Anfänge des NS-Regimes Wie München zur Brutstätte für den Nazi-Terror wurde

  • Am 1. Mai eröffnet das NS-Dokumentationszentrum in München. Die SZ setzt sich in mehreren Texten mit der schwierigen Vergangenheit der Stadt auseinander und wirft einen ersten Blick in das neue Haus.
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  • Im folgenden Artikel lesen Sie, wie leicht es für Hitler war, die nationalsozialistische Bewegung im München der Zwanzigerjahre zu etablieren.
Von Franziska Brüning

Wer heute mit Blick auf die Feldherrnhalle bei Sonnenschein einen Kaffee trinkt, denkt in der Regel nicht daran, dass dieser Ort eine zentrale Kultstätte der Nationalsozialisten war. München ist schön, es fällt leicht darüber hinwegzusehen, dass hier Adolf Hitlers politische Karriere begann. Die Stadt selbst hat viele Jahre lang nur ihre guten Seiten betont, die Auseinandersetzung mit ihrer NS-Vergangenheit aber gescheut.

Dabei ist unstrittig: München war die Keimzelle des Nationalsozialismus.

Das Hofbräuhaus war das Stammlokal der Mitglieder der NSDAP, hier verkündete die Partei ihr Programm, hier sind zuerst die nationalsozialistischen Parolen zu hören gewesen, und auf den Straßen testeten die Nazis die Wirkung ihres antisemitischen Terrors. Das Pressehaus des Völkischen Beobachters, der Parteizeitung, stand in der Schellingstraße. Hitlers "Mein Kampf" wurde in der Nähe des Isartors verlegt. Die Lieblingsstadt des Diktators erhielt nach der Machtübernahme 1933 den Titel "Hauptstadt der Deutschen Kunst". 1935 ernannte Hitler sie zur "Hauptstadt der Bewegung". Und bis zum Ende des NS-Staates war die Zentrale der NSDAP in der Maxvorstadt.

Sammelbecken rechter Ideologen - schon vor dem Ersten Weltkrieg

Aber warum war Hitler gerade in München so erfolgreich? Kurz vor dem Ende der Weimarer Republik waren seine politischen Erfolgsaussichten noch ungewiss: Nimmt man die Ergebnisse der Reichstagswahlen in den frühen Dreißigerjahren zum Maßstab, war München keine Nazi-Hochburg. Im November 1932 wählten nur 24,9 Prozent der Münchner nationalsozialistisch, auch bei der Wahl am 5. März 1933 lag hier das Ergebnis der NSDAP (37,8 Prozent) deutlich unter dem Reichsdurchschnitt. Zudem war die Stadt ein wichtiger Standort für Regime-Kritiker und Gegner - nicht nur für Linke und SPD, sondern auch für konservativ-katholische Widerständler und Gruppen wie die Weiße Rose.

München war aber auch - schon vor dem Ersten Weltkrieg - ein Sammelbecken rechter Ideologen und völkischer Aktivisten. Die Revolution 1918, vor allem aber die folgende Räterepublik waren besonders für die bürgerlichen Bewohner eine traumatische Erfahrung. Das politische Pendel schlug von ganz links nach ganz rechts.

Für die Nazis entstanden ideale Bedingungen, mit ihren Ideen die Gesellschaft nach und nach zu vergiften. Hinzu kam, dass die städtischen und staatlichen Behörden den späteren Diktator unterschätzten, sofern sie nicht mit ihm sympathisierten. Familien aus der Kulturszene wie die Inhaber der Berliner Klavier- und Flügelfabrik Bechstein oder die Verlegerfamilien Bruckmann und Hanfstaengl hofierten Hitler und empfahlen ihn in der besseren Gesellschaft weiter.