Plagiatsaffäre um Doktorarbeit Guttenbergs Mea Culpa

Der gefallene Politstar gibt sich reuig: Nach seinem Rückzug aus der Politik bittet Guttenberg Bundestags-Wissenschaftler, bei denen er abgeschrieben hat, um Verzeihung.

Wenige Tage nach seinem Rückzug aus der Politik hat sich der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei Autoren der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags entschuldigt.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei der Bekanntgabe seines Rücktritts am 1. März. Nach seinem Rückzug hat der ehemalige Verteidigungsminister jetzt damit angefangen, sich bei den Wissenschaftlern zu entschuldigen, bei denen er abgeschrieben hat.

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In einem Brief, der Spiegel und Focus laut Vorabberichten vorliegt, schreibt Guttenberg, er habe Teile aus "den von Ihnen geschriebenen" Texten für seine Dissertation "wörtlich übernommen, ohne Ihre Autorenschaft in wissenschaftlich redlicher Weise zu kennzeichnen". Dafür wolle er "persönlich aufrichtig um Entschuldigung bitten".

Die Schreiben sind laut Focus jeweils persönlich adressiert, die Anrede sei handschriftlich. Es geht insgesamt um sechs Expertisen von Bundestags-Wissenschaftlern. Dem Spiegel zufolge steht im Absender ein "G-Family Office" in der Berliner Kantstraße.

Guttenberg war Anfang März wegen der Affäre um seine Doktorarbeit als Verteidigungsminister zurückgetreten, ein Amt, das er seit Oktober 2009 innehatte. Der 39-Jährige hatte Passagen bei anderen Autoren abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth erkannte ihm deshalb den Doktortitel ab. Die Staatsanwaltschaft im bayerischen Hof leitete ein Ermittlungsverfahren an.

Indes wird immer mehr Kritik an der von Guttenberg eingeleiteten Bundeswehrreform laut. Diese war aus Sicht der Kritikern schlecht vorbereitet und daher leichtsinnig. Die Vorwürfe kommen laut Spiegel nach dem Rücktritt des CSU-Verteidigungsministers auch aus den Reihen von Union und FDP.

Der schleswig-holsteinische CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Christian von Boetticher sprach demnach von einer "riesigen, offenen Baustelle". Er vermisst ein Konzept zur Rekrutierung von Freiwilligen, zur Sicherung des Katastrophenschutzes sowie "klare, transparente Parameter" für Entscheidungen über Standortschließungen. Der CDU-Politiker beklagte: "Die Union hat sich aus Begeisterung über den Minister mit wehenden Fahnen in die Aussetzung der Wehrpflicht gestürzt."

Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff sagte dem Bericht zufolge, der rasche Verzicht auf die Einberufung von Wehrpflichtigen sei "nur schwer nachvollziehbar" gewesen. Dies schaffe jetzt "zusätzlichen Zeitdruck" für die Bundeswehrreform. Der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe "wegen der Dringlichkeit der Entscheidungen leider keinen Anspruch auf die übliche 100-Tage-Frist zur Einarbeitung".