Fußball-WM Was sich Münchens Wirte alles für Fußballfans einfallen lassen

Gemeinsam schauen, trinken, jubeln: Wer als Wirt auf Großleinwände und Deko verzichtet, muss damit rechnen, dass sein Lokal leer bleibt.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Eine Leinwand, die größer ist als ein Fußballtor, Karnevalstänzerinnen aus Rio und Speisekarten, die sich mit dem Spielplan verändern: So lange ihre Gäste die WM nicht daheim anschauen, ist den Wirten alles recht.

Von Franz Kotteder

Das große Jammern hat begonnen! Nun ist das noch keine Nachricht, wenn es um Wirte geht - ein Gastronom, der nichts zu klagen hat, hat bekanntlich seinen Beruf verfehlt. Aber internationale Fußballwettbewerbe sind schon immer so eine Sache. Da schauen die Leute zu Hause oder beim Public Viewing Fußball, und der Wirt schaut in die Röhre. Sofern er nicht selbst eine Großbildleinwand aufstellt und so die Leute ins Lokal lockt.

Doch auch damit fährt der Gastronom nicht zwangsläufig drei Punkte ein, seit nahezu jede Boazn zur WM ihren Flatscreen aufstellt. Eine Möglichkeit ist, den ganz großen Hammer herauszuholen. Wie die Hirschau im Englischen Garten. Wiggerl Hagn und seine Tochter Stephanie Spendler, die auch das Löwenbräuzelt auf der Wiesn betreiben, haben mächtig aufgerüstet und eine acht mal vier Meter große LED-Wand mit gestochen scharfem Bild im Biergarten aufstellen lassen.

Hier können die Münchner gemeinsam jubeln

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Die Leihgebühr beträgt mehr als 20 000 Euro. Rentiert sich das? "Naa", sagt Hagn, "ich seh' das halt als Werbung für die Hirschau." Gar keine Fernsehübertragung ginge nicht, da wäre der Garten nahezu leer. Was wäre aber, wenn Deutschland ausscheidet? "Die verlieren nicht!", sagt Hagn energisch, "meine Frau hat dazu nur gesagt: ,Dann kannst du deine Leinwand daheim aufstellen.'"

Auch Ricky Steinberg vom Hofbräukeller und vom Hofbräuzelt auf der Wiesn hat Leinwände im Biergarten, kleinere allerdings, in der Cocktailbar gibt es Monitore. Er hat freilich noch zusätzlichen Mehr- und Nährwert im Angebot, denn zu jedem Spiel gibt es landestypische Spezialitäten, zum Beispiel Paella, wenn Spanien spielt. "Das ist natürlich ein Gag", sagt Steinberg, "nicht der Riesenrenner, aber die Leute finden es witzig und bestellen das schon mal." Bei Deutschland gegen Südkorea gibt es neben Würstlgulasch südkoreanisches Sundubu-Jjiae, das sind Spareribs mit Sesam-Barbecue-Sauce und Gemüsereis.

So etwas ist eigentlich die Domäne der großen Fastfood-Ketten die deutschlandweit WM-Menüs für Fußballfans anbieten. Die aus München stammende Kette Hans im Glück zeigt in zehn ihrer 14 Münchner Filialen die Spiele natürlich live auf Großbildleinwand (nicht am Goetheplatz, am Flughafen, im Leo250 und im Mira). Darüber hinaus feiern die Burgerbrater, die durch ihre charakteristische Innendeko aus Birkenstämmen bekannt sind, auch noch "Waldmeisterschaft" mit einem speziellen Menü. Und da hat der Hans wohl einen Clown gefrühstückt: "Passend zum Gastgeberland bietet Hans im Glück zu einem Burger und einer Beilage nach Wahl je ein Bier und dazu einen ,Olli Garchen'-Wodkashot", heißt es aus der Presseabteilung. Natürlich steckt in jedem Burger das passende Länderfähnchen, je nach Spieltag.

Auch die Edelküchen kreieren WM-Menüs

Im Gastro-Ranking steht das Izakaya im Luxushotel Roomers an der Landsberger Straße ein paar Klassen höher als die Burgerkette, keine Frage. Aber auch hier, wo man die gehobene, japanisch-peruanische Nikkei-Fusionsküche pflegt, ist man offenbar fußballbegeistert. Küchenchef Joaquin Santos hat extra ein "World Cup Tokusan Menü" kreiert. "Sieben Gänge für Genuss, der länger als 90 Minuten anhält", verspricht er vollmundig, es gibt unter anderem "Sea Bass Usuzukuri", "Toro Nigiri", "Salmon Tataki" und "Moromi-Miso" sowie andere feine Dinge, für die selbst gewiefte Kulinariker ein Lexikon brauchen.

Jürgen Haberle, General Manager und Sommelier des Izakaya, kredenzt dazu japanische Weine der Rebsorte Koshjou. Bleibt noch die Frage, warum das WM-Menü nur für Juni angekündigt ist. Rechnet man mit einem schnellen Ausscheiden von Japan und Peru? "Nein", lacht Haberle, "wir werden das sicher auch im Juli anbieten, wenn das gewünscht wird." Ansonsten hält man sich zurück, es gibt keine Übertragung der Spiele und keine Fanartikel.

Überraschung beim Promi-Wirt

Da ist Promiwirt Hugo Bachmaier mit seinem Bachmaier Hofbräu an der Leopoldstraße doch ein ganz anderes Kaliber, "dezent" ist eher nicht sein zweiter Vorname. Der Gastraum ist mit allerlei Fandevotionalien und übergroßen Fußbällen dekoriert, drinnen übertragen sieben Bildschirme jedes Spiel, draußen sechs. Für das (bereits ausreservierte) Brasilienspiel am Mittwoch hat Bachmaier extra noch brasilianische Karnevalstänzerinnen aus Rio einfliegen lassen, zwei Trommler und einen brasilianischen DJ. "Bei den Brasilianern zahlt sich das aus", sagt er vergnügt.

Seine größte Überraschung waren aber die Iraner. "Die haben hier in München eine große Gemeinde", sagt er, zu einem Spiel ihres Teams seien 500 Iraner zu ihm gekommen. "Da ging die Post ab, die können wirklich feiern. Ich dachte schon, die zerlegen mir das Lokal." Leider war es ein einmaliger Besuch. "Für das nächste Spiel hatten sie 3000 Anmeldungen, da haben sie dann doch lieber eine Halle gemietet."

Das Bachmaier Hofbräu hat an Deko und Fankartikeln nicht gespart: Das lockt die Kundinnen und Kunden zur WM-Zeit.

(Foto: Catherina Hess)