Nachwuchs in Akademikerhaushalten Warum die Babypause zum Karrierekiller wird

Kinder und Karriere - das ist für Frauen weiterhin ein echtes Problem. Viele Mütter müssen Abstriche bei ihrer Karriere hinnehmen, wenn sie sich für Nachwuchs entscheiden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie - und zeigt auf, wie Frauen trotz Kindern ihren Erfolg im Beruf vorantreiben können.

Nach Ende des Studiums gründen Mediziner und Angehörige sozialer Berufe am schnellsten einer Familie. Juristen und Forscher hingegen lassen sich Zeit mit dem Nachwuchs. Leider noch immer Realität: In der Regel leiden die Karrieren der Akademikerinnen, nachdem sie Mütter geworden sind. Trotz guter beruflicher Chancen von Frauen mit Hochschulabschluss sei die traditionelle Geschlechterarbeitsteilung in den Partnerschaften weiterhin die Regel. "Den männlichen Absolventen gelingt die Vereinbarkeit von Karriere und Beruf vorwiegend dadurch, dass die Partnerin die Familienarbeit übernimmt. Dass der Partner die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung trägt, ist immer noch die Ausnahme."

Das sagt Gesche Brandt, die Autorin einer Studie, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen untersucht. Brandt nutzte für ihre Studie im Auftrag des Instituts für Hochschulforschung Daten aus den bundesweit repräsentativen Absolventenbefragungen. Die Hochschulforscherin untersuchte den Absolventenjahrgang 1997, der ein Jahr, fünf Jahre und zehn Jahre nach dem Examen befragt wurde. Sie konzentrierte sich vor allem auf die Situation der etwa 5500 Frauen und Männer zehn Jahre nach Studienabschluss.

"Bei den Absolventen von Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialwesen wird jeder zweite bereits in den ersten fünf Jahren nach dem Studium Mutter oder Vater. Andere Hochschulabsolventen, für die es länger dauert, sich beruflich zu etablieren, zögern das Kinderkriegen hinaus", sagt Brandt. Juristen und Naturwissenschaftler sind den Erhebungen zufolge meistens noch fünf Jahre nach Studierende kinderlos. Am schnellsten kommt die Familiengründung bei männlichen Medizinern.

Insgesamt gesehen steigt laut Untersuchung mit zunehmendem Abstand vom Abschluss die Anzahl der Eltern. "Ein Jahr nach dem Studium haben 13 Prozent der Frauen ein Kind, nach fünf Jahren 37 Prozent und nach zehn Jahren haben 62 Prozent der Absolventinnen Kinder", so die Forscherin.

Rund 40 Prozent der kinderlosen Frauen gaben an, dass eine hohe Beanspruchung durch den Beruf für den bisherigen Verzicht auf die Elternschaft mitentscheidend sei. Sind die Akademikerinnen Vollzeit erwerbstätig oder in leitender Position, verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Elternschaft. Für Männer konnte Brandt derartige Effekte nicht feststellen.

Männer sind der Forscherin zufolge nach dem Abschluss ihres Studiums in der Regel durchgehend Vollzeit erwerbstätig, unabhängig davon, ob sie Vater sind oder nicht. Teilzeitbeschäftigung ist bei Männern eine Ausnahme. Bei Frauen hingegen ist das Bild ein anderes: Die meisten arbeiten nach Studienabschluss ebenfalls in Vollzeit. Nach der Geburt des ersten Kindes allerdings pausieren sie vom Beruf. "Ein Teil der Mütter weist sehr lange Familienphasen auf, andere steigen in Teilzeit wieder in den Beruf ein", so Brandt. Etwa ein Viertel der Mütter unterbreche die Erwerbstätigkeit nur kurz und sei danach wieder in Vollzeit berufstätig.

Verantwortlich für den verbreiteten Karriereknick bei Akademikerinnen ist laut Brandt die Dauer der "familienbedingten Erwerbsausstiege": "Es gibt durchaus Mütter, die es schaffen, Kind und Karriere erfolgreich zu vereinbaren." Sie stiegen meist nur kurz aus dem Beruf aus und seien anschließend wieder Vollzeit erwerbstätig. Wichtig sei, dass Frauen kontinuierlich arbeiten, um sich ihre Chancen in der Berufswelt zu erhalten. Die Hochschulforscherin weist zudem darauf hin, dass für Mütter, die ihre Karriere weiter vorantreiben wollen, die Rahmenbedingungen stimmen müssen: "Dazu gehören beispielsweise abgestimmte Kinderbetreuungsangebote, qualifizierte Teilzeitstellen und die Unterstützung des Partners."