Jungwähler-Show "Überzeugt uns" in der ARD Quatscht uns nieder

Neuwählern zuhören? Ach, wozu denn. Die ARD-Sendung "Überzeugt uns" soll Politiker und junge Wähler zusammenbringen. Doch die Profis quatschten in altbewährter Manier drauflos. Sie zeigten damit: Die Politik ist tatsächlich noch weiter weg von den Jugendlichen als gedacht.

Eine TV-Kritik von Hannah Beitzer

Nein, über unbezahlte Praktika möchte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nicht so gerne reden. Sondern lieber über die duale Ausbildung, denn so eine hat sie schließlich auch gemacht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Politikern, die sonst so in die ARD-Jungwähler-Show "Überzeugt uns" gekommen sind: SPD-Wunderwaffe Manuela Schwesig, Umweltminister Peter Altmaier (CDU), Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), Grünen-Chefin Claudia Roth und natürlich der unvermeidliche Gregor Gysi (Linke).

Sie alle kamen in die ARD, weil sie ein Problem umtreibt: Unter jungen Deutschen ist die Wahlbeteiligung niedrig, die Bindung zu Parteien schwach. Sendungen wie "Überzeugt uns" gibt es deswegen gerade viele im deutschen Fernsehen - fast zeitgleich zur ARD versucht auch Pro Sieben, Jungwähler und Politiker zusammenzubringen. Mit mäßigem Erfolg. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zur ARD: Anders als Pro Sieben bringt sie Junge und Politiker tatsächlich zusammen - sie holt etwa einen in Teilzeit arbeitenden Verkäufer namens Sidney und eine junge Mutter, die sich zwischen Beruf und Familie aufreibt, ins Studio. Außerdem können die Zuschauer über Twitter und Facebook Fragen an die Politiker stellen.

Munter losquatschen

Blöd nur, wenn diese die Fragen einfach nicht beantworten. So wie Aigner, die auf das lästige Thema unbezahlte Praktika sichtlich keine Lust hat. Und stattdessen eben munter drauflosquatscht, wie es ihr gefällt: das deutsche Ausbildungssystem lobt, auf die Abitur-Versessenheit der OECD schimpft, die Deutschlands Bildungssystem regelmäßig ein eher maues Zeugnis ausstellt.

Aigner demonstriert damit aufs Schönste, warum so viele Junge keinen Bock auf Politik haben: denn anstatt echter Teilnahme am Schicksal der Jungen gibt es allzu oft nur hohle Phrasen. Das gilt auch für andere Wortbeiträge aus der Runde - oft scheint es den anwesenden Politkern nicht einmal aufzufallen, wie abgegriffen ihre Rhetorik, wie formelhaft ihre Lösungen wirken.

Begriffe wie Mütterrente, Beitragsbemessungsgrenze, betriebliche Altersvorsorge, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Allgemeinplätze wie "Jeder muss von seiner Arbeit leben können", schwirren durch den Raum. Da kann der Verkäufer Sidney, dem im Monat 700 Euro netto zum Leben bleiben, nur stumm mit dem Kopf schütteln. Und die Mutter, die sich zwischen Job und Kind aufreibt, irgendwann nur noch seufzen: "Aber Kinder sind doch keine Ware."