maffei in München Allach (2012).

(Foto: Catherina Hess)
  • In der Gemeinde Vaterstetten soll der Allacher Maschinenbauer Krauss-Maffei einen neuen Standort planen.
  • Im Gewerbegebiet Parsdorf werden etwa 1000 Arbeitsplätze entstehen.
  • Der Standort Allach soll aber erhalten bleiben.
Von Dominik Hutter und Pia Ratzesberger

Der Allacher Maschinenbauer Krauss-Maffei hat offenbar konkrete Pläne für einen neuen Standort in einem Gewerbegebiet in Parsdorf im Osten Münchens. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind die Verhandlungen über vier neue Gebäude unmittelbar nördlich der Passauer Autobahn schon weit fortgeschritten, eine Entscheidung könnte bereits in wenigen Tagen fallen.

Das Unternehmen, nicht zu verwechseln mit der direkt benachbarten Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann, dementiert ein solches Vorhaben allerdings offiziell. "Es gibt keine solchen Pläne", erklärte ein Sprecher. Der Standort Allach werde weiter ausgebaut, die gesamte Infrastruktur modernisiert. Von einem Umzug könne keine Rede sein. "Wir haben erst vor kurzem unser Ersatzteillager von München nach Plauen verlagert, damit wieder mehr Platz für die Produktion ist."

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Nach Angaben aus Unternehmenskreisen hat Krauss-Maffei jedoch vor, einen Teil seines Werkes in neue Gebäude im Münchner Umland zu verlagern; der Standort Allach soll erhalten bleiben. Die Rede ist von etwa 1000 Arbeitsplätzen an der neuen Parsdorfer Adresse, im Münchner Nordwesten sind es aktuell 1800. Das jetzige Gelände sei an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, heißt es, zudem wolle das Unternehmen wohl auch die Gebäudestruktur verändern. Krauss-Maffei sehe sich schon seit Langem nach einem weiteren Standort um.

Im Münchner Wirtschaftsreferat ist von einem unmittelbar bevorstehenden Ja zu einem neuen Standort bislang nichts bekannt. Behördenchef Josef Schmid versichert allerdings, dass sich die Stadt intensiv um das erweiterungswillige Unternehmen bemühe. "Ich würde Krauss-Maffei gerne in der Stadt halten", sagt der CSU-Politiker. Die Firma biete eine große Zahl von Arbeitsplätzen und sei ein wichtiger Gewerbesteuerzahler.

Einfach ist es in München freilich nicht mehr, große Flächen für Unternehmen zu finden, die Stadt leidet an akutem Platzmangel. Der Ansturm auf die letzten freien Grundstücke ist groß - die Wirtschaft steht dabei in Konkurrenz zum Wohnungs- sowie dem Schul- und Kindergartenbau. Immer wieder werden sogar bestehende Gewerbe- in Wohngebiete umgewidmet. Schmid hat daher im vergangenen Jahr das Münchner Gewerbeflächenentwicklungsprogramm fortschreiben lassen, um vor allem bereits ansässigen Firmen mehr Platz anbieten zu können.

In Parsdorf, das zur Gemeinde Vaterstetten gehört, könnte Krauss-Maffei in einem neuen Gewerbegebiet mit direktem Autobahnanschluss unterkommen. Offenbar wird über einen Einzug in drei Schritten nachgedacht, die vier großen Bauten sollen peu à peu entstehen. Die Fläche gehört bislang dem Staatsgut Grub, direkt daneben ist der Bau eines neuen Logistikzentrums für den Autobauer BMW geplant.

Krauss-Maffei ist ein Münchner Traditionsunternehmen. Die Firma geht auf das 1838 in Schwabing gegründete "Eisenwerk Hirschau" zurück. Krauss-Maffei expandierte im Laufe der Jahrzehnte stark, Teile der Produktion wurden aber später abgespalten. So operiert das Rüstungswerk, in dem unter anderem die Leopard-Panzer hergestellt werden, unter dem Namen Krauss-Maffei Wegmann eigenständig, der Lokomotivenbau wurde von Siemens übernommen.

Die weltweit agierende Maschinenbausparte wurde vor zwei Jahren von dem chinesischen Chemiekonzern China National Chemical Corporation gekauft. Ihren Sitz aber hat sie weiter in München, dem größten Standort. Von 5300 Mitarbeitern weltweit arbeiten 1800 in Allach.

Alle wichtigen Sparten des Unternehmens haben dort eine Produktionsstätte: Die Reaktionstechnik, mit der zum Beispiel Maschinen für Schaumstofffüllungen hergestellt werden, die die Autozuliefererindustrie verwendet. Die Extrusionstechnik, mit der Maschinen produziert werden, die dann zum Beispiel Kunststoffrohre herstellen, etwa für die Kanalisation. Und die Spritzgießtechnik, deren Maschinen am Ende für alles Mögliche verwendet werden können, egal ob für PET-Flaschen oder Zahnbürsten.

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