Bildband "Genesis" von Sebastião Salgado Schönheit und Bombast

Wenn er etwas anpackt, wird meist eine Riesen-Aktion daraus. Sebastião Salgados fotografisches Langzeitprojekt "Genesis" über die unberührten Winkel unserer Welt ist monumental geraten - mit Bildern von bestechender Schönheit. Genau das ist aber auch ein Problem.

Von Paul Katzenberger

In der Bibel bildet der Mensch den Abschluss göttlicher Schöpfung und die Natur den Beginn. Sebastião Salgado hielt es anders herum. In seinem Fotografenleben interessierte er sich nach eigener Aussage lange Zeit immer nur für eine Kreatur: den Menschen. Nun hat er sich dem Beginn der Schöpfungsgeschichte doch noch zugewandt - in einem brachial-opulenten Bildband mit dem Titel "Genesis".

Die Anspielung auf die Bibel im Titel ist bei jemandem wie Salgado kein Zufall: Ob mit dem Kreuz, der Mutter Gottes oder dem Leichnam Jesu - der Fotograf bediente sich in seinen Bildern seit jeher der biblischen Ikonografie. In "Genesis" zeigt er nun die Welt als Ergebnis einer Schöpfung von überirdischer Schönheit: die Gletscher und die tiefen Schluchten in den amerikanischen, europäischen und asiatischen Randgebieten der Arktis fängt er in atemberaubenden Bildern ein, ebenso wie die nebelumhüllten Berge im Regenwald des Amazonas oder die endlosen Dünen der Sahara.

Die Umorientierung vom Menschen zur Natur hat viel mit Salgados Lebensgeschichte zu tun: Auf einem Landgut in der brasilianischen Provinz aufgewachsen, entwickelte als Kind ein enges Verhältnis zur Natur. Zugleich wurde er mit den prekären sozioökonomischen Verhältnisse konfrontiert, in denen viele Menschen ihr Leben fristen müssen.

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