Minister Guttenberg sagt live im ZDF, der Krieg in Afghanistan sei nicht zu gewinnen. Stunden später erklärt sich der Selbstverteidiger in Kundus.
In diesen Tagen ist Karl-Theodor zu Guttenberg eher Selbstverteidigungsminister als Verteidigungsminister. An diesem Freitag ist er überraschend mit Parlamentariern zu einem Tagestrip nach Afghanistan geflogen, um mit den Soldaten in Kundus zu reden. Zivilisten sei "fürchterliches Leid" geschehen, sagt er im Frühstücksfernsehen.
Nachdenklich, selbstkritisch, ehrlich: Verteidigungsminister Guttenberg beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung. (© Foto: dpa)
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Auch in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner am Donnerstagabend zuvor geht es um die Afghanistan-Expertise des einstigen Wirtschaftsministers, der im neuen Amt mit dem Wörtchen "angemessen" seine Probleme bekam. Im Einspieler heißt es, Guttenberg gerate in Bedrängnis - doch der jungenhafte Minister verzieht nur leicht spöttisch die Mundwinkel und lacht. Er lacht die Bedrängnis weg.
Dieser Baron aus Bayern jedenfalls behält auch in Momenten schwerster Moderatorenbelagerung die Contenance. Er sitzt ruhig auf seinem Stuhl, verhaspelt sich nicht, ignoriert Provokationen ("Lassen Sie es mich selbst sagen"), wird nicht rot, und sagt halt seelenruhig, dass er sich geirrt habe.
Nein, der Luftschlag von Kundus sei objektiv doch nicht militärisch "angemessen" gewesen, er habe sich geirrt. Es seien halt neue Dokumente dazugekommen. "Ich habe eine Fehleinschätzung vorgenommen", beichtet Guttenberg vor dem Fernsehpublikum, und es gehöre sich, das öffentlich zu machen. "Ich muss mich nicht dafür schämen", sagt der Minister mit dem Fehlurteil und bekommt Applaus. Eine Beichte kann telegen sein.
Da ist sie wieder, die Rolle des Ehrlichen, der nicht der Dumme sein will. Der Fehler macht, und dazu steht. Guttenberg verkörpert im Berliner Politikbetrieb die Rolle des Aufrechten, der auch unkonventionell sein will.
Im TV-Studio wirkt er zuweilen wie ein Examenskandidat, der mit Mut zur Lücke in die Prüfung geht und hofft, bestimmte Fragen würden ausbleiben. Hier hat einer Erfolg mit der Chuzpe, offensiv zu erklären, dass man kurz im Amt schon große Sprüche macht, obwohl es offensichtlich an der Ahnung gefehlt hat - und später sich halt wendet und das Richtige sagt. Im Übrigen findet er die Debatte manchmal hysterisch.
Selbst in der emotional aufgeheizten Atmosphäre bei Maybrit Illner hält Guttenberg die Rolle durch. Der Kandidat lernt Minister öffentlich, und keiner will ihm richtig böse sein. Im ZDF spricht er von einer "Neujustierung des Afghanistan-Ansatzes" durch die Amerikaner, und dass "endlich Raum für zivile Aspekte" vorhanden sei, was immer das heißt. Nun hat er auch eine neue gewaltige Erkenntnis: "Afghanistan ist militärisch nicht zu gewinnen."
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Hier ist ein Dokument, das weit mehr aussagt über das schreckliche Wirken der US-AFG-Befreier als noch so viele Regierungserklärungen.
Wer sich für dieses auch für Deutschland wirklich wichtige Thema interessiert, der sollte es lesen obwohl es leider nur in englischer Sprache vorliegt!
http://cursor.org/stories/civilian_deaths.htm
A Dossier on Civilian Victims of United States' Aerial Bombing of Afghanistan:
A Comprehensive Accounting [revised]
"What causes the documented high level of civilian casualties -- 3,000 - 3,400 [October 7, 2001 thru March 2002] civilian deaths -- in the U.S. air war upon Afghanistan? The explanation is the apparent willingness of U.S. military strategists to fire missiles into and drop bombs upon, heavily populated areas of Afghanistan."
Professor Marc W. Herold
Ph.D., M.B.A., B.Sc.
Departments of Economics and Women's Studies
McConnell Hall
Whittemore School of Business & Economics
University of New Hampshire
Durham, N.H. 03824, U.S.A.
FAX : 603 862-3383
Und hier nur dieser eine Absatz daraus:
Phone: 603 862-3375This report sets the record straight: we shall document how Afghanistan has been subjected to a barbarous air bombardment which has killed an average of 41 - 47 civilians per day since that fateful evening of Sunday, October 7th. When the sun set on December 10th, at least 2,700 - 3,000 Afghan civilians had died in U.S bombing attacks [roughly equivalent to about 30,000 U.S. civilian or the equivalent of eleven World Trade Center attacks]. Detailed day-by-day data is presented in Appendix 4. We let the voices of Afghan refugees speak about the U.S. bombings in Appendix 1, which present qualitative corroboration of our figures.
Ob wenigstens der junge deutsche Kriegsminister zu G. so etwas liest oder zu lesen bekommt?
DENN, wer das gelesen hat, der kann in AFG nicht mehr weiter mitmischen, so als ob nichts vorgefallen wäre, bzw. was den Einsatz der fremden Truppen noch einen einzigen Tag länger rechtfertigen könnte!
DAS ist jedenfalls meine Schlussfolgerung!
Wie bei allen sogenannten Polittalkshows mit Livepublikum, findet auch bei denjenigen von Frau Illner - ab Bekanntwerden der Themas - ein Proporzmachtkampf der Parteien/Lobbyisten wegen der Zutrittsberechtigungen statt.
Für diese (Parteien/Interessengruppen) gibt es bei diesen Shows stets ein Kontingent vorab - der geringere Teil kommt "auf den freien Markt".
Für den hier diskutierten Talk bei Frau Illner hatte auch der "Deutsche Bundeswehrverband" ein Kartenkontingent erhalten ...
... vielleicht lässt sich mit dadurch auch der gezielte Beifall erklären, welcher tatsächlich wahrzunehmen war.
... eigentlich nur noch mit Grausen abwenden .
Tun wir aber nicht . Sache der ohnmächtigen Feder bleibt es , den Mächtigen das Lügen schwerer zu machen
Liebe user,
der Artikel wurde versehentlich doppelt angelegt. Es handelt sich um Nachtkritik und findet sich deshalb im Ressort "Kultur".
Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Ach so ...
das mit "Volg" war (böse) Absicht...
Paging