Von Armut gebeutelt Stiftung für notleidende Menschen im Landkreis

Das Ehepaar Malenke aus Neufahrn hat eine Stiftung für notleidende Menschen im Landkries Freising gegründet, die Betroffenen schnelle Hilfe in der Not bieten will.

(Foto: dpa)

Sie mussten selbst lange Zeit sehr sparsam leben, nun helfen sie: Das Ehepaar Malenke aus Neufahrn hat eine Stiftung gegründet - und schon rund 15 000 Euro an Bedürftige im Ort ausgezahlt. Jetzt hofft man auf weitere Spender.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Es sind Geschichten, die nur selten an die Öffentlichkeit dringen, obwohl sie sich in nächster Nachbarschaft zutragen: Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern kann nach der Trennung von ihrem Mann die Miete nicht mehr zahlen, weil das Arbeitslosengeld noch nicht angewiesen ist. Eine andere alleinerziehende Mutter, die endlich wieder einen Job gefunden hat, hat bis zur Auszahlung des ersten Gehalts nicht genug Geld für die Fahrt zur Arbeitsstelle. Einem schwerbehinderten Mann soll in seiner Kellerwohnung der Strom abgestellt werden, wenn er nicht sofort die offene Rechnung begleicht. Doch das nötige Geld hat er nicht.

"Auch in Neufahrn gibt es viel Armut", weiß Christl Malenke. Um notleidenden Bürgern zu helfen, hat sie mit ihrem Mann Helmut eine Stiftung gegründet, die zunächst eher im Verborgenen gewirkt und in dieser Zeit bereits mehr als 10 000 Euro ausgezahlt hatte. Vor einem Jahr ist das Ehepaar aber an die Öffentlichkeit gegangen, um noch mehr Menschen unterstützen zu können. Mehr als 4500 Euro wurden seitdem ausgeschüttet - unter anderem an die beiden alleinerziehenden Mütter und den schwerbehinderten Mann. "Wir sind auf einem guten Weg", freut sich das Ehepaar.

Ein Ehepaar musste nach einem Wohnungsbrand vorübergehend in eine Obdachlosenunterkunft umziehen. Der schwer kranke Mann starb

Besonders in Erinnerung geblieben ist den Malenkes auch die Geschichte von dem Ehepaar, das nach einem Wohnungsbrand vorübergehend in die Obdachlosenunterkunft umziehen musste. Der schwer kranke Mann ist wenig später gestorben, und weil die Witwe so viele Neuanschaffungen für die Wohnung bezahlen musste, konnte sie das Geld für die Beerdigung nicht aufbringen. Die Malenke-Stiftung ist in die Bresche gesprungen. "Das Gute ist, dass wir schnell sind", sagt Sozialreferentin Beate Frommhold-Buhl, die dem Stiftungsrat angehört. Während man bei Behörden oft noch auf die Bearbeitung von Anträgen warten müsse, könne die Stiftung schon überbrücken. Das half zum Beispiel auch einer älteren Frau, die von Grundsicherung lebt, und ihren - im Ernstfall überlebenswichtigen - Notrufknopf verloren hatte. Ganz kurzfristig wurde er von der Stiftung ersetzt.

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Die Idee für die Stiftung hatten die kinderlosen Eheleute Malenke schon vor mehreren Jahren. Sie selbst haben "kein leichtes Leben gehabt und lange sparen müssen", sagen sie. Inzwischen sind sie im Ruhestand und selbst gut situiert: "Jetzt wollen wir der Gesellschaft etwas zurückgeben." Allerdings mussten sie zunächst feststellen, dass es oft gar nicht so einfach ist, privat Hilfe zu leisten. Deshalb ließen sie sich von einem Experten beraten, und aus ihrer Idee wurde ein konkretes Projekt. Damit die Zuwendungen an den richtigen Stellen ankommen, und weil die tatsächliche Bedürftigkeit der unterstützten Menschen für die Regierung von Oberbayern und das Finanzamt nachgewiesen werden muss, arbeitet die Stiftung mit Caritas, Donum Vitae und der Obdachlosenberatung der Gemeinde zusammen.

Die Stiftung arbeitet mit der Caritas und Donum Vitae zusammen, ist aber auf Spenden angewiesen

Zugleich wirbt sie um Geldgeber, welche die Stiftung mit Spenden oder auch Zustiftungen und testamentarischen Zuwendungen unterstützen und damit das Stiftungsvermögen vermehren, so dass noch mehr Erträge aus der Vermögensanlage dem guten Zweck zufließen. Auch jetzt gibt es bereits Firmen, Vereine und Privatleute, die der Stiftung Geld spenden. Wer die Stiftung unterstützen möchte und damit auch Steuern sparen, kann sich an Beate Frommhold-Buhl wenden (Handy: 0 17 0/34 46595, bu.fro@t-online.de). Sie gehört wie Kämmerer Johann Halbinger und der Arzt Ludwig Hepting dem Stiftungsrat an. Ebenso hilft sie weiter, wenn jemand Bedürftige kennt und die Stiftung darauf aufmerksam macht.

Spendenkonto der Malenke-Stiftung; IBAN: DE 69 7009 3400 0006 4260 26, VR-Bank Ismaning-Hallbergmoos-Neufahrn

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