Gärtnerplatz Das frisch renovierte Gärtnerplatzheater zeigt, was es kann

400 Leuten wird demonstriert, wie der neue Vorhang von hinten aussieht.

(Foto: Robert Haas)

Ziemlich viel, finden die Münchner, die schon mal reinschauen durften. Fünf Jahre hat es gedauert, das 1865 eröffnete Theater wieder auf Vordermann zu bringen.

Von Dominik Hutter

Und dann fällt der Vorhang. 400 Leute beobachten, wie der angenehm schummrige Zuschauerraum hinter schwerem Stoff verschwindet. Zurück bleiben das blaue Licht der Scheinwerfer und die Arbeitsatmosphäre einer Bühne mit all ihren Neonröhren, Bildschirmen und technischen Einbauten. Fotos werden gemacht. Von blau angestrahlten Köpfen und diversen Requisiten, die links und rechts der 25 Meter breiten Fläche abgestellt sind: eine Kutsche, künstliche Rosen, elektrische Kerzenleuchter, Tische und Stühle. Was es eben braucht, um "Die lustige Witwe" von Franz Lehár aufzuführen.

Jetzt aber ist erst einmal das Publikum da, wo es eigentlich nicht hingehört: auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters. Man habe einfach mal demonstrieren wollen, wie es sich aus der Bühnenperspektive anfühlt, wenn der Vorhang fällt, hatte Intendant Josef Köpplinger gesagt. Nicht ohne zu erwähnen: "Keine Sorge, die Bühne hält so viele Menschen aus."

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Sie ist schließlich auch nagelneu. Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, das 1865 eröffnete Theater wieder auf Vordermann zu bringen. Statt der ursprünglich geschätzten 71 Millionen Euro hat die Sanierung des im klassizistischen Stil gestalteten Prachtbaus gut 120 Millionen gekostet. Die Münchner scheinen die Rückkehr des vorübergehend ausgelagerten Ensembles an den Gärtnerplatz schon dringend erwartet zu haben. Draußen vor den Stufen drängelten sich lange vor dem offiziellen Einlass die Massen, um am "Tag des offenen Zuschauerraums" endlich wieder einen Blick auf das werfen zu können, was nun so lange Zeit hinter Bauzäunen versteckt war.

Einen echten Tag der offenen Tür, bei dem einfach alle Interessenten ein- und ausgehen, konnte Köpplinger aus Brandschutzgründen nicht bieten. Das Haus ist noch nicht abgenommen. 400 Leute gleichzeitig lautete daher das Maximum - was zur Folge hatte, dass schon vor dem Starttermin am Sonntag um 14 Uhr nur noch wenige Gratis-Karten selbst für den 16-Uhr-Rundgang zu haben waren.

Als die erste Marge das Haus stürmt, herrscht erst einmal Ratlosigkeit. Viele zeigen, wohl aus alter Theatergewohnheit, mehrfach ihre Eintrittskarten vor, um auch ja an den richtigen Platz zu gelangen. Den aber gibt es so nicht - es herrscht freie Platzwahl und zunächst einmal geht es ohnehin für alle nach oben ins Pausenfoyer - jenen großen Raum mit den großen Fenstern direkt zum Gärtnerplatz. Viele genießen erst einmal den schönen Ausblick, andere stehen ein wenig verloren im Raum herum, andere besetzen sofort die blauen Sitzgruppen in den beiden kleinen Nebenräumen.

Was man sonst so tut in solchen Räumen, herumflanieren, klappt wegen Überfüllung nicht so richtig. Zumal man keineswegs überall herumschnüffeln darf. Ordner verhindern, dass sich die Leute im ganzen Haus verteilten. Und so lehnen viele Besucher an der frisch renovierten Wand oder besprechen die ersten Eindrücke. "Schee, gell", sagt einer - und eigentlich gibt es ja auch nicht mehr viel mitzuteilen. Denn das Innere des denkmalgeschützten Baus sieht im Großen und Ganzen genau so aus wie vor der Sanierung. Nur eben frischer.

Wer sich gut auskennt, kann ein paar Veränderungen bemerken. Intendant Köpplinger hat links und rechts der Bühne zwei nicht-originale Einbauten entfernen lassen, damit der Blick besser ist. Besonders stolz ist der gebürtige Niederösterreicher auf seinen neuen Wagner-Vorhang, der gleichzeitig zur Seite und nach oben aufgeht. Das gute Stück wird sofort im Einsatz präsentiert, als die Besucher aus dem Foyer ins Parkett weitergezogen sind und dort Platz genommen haben. Es folgt eine kurze Darbietung aus den Liebeslieder-Walzern von Johannes Brahms. Gesangsquartett plus Klavier, vierhändig. Auch die Akustik hat sich verbessert, betont Köpplinger, der mit Schirmmütze und Jeans die Ansagen macht. Neue Akustikpaneelen wurden montiert.

Nun stören bloß noch die großen Bommel des Vorhangs, die mitten ins Bild hängen. Köpplinger hält die Kordeln für einen Planungsfehler aus der Bauzeit. Und nimmt sich heraus, sie ganz unhistorisch ein Stückchen höher zu hängen.

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