Karriere Wie man sein Leben glücklich gestaltet

Viele Möglichkeiten, viel Verwirrung: Wie diese Besucherin des Londoner Design Museum betrachten viele Studierende ihr Leben. Ein Kurs im Designerdenken soll ihnen einen Plan geben.

(Foto: Hayoung Jeon/dpa)

An der Stanford University bringen zwei Professoren den Studierenden bei, Alltag und Karriere neu anzugehen - indem sie wie Designer denken.

Interview von Eva Steinlein

Seit fast zehn Jahren sind die Plätze im Seminar von Bill Burnett und David Evans stets belegt: Der Kurs "Designing Your Life" an der Stanford University in Kalifornien soll den Teilnehmern nicht weniger als die Technik für ein glückliches Leben vermitteln. Der Trick, den Burnett und Evans den Studierenden beibringen wollen: Sie sollen ihr Leben angehen wie Designer.

Dahinter steckt weder ein Aufruf zur Selbstinszenierung noch das Gebot, sich alles Bisherige schönzumalen. Einen Designer machen den beiden US-Professoren zufolge vielmehr fünf Eigenarten aus, die sich durch das ganze Leben ziehen: Neugier, die Fähigkeit zum Umdenken, Lust am Ausprobieren, Wille zur Zusammenarbeit und das Wissen, dass alles ein Prozess ist. Dabei gilt: "Das Leben ist ein so vertracktes Problem, dass wir es niemals lösen." Statt also an der einen Ideallösung zu arbeiten, sollen die Studenten "Prototypen" ihres Lebens schaffen, wie es ihren Vorstellungen entspricht. Wie hält so eine optimistische Lebensphilosophie der alltäglichen Realität stand? Ein Gespräch mit den beiden Dozenten, die zu ihrem Seminar auch ein gleichnamiges Buch veröffentlicht haben.

SZ.de: Stanford ist eine Elite-Universität, hier studieren die besten Studenten der USA. Brauchen die überhaupt Hilfe bei der Frage "Was soll ich aus meinem Leben machen?"

Bill Burnett: Alle Studenten, die diesen Kurs besuchen, waren sehr gut in der Schule, aber sie wissen nicht viel darüber, wie man das Leben angeht. Mit unserem Designer-Ansatz können sie herausfinden, an welcher Stelle ihre größte Verwirrung sitzt und welche hinderlichen Denkmuster sie haben.

Sechs Denkmuster, die Sie am Erfolg hindern

"Wenn ich erst erfolgreich bin, werde ich auch glücklich" oder "Arbeit muss keinen Spaß machen": Hinter solchen Sätzen stecken falsche Annahmen, die dem Lebensglück im Weg stehen. Was zwei Stanford-Professoren ihnen entgegensetzen. mehr ...

Dave Evans: Wir unterrichten Studenten jeden Alters, Männer und Frauen, Einwanderer der ersten Generation und Einheimische, Geistes- und Naturwissenschaftler. Jeder hat diese Frage: Was soll ich als nächstes tun?

Sie unterrichten diesen Kurs seit etwa zehn Jahren. Haben Sie den Eindruck, dass die sogenannte Generation Y, die Millennials damit schlechter als andere Generationen zurechtkommen?

Burnett: Ich weiß nicht, warum jeder auf den Millennials rumhackt. Wenn man sich die Literatur ansieht, stellt man fest, dass die Zeit zwischen 20 und 30 einer der kompliziertesten Lebensabschnitte ist. Wir formen erst wirklich vollständig ein erwachsenes Bewusstsein, wenn wir 30 sind. Die Millennials sind insofern anders, als dass sie etwas Bedeutungsvolles für ihr Leben wollen. Sie mögen keine Jobs, die nicht mit einem Zweck verbunden sind. Und sie empfinden weniger Einschränkungen als andere Generationen. Sie sind bereit, verschiedene Dinge auszuprobieren. Aber ich denke nicht, dass das entscheidende Differenzen sind - sie stellen sich dieselben Fragen, die auch Dave und ich hatten.

In Ihrem Buch beschreiben Sie auch Ihren eigenen Lebensweg. Für Sie, Bill Burnett, war früh klar, was Sie wollen, während Sie, David Evans, zunächst Orientierungsschwierigkeiten hatten...

Evans: Ja, vor allem in den Jahren von 19 bis 25 führte mein Weg vor allem durch Schmerz und Verwirrung. Mir lief die Zeit weg. Ich musste in letzter Sekunde Entscheidungen treffen, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte und die falsche Unterstützung bekam. Tatsache ist, dass die ersten Jahre unbeholfener und schmerzhafter als nötig waren. Wie ein Designer zu denken, half mir, Veränderungen zu schaffen und eine strukturierte Methode daraus zu entwickeln, die viele Leute nutzen können.

In Ihrem Ansatz sind Fehlschläge kein Scheitern, sondern ein wichtiger Teil des Prozesses. Wie kommen Sie darauf?

Burnett: Je radikaler, je innovativer etwas ist, desto wahrscheinlicher ist, dass es auch einen Fehler hat. Wenn man nicht wenigstens ein bisschen zu scheitern bereit ist, ist man wahrscheinlich auch kein bisschen innovativ. Wir sagen nicht, dass Scheitern etwas Großartiges sei. Aber es ist das Beste, schnell und frühzeitig zu scheitern - fail fast and fail early.

Evans: Der Grund, warum wir Designer-Denken auf das Leben anwenden, war der Gedanke, dass Ingenieurs-Denken die Welt übernimmt: Wir versuchen, alles zu behandeln, als könne man es reparieren - und wenn man als Ingenieur das Falsche tut, dann hat man es vermasselt. Die Prototypen, die ein Ingenieur baut, sollen zeigen, dass er recht hat. Die Prototypen eines Designers sollen hingegen zeigen, dass man es nicht richtig machen kann - man kann nur daraus lernen. Es ist eine völlig andere Art von Prototyp. Und da Lernen das Ziel ist, gilt: Solange du etwas gelernt hast, bist du nicht gescheitert.