Leitkulturstreit: Die Runde von Sandra Maischberger kommt von der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Islam nicht los. Das liegt an Alice Schwarzer. Einer aber weist auf die wahren Ursachen der Integrationsprobleme hin.
Sandra Maischberger schaut in die Kamera und sagt das Thema an: "Gehört der Islam zu Deutschland?" Nöööö. Falsche Frage. Nicht der Islam kann oder kann nicht zu Deutschland gehören, sondern die Muslime. Stand doch sogar schon auf Twitter.
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"Schleier und Scharia: Gehört der Islam zu Deutschland?" - zu diesem Thema diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen, darunter Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. (© dpa)
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Trotz dieser schlechten Ausgangslage, die sich an dem umstrittenen Zitat von Bundespräsident Christian Wulff (CDU) orientiert, folgt eine Sendung, die überraschend sachlich abläuft. Überraschend deshalb, weil seit den Buchthesen des Thilo Sarrazin die Islam-Debatten vergiftet sind. Der einstige Berliner Finanzsenator und Bundesbanker hat Leute dazu ermutigt, ihre Ressentiments spazieren zu tragen. Doch bei Maischberger kommen diese nur in einem kleinen Einspieler vor. Der Islam gehöre in den Orient, schimpft eine Frau in der Straßenumfrage, das seien alles Terroristen.
Im Studio sitzen dagegen drei Frauen, die etwas zu erzählen haben. Die Filmemacherin und Autorin Güner Balci zum Beispiel, die sich mit Gewalt und Frauenfeindlichkeit in der Migranten-Community auseinandersetzt. In einem Ausschnitt ihrer aktuellen Dokumentation sagt ein angehender Abiturient, dass er den Freund seiner Schwester abknallen würde, wenn der mit ihr Sex vor der Ehe hätte. Und die Schwester gleich mit. "Ehrenmord"-Drohung im Klassenzimmer.
Neben Balci erzählt Zehra Yilmaz, warum sie ein Kopftuch trägt. Ihre Eltern, als Gastarbeiter gekommen, haben sie nicht religiös erzogen. Doch als Studentin habe sie die Ideologien durchprobiert und sich schließlich gegen den Marxismus und für den Islam entschieden. Heute arbeitet sie im Integrationsrat der Duisburger Moschee.
Und da ist Alice Schwarzer, die gerade ein eigenes Buch vorgelegt hat, das sich kritisch mit dem Islam beschäftigt. Für sie ist jedes Kopftuch eine politische Agenda, gesteuert vom Nahen Osten, um in Deutschland Frauen zu knechten. Eine gewagte These.
Moderatorin Maischberger greift zu einem roten Tuch, wedelt Schwarzer damit vor der Nase herum und fragt, ob das Stück Stoff wirklich gefährlich ist. Islamistische Agitatoren, sagt die Emma-Gründerin, würden muslimischen Eltern in Deutschland Geld geben, damit die Kinder Kopftuch tragen. Geld aus Saudi-Arabien. Schwarzer guckt die Kopftuchträgerin Yilmaz an. Die sagt: "Hä?" Das habe sie noch nie gehört. Das sei doch lange bekannt und bewiesen, entgegnet Schwarzer und verspricht Yilmaz, ihr Informationen zuzumailen.
Diese E-Mail würden noch mehr Leute gerne bekommen. Wo ist eigentlich der Fakten-Checker Frank Plasberg, wenn man ihn wirklich mal braucht?
Aber gut, die Sendung heißt ja nicht "Hart aber fair bei Maischberger", sondern "Menschen bei Maischberger". Und weil drei Menschen für fast eineinhalb Stunden Sendezeit ein bisschen wenig sind, dürfen noch drei Politiker dazustoßen.
Da ist Heinz Buschkowsky (SPD), der bekannteste Bezirksbürgermeister Deutschlands aus Berlin-Neukölln. Er redet im Gegensatz zu Sarrazin wirklich Klartext, wenn er von Sprüchen auf dem Schulhof erzählt, die Nicht-Muslime beleidigen sollen. "Isst du Schwein, bist du Schwein." Das ist nicht nur grammatikalisch bedenklich.
Dazu Hans-Christian Ströbele (Grüne), Mister Multikulti, der die Einwanderer in Schutz nimmt, als handelt es sich bei ihnen um vom Aussterben bedrohte Pandabären. Deswegen fährt Filmemacherin Balci ihn an: Sie wolle von Ströbele nicht mehr zum Opfer stilisiert werden. "Mein Vater ist freiwillig nach Deutschland gekommen, der war nie ein Opfer." Ströbele verkläre so, dass es unter den Einwanderern auch Täter gebe.
Joachim Herrmann (CSU), der bayerische Innenminister, schließlich bleibt blass. Zwar darf er ein bisschen rechts herumpoltern, als er sagt, Deutschland sei kein Einwanderungsland und die Zugezogenen der vergangenen Jahre hätten alle das Asylrecht missbraucht - doch auf diesem Niveau will in der Runde niemand mit Herrmann diskutieren.
So gut die Debatte auch die Integrationsprobleme beleuchtet und die Bringschuld der Einwanderer einfordert, so wenig kommt aber die Diskriminierung von Muslimen auf den Tisch. Yilmaz darf einmal kurz sagen, dass eine Kopftuchträgerin oft keine Wohnung bekomme und schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz habe. Ströbele darf kurz von einem islamischen Feiertag träumen.
Doch dann schwenkt die Debatte direkt wieder um zur Unterdrückung der Frau, so als ob ein kleiner Sarrazin Regie führen würde. Klartextpolitiker Buschkowsky verscheucht jedoch jeden populistischen Mief. Die ganze Misere, die Unterdrückung der Frauen, das Mobbing von Nicht-Muslimen, habe vor allem einen Grund, sagt der Sozialdemokrat: mangelnde Bildung und eine schlechte soziale Stellung. Und nicht die Religion. "Die gebildeten Muslime flüchten vor ihren Glaubensgenossen", sagt Buschkowsky.
Ihm gegenüber sitzt ein Beispiel für seine These: Yilmaz, Kopftuchträgerin und studiert, erzählt von ihrer Tochter, die kein Kopftuch anziehe, weil sie Polizistin werden wolle. Und Yilmaz ist damit voll einverstanden. Die Islam-Debatte, das hat Maischbergers Talkshow gezeigt, muss weniger religiöse Fragen stellen - und mehr soziale.
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(sueddeutsche.de/bbr/jja)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Islamische Staaten: Gemeint sind Staaten, bei denen ganz oder hauptsächlich die Scharia als Rechtsgrundlage dient.
Das Problem ist, dass ich noch so viele Beispiele bringen könnte, sie können immer widersprechen und erklären, dass dies missbrauchter Islam sei. Da nur der Koran unveränderliche Grundlage ist und auch Sunna und Scharia (zwar bedingt) gewisse Interpretationsspielräume haben.
Das wäre allerdings auch Ihr Problem, da Sie ebensoviele Positivbeispiele nennen könnten, sie könnten doch nie beweisen, dass sie für DEN Islam stehen.
Letztlich jedoch zielt die Islamkritik weniger darauf, irgendetwas zu beweisen oder jemanden zu überzeugen - dass Sie friedliebend sind, glaube ich Ihnen sowieso blind - sondern darauf, dass der Islam an Scharia etc., wo es zu Konflikten mit Grundgesetz und freiheitlichen Werten kommt, festhält und nicht wie andere Religionen das Weltliche einer weltlichen Ordnung überlässt.
Mögen Sie und alle friedliebenden Muslime die Kraft haben, gegen die Missstände in Ihrer Religion anzugehen.
Ihr Beitrag wurde leider abgeschnitten. Der Platz für Text ist hier begrenzt. Ich habe auch schon mal zu lang geschrieben. Dann passiert das. Antwort folgt, aber aus Zeitmangel erst später.
Es gibt auf der Welt keinen einzigen islamischen Staat, außer vielleicht Iran (meiner Meinung nach hat Iran die ursprüngliche Idee der Revolution verraten und hat meiner Meinung nach nichts mehr damit zu tun, auch wenn es offiziell anders heißt natürlich). Es gibt Länder, in denen der Islam als Staatsreligion gilt, es bedeutet aber nicht, dass diese Länder islamisch sind, sprich, dass deren Gesetzgebung sich zu 100% auf den Koran und Sunna beruft. Das ist ein großer Unterschied. Deutschland nennt sich auch christlich und beruft sich immer wieder auf die christlichen Werte, das bedeutet aber nicht, dass das Grundgesetz sich ausschließlich auf die Bibel beruft. Soviel jetzt dazu.
Und auch die Gesetzgebung im Iran beruft sich nicht ausschließlich auf den Koran. Kann es gar nicht, weil der Koran z.B. was Staatengründung usw. betrifft, keine konkreten Vorgaben enthält, außer, dass ein Staatsoberhaupt nicht alleine regieren darf, sondern sich durch Berater, Vertreter also Parlament beraten lassen muss. D.h. dass es viele Bereiche gibt, die der Koran nicht regelt. D.h. dass auch der Iran Dinge nach seinem Belieben regelt. Wie z.B. von Ihnen angesprochene Todesstrafe für Homosexuelle. Ich schließe nicht die Augen vor diesen Mißständen und auch viele Muslime, die ich kenne. Im Gegenteil, es wird auch in muslimischen Gemeinden leidenschaftlich über die Mißstände diskutiert. Und ich bitte Sie, lassen Sie bitte Afganistan ganz aus der Diskussion raus. In Afganistan gibt es seit mehr als 30 Jahren keine funktionierende Regierung (Taliban zählen für mich nicht dazu), wie kann es das auch geben, wenn nur Krieg herrscht. Also ist es bitteschön ein ganz schlechtes Beispiel.
Ich möchte noch einmal betonen, dass es die Religion gibt auf der einen Seite und auf der anderen die Menschen, die diese Religion in vielen Dingen mißbrauchen, entehren, mit ihren archaischen Traditionen vermischen und diese Tradition als islamisch verkaufen. Ich berufe mich schließlich auf den Koran und auf die Sunna, das sollten die einzigen Quellen sein und nicht Staaten, die sich islamisch nennen.
Was das Kriegsrecht im Islam angeht, möchte ich Ihnen diese Regeln nicht ohne Quellen angeben. Ich weiß z.B. dass in Kriegszeiten keine Zivilisten, Frauen, Kinder und Alte, Menschen, die ein Gotteshaus besuchen oder sich im rituellen Gebet befinden (Christen, Juden, Muslime) oder Menschen, die ihre alltägliche Arbeit verrichten nicht angegriffen werden. D.h. nur gegen Sol
Die Frage nach den Werten im Islam war eine echte Frage. Ich habe darauf bisher von Muslimen außer Zusammenhalt der Familie bisher leider noch keine Antwort bekommen. Durchaus kann es ja unterschiedliche Werte geben. Zum Beispiel wäre es ein Wert, dass man seine Kinder antiautoritär erzieht, also ihnen erlaubt, bei jedem Thema mitzumischen oder es wäre ein Wert, Kinder autoritär zu erziehen und Schlagen für ein erlaubtes Mittel der Züchtigung zu halten. Bitte beachten Sie, dass dies nur ein Beispiel ist und nichts über mich (übrigens männlich) oder muslimische Werte aussagt.
Ich beschreibe nicht irgendwelche Länder, sondern islamische Länder, z.B. die islamische Republik Iran, die den Islam nicht nur im Namen trägt, sondern sich in ihrer Gesetzgebung auf Scharia und Koran ausdrücklich beruft. Ich beschreibe nicht die Taten einzelner, die von der islamischen Welt als fehlgeleitete Irre beurteilt werden, sondern die sich auf "Aufträge" von höchster Stelle berufen können. Als 1989 die Todesfatwa gegen Rushdie ausgesprochen wurde, gab es auch in Deutschland seitens Orientalisten Verständnis dafür. Man kann dieses Verständnis in Deutschland äußern und es ist eine klare Aussage, aber mit meinen Werten nicht mehr vereinbar.
Sie können und dürfen in Anspruch nehmen, dass Sie selbst für einen Islam stehen, der dem konträr gegenünber steht, aber Sie können nicht die Augen davor verschließen, dass dieser Islam, der in Iran, Afghanistan, Pakistan, Jemen, Anatolien und bei einem unbestimmten, vielleicht geringen, aber vorhandenem Prozentsatz in europäischen Ländern verbreitet ist, auch für sich in Anspruch nimmt, der wahre Islam zu sein.
Was den Krieg betrifft, würde mich wirklich interssieren, worauf Sie sich berufen. Sie sagen ja, dass dies klar aus Koran und Sunna hervorgeht. Wie wird dort Krieg verstanden? Wie wird dort "Kampf auf Allahs Weg" verstanden? Sind Angriffskriege erlaubt? Wer wird dort als Feind Allahs verstanden und welche Handlungen sind gegen Feinde Allahs erlaubt?
Noch was zu den islamischen Werten: am besten kann man diese erleben während der Ramadan Zeit in den muslimischen Ländern. Aber soweit muss man nicht fahren. Gehen Sie bitte während des nächsten Ramadan einfach in eine Moschee, dann werden Sie wissen, wovon ich spreche. Das ist nur einer der Beispiele. Zakat, eine Armensteuer, ist sogar vorgeschrieben im Islam. Die Beziehung zu den Nachbarn ist sehr wichtig im Islam. Dazu gibt es einen Ausspruch im Islam, der sinngemäß wie folgt lautet: wenn du schlafen gehst im Wissen, dass dein Nachbar hungrig ist, dann bist kein Muslim. Usw. usf.
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