Streit um Kinofilm "Habemus Papam" Der Heilige Vater irrt

Der Papst ist tot, die Kardinäle wählen einen Nachfolger - doch der Neue erleidet einen Nervenzusammenbruch: Nanni Morettis neuer Film "Habemus Papam" spaltet die Kritik.

Von Henning Klüver

Der Papst ist tot, die Kardinäle wählen einen Nachfolger, schließlich steigt weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle auf. "Habemus Papam", die Menge auf dem Petersplatz jubelt. Doch der neue Papst, erdrückt von der Größe seiner Aufgabe, erleidet, kurz bevor er auf den Balkon treten und die Gläubigen segnen kann, einen Nervenzusammenbruch. So beginnt der neue Film von Nanni Moretti "Habemus Papam", der am Wochenende in 500 italienischen Kinos startete und auch im Wettbewerb des Festivals von Cannes laufen wird.

Fieberhaft versuchen die Mitarbeiter, den neuen Papst (Michel Piccoli) wieder zur Vernunft zu bringen. Ein Psychotherapeut (Nanni Moretti) und seine Kollegin und Exfrau (Margherita Buy) können ihm nicht helfen. Seele und Unterbewusstsein finden nicht zusammen. Der Heilige Vater, der nicht den Glauben an Gott, aber den an sich selbst verloren hat, irrt durch Rom und trifft schließlich eine Theatertruppe, die Tschechows "Möwe" probt. Und outet sich als verhinderter Schauspieler. Im Vatikan veranstaltet derweil der Psychotherapeut mit den Kardinälen ein Volleyballturnier. Am Ende verzichtet der Papst, wie einst Coelestin V., auf sein Amt.

Dante steckte Coelestin dafür in die Hölle, die italienische Kritik hob den neuen Moretti zwar nicht direkt in den Himmel, lobte aber doch wie der Corriere della Sera die "bildnerische Kraft", bei "Schwächen des Drehbuchs". Fast alle Blätter lobten das großartige Spiel des 85-jährigen Michel Piccoli in der Titelrolle.

Widersprüchliches war aus dem katholischen Feld zu hören. Während aus Jesuitenkreisen Wohlwollen laut wurde, druckte L'Avvenire, die Tageszeitung der italienischen Bischofskonferenz, einen Brief, der zum Boykott des Films aufrief. Warum solle man finanzieren, "was unsere Religion beleidigt", hieß es am Sonntag in einem Forumsbeitrag des Blattes.

Nanni Moretti, der auch diesmal ein bisschen selbstverliebt auftritt als "Professore", reagierte cool: Ja, jeder könne den Film auch boykottieren - nachdem er ihn gesehen habe.

Dass der Regisseur vier Jahre nach dem bitterbösen Berlusconi-Film "Der Kaiman" jetzt die Kirche in den Mittelpunkt stellt, erklärt der Corriere della Sera damit, dass Vatikan und Kirche heute in Italien die letzte große und wahre Macht bilden würden. Das Nachdenken über die Verantwortung ihres Spitzenvertreters sei auch ein Nachdenken über diejenigen, die in weltlichen Machtpositionen wenig Verantwortungsgefühl zeigten.

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