Kritik an ARD und ZDF Quote vor Qualität

Anstatt sich zu ergänzen, berichten ARD und ZDF gemeinsam von der Hochzeit des britischen Prinzen William. Doch ein Gebührenfernsehen, das sich der Quote mehr verpflichtet fühlt als der Vielfalt, braucht keiner.

Kommentar von Christopher Keil

Es könnte dem Gebührenzahler egal sein, ob ARD und ZDF nun gemeinsam stundenlang von der Hochzeit des britischen Prinzen William berichten. Entstehen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk dadurch Kosten? Nein.

Die BBC bietet ein Weltbild an, das sich die Anstalten nehmen dürfen. Und, ja, die Vermählung des Sohnes von Lady Diana, des Zweiten in der Thronfolge Großbritanniens, ist ein Ereignis, für das sich Zuschauer weltweit interessieren, also auch Stammkundschaft von ARD oder ZDF.

Es geht hier nicht um Gebührenverschwendung. Es geht um das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Für die Manager von ARD und ZDF ist die royale Vermählung eine Versuchung, der sie nicht widerstehen können. Sie wissen, dass sie eine hohe Quote bekommen werden - umsonst. Die Haltung, sich zu ergänzen, um Vielfalt zu sichern, ist bei ARD und ZDF nicht erkennbar.

Versorgt sind die zwei Anstalten derzeit besonders mit Sportrechten: Das ZDF kaufte für 150 Millionen Euro die Fußball Champions League, die ARD zahlt 50 Millionen fürs Boxen, nebenbei wächst die GEZ mit der Umstellung auf ein neues Finanzierungsmodell, statt verkleinert zu werden. Immer ist alles von den Gremien der Sender genehmigt oder steht im Einklang mit dem neuesten Rundfunkstaatsvertrag.

Medienpolitikern, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beaufsichtigen, ist die Parallelausstrahlung der Hochzeitsfeier aus London zu Recht nicht egal. Vertreter aller Parteien kritisieren ARD und ZDF dafür. Ein Gebührenfernsehen, das fast acht Milliarden Euro jährlich bekommt und sich der Quote mehr verpflichtet fühlt als Vernunft und Qualität, braucht keiner.

Sender Royal

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