Neues Boulevardblatt Wahlkampfhilfe für die AfD

Ist das Satire? Nein. Das ist die Titelseite des "Deutschland-Kurier".

(Foto: Screenshot)

Die erste Schlagzeile lautet "Merkel irrer als Trump?", als Neben-Bösewichte dienen Martin Schulz oder Emmanuel Macron: Ein Blick in die erste Ausgabe der rechtskonservativen Wochenzeitung "Deutschland-Kurier".

Von Jens Schneider

Der erste Gedanke ist: Das ist so schräg, das kann nicht das Original sein. Das Titelblatt ist so überdreht, das muss das Werk einer anarchischen Satirezeitschrift sein. Ist es aber nicht: "Merkel irrer als Trump?", lautet die erste Schlagzeile des Deutschland-Kurier, dahinter sind nebeneinander der US-Präsident und die Kanzlerin abgebildet, beide mit verzerrtem Gesichtsausdruck.

Darunter steht, dass keine Woche vergehe, ohne dass sich US-Präsident Trump selber widerspreche. Und: "Die Bundeskanzlerin treibt es noch wirrer!"

Kein Scherz. So sieht der Start des Deutschland-Kurier aus, dessen Chefredakteur David Bendels ein rechtskonservatives Boulevardblatt verspricht. Es soll offenbar der AfD im Bundestagswahlkampf helfen.

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Acht Seiten hat die Wochenzeitung, sie sollte am Mittwoch gratis zunächst in drei Berliner Bezirken verteilt werden, Startauflage 300 000. Der SZ lag das Blatt als PDF-Datei vor.

Als Gastautoren werden Konservative angekündigt, die man als Ehemalige kennt - etwa der frühere FAZ-Redakteur Konrad Adam, der zum Gründungsvorstand der AfD-Spitze zählte, aber in der Partei an den Rand geschoben wurde. Oder Erika Steinbach, einst Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und CDU-Politikerin. Sie wird auf der Titelseite als "Gewinnerin der Woche" gelobt.

Die erwartbare Ausrichtung: Es geht gegen die Kanzlerin, dann Angela Merkel, danach wieder gegen die CDU-Chefin. Auf jeder Seite wird ihre Politik attackiert. Als Neben-Bösewichte dienen Martin Schulz, Heiko Maas oder Emmanuel Macron.

Von einem dreisten "Einwanderungsbetrug" ist die Rede: "Merkel und Co." redeten vor den Wahlen "über vermehrte Abschiebung und den Kampf gegen kriminelle Asylbewerber", dabei habe sich nichts geändert.

So spiegelt die Themenauswahl die Agenda der AfD, die beklagt, dass sie in Umfragen an Rückhalt verliert, weil über das Thema Flüchtlinge weniger gesprochen werde. Ihre Spitzenkandidaten tauchen noch nicht prominent auf. Bestimmt Zufall, aber die haben ja auch gerade an ihre Basis appelliert, sie möge seriös auftreten. Derweil hat die Dumont-Mediengruppe beim Kölner Landgericht wegen optischer Ähnlichkeit mit dem Berliner Kurier eine einstweilige Verfügung beantragt.