Zorneding CSU-Ortsvorsitzende hetzt gegen Flüchtlinge

Sylvia Boher, CSU-Ortsvorsitzende in Zorneding (Mitte), fällt durch rechtspopulistische Äußerungen auf.

(Foto: Christian Endt)
  • Die Vorsitzende der Zornedinger CSU, Sylvia Boher, hat heftig gegen Flüchtlinge und die Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher für die Ankommenden gewettert.
  • Parteifreunde der Ortsvorsitzenden haben sich umgehend von ihren Aussagen distanziert.
  • Es ist nicht der erste verbale Ausfall Bohers.
Von Isabel Meixner, Zorneding

Sylvia Boher, die Vorsitzende der Zornedinger CSU, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit fragwürdigen Äußerungen hervorgetan. Das toppt sie nun - im negativen Sinn: In der aktuellen Ausgabe des von ihrem Ortsverband herausgegebenen Zorneding-Reports hetzt sie gegen Flüchtlinge, schimpft über die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher und Politiker und sieht die Gefahr eines Gottesstaats. Selbst Politiker innerhalb ihrer Partei gehen auf Distanz.

Bohers Text ist voll von Pauschalisierungen zwischen "unseren Armen" und den fremden Asylbewerbern, denen alles in den Rachen geworfen werde. "Heute wird uns von den linksdominierten Medien weisgemacht, ein Militärdienstflüchtling aus Eritrea ist mit einem heimatvertriebenen Deutschen des Zweiten Weltkriegs gleichzusetzen???", schreibt sie. Als nach 1945 Heimatvertriebene nach Deutschland kamen, seien sie von der Bevölkerung - anders als heute - nicht mit Begeisterung empfangen worden, "kostenlose Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld: Fehlanzeige! Integrationsbeauftragte: Fehlanzeige! Psychologen für die traumatisierten Vertriebenen: Fehlanzeige!"

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Angriffe gegen Kanzlerin und Bundespräsidenten

Boher fragt: "Was würde Strauß dazu sagen, dass die von deutschen Staatsbürgern gewählten Volksvertreter auf allen Ebenen weit größere Solidarität mit Flüchtlingen aus aller Welt zeigen als mit den eigenen Bürgern?" Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsidenten Joachim Gauck greift sie an: "Würde Strauß glauben, wir leben in einem Gottesstaat, in dem ein protestantischer Pastor aus der ehemaligen DDR Bundespräsident ist und eine FDJ-Funktionärin und Pastorentochter Bundeskanzlerin?"

Die CSU-Ortsvorsitzende führt Beispiele von Bedürftigen in Deutschland an, denen es, das schreibt sie mehrmals mehr oder weniger explizit, wegen der ankommenden Flüchtlinge schlechter gehe: "Würde Franz Josef Strauß diese Entwicklung gutheißen? Oder würde er die gewählten Volksvertreter zu unseren Armen schicken, damit sie ihnen in die Augen sehen, wenn sie ihnen sagen, wir haben keine zusätzlichen Gelder für unsere Bedürftigen, denn wir müssen erst die Armut der Welt lindern, bevor wir etwas für unsere eigenen Bürger tun."

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Ebersberger CSU-Kreisvorsitzender geht auf Distanz

CSU-Kreisvorsitzender Thomas Huber nimmt Abstand von Bohers Äußerungen. Diese seien "sehr pointiert und zugespitzt" und stellten ihre Privatmeinung dar: "Ich persönlich teile die Ansichten nicht. Sie kann insoweit nicht für sich in Anspruch nehmen, für die CSU zu sprechen." Gleichwohl gebe es keine Zensur durch den Kreisverband: "Jeder Verfasser von Texten, der diese namentlich kennzeichnet, ist für den Inhalt selbst verantwortlich."

Auch Bürgermeister Piet Mayr (CSU) betont: "Meine Meinung ist das nicht, und ich würde so etwas in dieser Form nicht veröffentlichen." Er sehe sich aber als Bürgermeister für den ganzen Ort und halte sich deshalb auch aus der Redaktion des Zorneding-Reports heraus. Ist Boher noch als Ortsvorsitzende zu halten? Das werde innerhalb der Partei diskutiert, sagt Mayr, "bestimmt nicht in der Öffentlichkeit".

Es ist nicht das erste Mal, dass Sylvia Boher mit fragwürdigen Äußerungen auffällt: Bereits 1997 schimpfte sie über Flüchtlinge, die "sich auf Kosten der deutschen Beitragszahler die Zähne sanieren lassen oder Stammesfrisuren für viel Geld vom Sozialamt" bezahlt bekommen. Im Dezember 2011 äußerte sie sich abwertend gegenüber Zugezogenen "mit norddeutschem Akzent", die die "Baulandpreise für Einheimische ins Utopische wachsen lassen". Auch intern eckte Boher bereits an: Der frühere und inzwischen gestorbene Redaktionsleiter des Zorneding-Reports, Jakob Red, trat nach Meinungsverschiedenheiten über den Inhalt des Magazins von seinem Amt zurück und aus der Partei aus.

Boher war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.